Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1871)
- Date
- 1871-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JW 4L Iö.,2ahrgc>ng. Allgemeine Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HeranSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 10. October 1871. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstag«, in 2 bi« 2'/, Bogen. Preis de« Iabrgrng« 4 Tblr. Halbsächriq 2 Thir. Vierteljährig 1 Tdlr. Inserat: werden mit 1 */2 Ngr. für die Pcritzcile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung«-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedilion für beide Letztere hat sich daS König!. Sachs. Haupt-ZeitungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Wieder einmal die Freimaurerei. I. — Das Gedenkbuch an den deutsch-französischen Krieg von 1870—1871 für die deutschen JSraeliren. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Erlangen, BreSlau, Ans dem Posen'schcn, Cassel, Straßburg. — O esterr.-Ungar. Monarchie: Aus dem Tokajergebirge. — Frankreich: Paris. — Spanien: Madrid. — Rn ß l a n d: Ans Rußland , Aus Wilna. — Rordamerika: Chicago. Feuilleton-Beilage: Auf und nieder. (Fortsetzung). — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 3. October. Wieder einmal die Freimaurerei. L Es ist höchst merkwürdig, daß bei näherer Prüfung die großen historischen Erscheinungen bei aller Verschiedenheit ihres Ursprungs, ihrer Zwecke und ihres sactischen Verlaufes dennoch eine gewisse Uebereinstimmung in ihrer geschichtlichen Entwickelung erweisen, so daß sich eben schließlich bestimmte Bildungs- und Entwickelungsgcsetze Herausstellen, welchen alle menschlichen Institutionen unterworfen sind. Es versteht sich, die Verwirklichung dieser Gesetze ist, weil Inhalt und Lebensbedingungen überaus verschieden sind, von der mannigfaltigsten Art. Um aber zu der Erkenntniß zu gelangen, daß diese Gesetze auch in dieser oder jener geschichtlichen Gestalt gewaltet haben, ist es nothwendig, daß die Geschichte derselben auS allem Wüste von Fabelei, Sage, Unkenntniß und Trug herauSgearbeitet und in klares, unzweideutiges Licht gestellt werde. Dies ist das Verdienst unserer Zeit. So verworren auch sonst die Verhältnisse in der Gegenwart nach allen Richtungen sein, so schroff auch die Gegensätze, so kühn, ja sagen wir frech, deshalb die liebertreibungen jeder Partei gegen einander und die Entstellungen der Wahrheit sein mögen — der unwiderstehliche Drang kritischer Geschichtsforschung und objectiver Geschichtsschreibung, wahrscheinlich gerade aus dem Kampf der Gegensätze hervorgegangen, ist die Signatur unseres Jahrhunderts und verbürgt für die Zukunft den Sieg der Wahrheit und die endliche Ausgleichung. Gegen die Anmaßung irgend einer Partei ist die Geschichte die stärkste und dauerhafteste Waffe; sie stürzt jedes falsche Piedestal, sie deckt die trügerischen Fundamente auf, auf welche jede Partei ihre Rechte aufbaut und stützt; sie zerreißt unerbittlich jeden Schleier, jeden Nebel, welcher um die wirkliche Gestalt gebreitet worden. Vor solchem Lichte vermag sich kein Vorurtheil, keine Anmaßung, kein vermeintliches Recht zu erhalten; die Gegner müssen dieses Schlachtfeld räumen und können sich nur noch hinter dem Walle ihres persönlichen Willens, ihres widerrechtlichen Machtanspruches vertheidigen, aber die Zahl ihrer Anhänger wird immer geringer, und so müssen sie sich schließlich vor der Wahrheit und dem Rechte beugen. Eine solche. Krise.'stft gegenwärtig auch für den Freimaurerbund eingetreten, und an der Hand eines auS-