Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-10-10 · Heft 41 (10.10.1871) · p. Seite 834

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 41 (10.10.1871)
Date
1871-10-10
Page
Seite 834 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226798-3226840--29942-3252803
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

834 bei den Propheten und Hagiographen Fragen aufgestellt in dem Sinne: wie könnt Ihr sonst vernunftgemäß die Ordnung in der unermeßlichen Welt und die Ordnung in der menschlichen Gesellschaft, in den Geschicken der Einzelnen, der Völker und der ganzen Menschheit erklären? Sie verdammt darum keineswegs von vornherein alle Untersuchungen über diesen Gegenstand; nur erklärt sie jedes andere Resultat für einen bedauernswerthen Jrrthum. — Die heilige Schrift lehrt die göttliche Vorsehung und Vergeltung. Sie verbirgt sich aber nicht, daß die Tageserfahruug. der Schein der Wirklichkeit viele Zweifel daran verursacht, und behandelt diese in den Psalmen, im Jiob und im Prediger, also als sehr verbreitete Zweifel. Sie weist den Ungrund dieser Zweifel nach und schließt mit dem Satze, daß dem Menschen die ganze Weisheit, d. h. die reine Erkenntniß der Wahrheit durch feinen eigenen Geist nicht gegeben, für ihn daher die wahre Weisheit sei: Gott zu lieben und zu ehrsürchten und das Gute zu thun! Dies ist das richtige Verhältniß. Mögen nun von' der einen Seite Philosophen und Menschen der Wissenschaft die Lehren der Religion verwerfen; von der anderen Seite fanatische Theologen jede philosophische und wissenschaftliche Thätigkeit, jedes abweichende Resultat der letzteren von der Theologie, wie sie dieselbe auffassen und verknöchern wollen, vertheilen — Religion und Wissenschaft , religiöse Ueberzeugung und philosophische Untersuchung stehen hoch über diesem Parteigetriebe. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. In Bukarest wird von den rumänischen Journalisten ein Congreß beabsichtigt. Das Ausschreiben hierzu ist allzu charakteristisch, als daß wir es mit Stillschweigen übergehen sollten. Es heißt in demselben: „Ausgeschlossen sind diejenigen Journale, deren Eigenthümer und Redacteure Fremde sind, welche fremde Mitarbeiter, einen fremden Administrator, fremde Austräger, ja selbst diejenigen, welche einen fremden Hausknecht haben. „Daß die Juden von diesem Congresse ebenfalls ausgeschlossen sind, bedarf kaum einer Erwähnung, da dieselben noch weit hinter der Kategorie der Fremden stehen — weil sie eben Juden sind. . „Zu den auszuschließenden Fremden gehören auch diejenigen, welche mit uuö stammverwandt sind, wie die Franzosen und Italiener, uno nicht minder unsere ReligionSgenoffen, die Griechen und Bulgaren." Zu letzterem Satze werden Gründe angeführt, z. B. Franzosen nicht, denn es könnte unter diesen einer sein, der ,.'Napoleon lll.", daS Idol der Rumänen, beleidigen könnte. Man würde an Wahnwitz glauben, wenn es nicht schließlich auf eine Verschwörung gegen die Regierung und alle Fremden hinausliefe. Die Wiener „Presse" theilt Folgendes mit: „(Ein ritterliches Honorar.) Wie wir unseren Lesern bereits mitgetheilt, findet demnächst in Ischl die Vermälung des Herrn Ritter v. Springer jun. mit Fräulein v. K önigswarter aus Paris statt. Herr v. Springer, der Vater, glücklich darüber, Herrn v. Springer, den Sohn, in den heiligen Ehestand treten zu sehen, trifft nun alle Anstalten, die Trauung in solennest-jüdischer Weise in Scene zu setzen. Was kann es in Israel Solenneres geben, als wenn der alte Sulzer dem Ehepaare den Segen ertheilt. Das erkannte auch Herr v. Springer und lud den Obercantor ein, den Trauungsact zu vollziehen. Sulzer sagte zu, da er schon dem Vater die Hymenäen gesungen, sollte auch der Sohn nicht verkürzt werden. Die Bereitwilligkeit Sulzers, in dieser Jahreszeit die für ihn immerhin beschwerliche Reise nach Ischl anzutreten, sollte Würdigung und Belohnung finden. Zu den oft im freundschaftlichen Verkehre ausgesprochenen Herzenswünschen des greifen Sängers gehört der Wunsch, in seinen alten Tagen ein noch so kleines Heim in der Umgebung Wiens zu besitzen. Dieser Wunsch geht nun anläßlich der Jschler Trauung in Erfüllung. Herr Springer hat dem gefeierten Obercantor brieflich eröffnet, daß es ihm (Sulzer) frei stehe, nach Belieben eine Villa in der Umgebung Wiens zu kaufen, er (Springer) werde den Kaufschiüing erlegen. Die Summe, die als Maximalpreis für den eventuellen Kauf auSgesetzt ist — man sagt 15,000 fl. —, reicht immerhin aus, um für die „Sulzer - Ruhe" ein anständiges Plätzchen zu erwerben. Die vielen Verehrer Sulzer's werden diese Nachricht gewiß mit Befriedigung aufnehmen, und die vielen Verehrer der Millionen Springers sollen sich daran ein Beispiel nehmen und es ihm nachmachen." Zur Charakteristik der rumänischen Zustände dient u. A., was die „Rum. Post" erzählt: „Nicht minder gefährlich ist der Mangel der nötigen Concentration, dies ist Mangel an Kraft und führt zur Anarchie. „Hier ist also nichts wünschenswerther, als daß die Rumänen sich bei dem Einigungswerke nicht von fremden Inspirationen, sondern von ihrem rumänischen Geiste, der sie bis jetzt erhalten hat, leiten lassen sollen." Verlag von Baumgärtner'S Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redacteur Dir. H. Lotze.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.