Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1871)
- Date
- 1871-10-17
- Page
- Seite 847 (sequence 13)
- Language
- German
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847 des berüchtigten Grafen Nattimenton, beschönigte und mit weiser Miene die Möglichkeit betonte, daß die asiatischen Juden doch Wohl einen abergläubischen Gebrauch haben könnten, den die europäischen Juden verabscheuten. Die Thatsachen wurden enthüllt, und Herr Thiers mußte vor demselben Cremieux den Rückzug antreten, der ihm auch jetzt gegenüberstand. Auch dies Mal lieh ThicrS allzu willig sein Ohr den Verleumdern der algierischeu Juden; auch jetzt hielt er, nachdem er sich zum ersten Schritte hatte verleiten lassen, den vor aller Welt blamirten Bouzet ausrecht und brachte den Gesetzentwurf, der das Raturalisationsdecret aufhob, bei der Nationalversammlung in Versailles ein. Man weiß, daß der Bericht der desfallsigen Commission wirklich die Aufhebung befürwortet, indem nur eine persönliche Naturalisation für solche Israeliten, die deren würdig wäret!, vorgcschlagen wird. Jndeß wurden die Beweise für die boshaften Motive des Urhebers zu sehr blos gelegt, kamen von den bedeutendsten (christlichen) Handlnngshäusern Gegenpctitionen, wurden die Vorwürfe, daß Frankreich die Grundsätze der bürgerlichen Gleichstellung aufgebe, zu lebhaft, und tvahrscheiulich hat der Generalgouverneur von Algerien, der dem desfallsigen Conseil beiwohnte, so bestimmt davon abgeredet, daß Herr Thiers den Gesetzentwnrf zurückzuzichcn beschloß. Hoffentlich wird Niemand in der Nationalversammlung den Gegenstand wieder aufnehmen, wozu allerdings die Veranlassung vorläge, da es bereits bis zum Commissiousberichte gekommen ist. Fragt man, warum sich die französischen Industriellen, namentlich Fabricantcn, so sehr für die Naturalisation der algierischcn Israeliten iuteressirten, so tvird uns das Motiv durch eine Petition klar, welche schon 1805 von Fabricanten der nordwestlichen Departements an die Negierung gelangte. Hier wird auseinandergesetzt, daß, um die Concurrenz mit dem englischen Handel im Oriente zu erleichtern und in vielen Fällen zu ermöglichen, die algerischen Israeliten die brauchbarsten Werkzeuge seien, wie die Engländer sich der Griechen bedienen. Hierzu aber müßten die algerischen Juden mit dem französischen Bürgerrecht bekleidet sein, um der Despotie und Willkür der orientalischen Regierungen, Beamten und Massen entzogen zu sein. Damals fanden diese Vorstellungen bei der Regierung des Kaisers keinen Eingang, weil das Militärgouvernement von Algier und die sg. arabischen Durcaux die Juden nicht aufkommen lassen wollten. Mit um so größerer Energie traten jetzt dieselben Industriellen für die Sache ein, wo sie bereits gewonnen schien. So müssen die Grundsätze des Rechts und der Freiheit zumeist durch inaterielle Interessen unterstützt werden, um zu siegen. Jndeß ist dieser Ausgang der unangenehmen Angelegenheit auch für das Ausland von Wichtigkeit, denn die Feinde der Juden in allen Ländern trinmphirten schon, indem sie auf daS Beispiel der Franzosen, welche selbst den Grundsatz der Gleichstellung aufgäben, hinwiesen. Bielen klerikalen, russischen und rumänischen Journalen ist eine sehr willkommene Beute cutgangeu. A n z e i e ». Die Stelle deS Religionslehrers bei der hiesigen Gemeinde ist vacaut und baldigst zu besetzen. Gehalt 300 Thlr. jährlich. Die Bewerber müssen die Qualification besitzen, später einer Elementarschule vorzustehen. Sofortiger oder baldiger Eintritt wird gewünscht. Der Vorstand der Synagogcn-Gemeinde Bonn. Robert Goldschmidt. Der seit 0 Jahren und noch jetzt hier fungirende Lehrer und Cantor Herr Stern beabsichtigt seinen Stand zu verändern und nächsten Januar außer Function zu treten. Es sucht nun die hiesige Gemeinde zum 1. Januar einen Elementar- und Religionölehrer, der zugleich den Eantordienst versieht, mit einem Gehalte von 250 — 300 Thlrn. nebst freier Wohnung. Durch Unterricht in Musik und fremden Sprachen kann ein nicht unerheblicher Nebenverdienst erzielt werden. Reflcctanten wollen gef. ihre Offerten dem Unterzeichneten Vorstande einsenden. Luegde, 3. October 187l. Der Vorsteher: •'_Israel Wiemller. Offene Stelle. Die hiesige israel. Gemeinde beabsichtigt einen Cantor anzustcllen. Der jährliche Gehalt ist vorerst ans 000 fl. festgesetzt. Da jedoch der Anzustellende über sehr viel freie Zeit zu verfügen hat, so ist demselben durch Ertheilung von Privatstunden im Hebräischen wie auch in der Musik sehr viel Gelegenheit zu Nebenverdienst gegeben. Der Cantor hat die selbstständige Leitung des zur Zeit bestehenden Synagogenchors zu übernehmen. Anmeldungen tun besagte Stelle wolle man innerhalb vier Wochen an den Unterzeichneten einsenden. LudwigShafen a,Nh., den 27, Sept. 1871. Der Vorstand: L. Joseph.