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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-09-26 · Heft 39 (26.9.1871) · p. Seite 785

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 39 (26.9.1871)
Date
1871-09-26
Page
Seite 785 (sequence 13)
Language
German
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m strafung der Schuldigen" warten, ohne daß wir bei anderen Gelegenheiten später von einer solchen Bestrafung jemals Etwas zu vernehmen hatten. Ist übrigens das von der „Rum. Post" angegebene Datum des Vorfalls „am 5. August" .kein Druckfehler imb sollte nicht „am 5. September" heißen, so hätte die Bestrafung der Schuldigen längst erfolgen müssen. Die „Rum. Post" thcilt mich die Aeußernngcn mehrerer rumänischen Tagesblätter über diesen Vorfall mit, die der Wahrheit so ins Gesicht schlagen, so abscheulich und imb unmoralisch sind, daß wir sie hier nicht wiedergeben mögen. Die Rumänen haben bekanntlich in allen Dingen stets Frankreich zum Muster genommen, d. h. die schönen, edlen und großartigen - Seiten der französischen Ration nnd Verfassung ließen sic außer Acht und thaten das Gegentheit, aber was in Frankreich entartet und sittenlos geworden, das machten sie zu ihrein Eigcnthum. Dahin gehört besonders der Journalismus, und wenn, wie die einsichtsvollen Franzosen-jetzt selbst gestehen, die französischen Journalisten durch ihre Verlogenheit, Häuslichkeit, Gier nach Ansehen nnd Geld die Hauptschuld an dem Verfall Frankreichs tragen, so ist dies auch in Rumänien der Fall, und wenn cs die rumänischen Journalisten vermöchten, würden sie ihre französischen Eollegen an Schlechtigkeit, Bosheit und Verblendung noch übcrbieten. Rußland. St- Petersburg, im August. (Privatmitth.) Der Eollegialseeretär, Herr Doppelberg. Mitglied des Eivil- und Eriminalgerichts zu Pensa, ist, dem Regierungsauzeigcr zufolge, als Staatsanwaltsgehilfe an das Kreisgericht zu Tambow versetzt worden. — Herr S. Schapiro, vom technologischen Institut, der erst vor Kurzem von seiner zweiten, im Aufträge des Ministeriums unternommenen, Studienreise ans den Gouvernements Archangel, Wologda und Dloniec znrückgckehrt ist, soll in Kürze, iviederum im Aufträge und auf Kosten der Regierung, zu gleichen Zwecken sich nach Deutschland, England und Schweden begeben. Die Zeitschriften „Trud" (Arbeit) und „Arbeiten der ökonomischen Gesellschaft" bringen gegenwärtig aus der Feder dieses jungen talentvollen Gelehrten sehr bemerkenSwcrthe Artikel über seine auf den gedachten Reisen gewonnenen wissenschaftlichen Resultate. Warschau, im August. (Privatmitth.) Die amtliche Wirksamkeit unseres neugewählten Gemeindcpräfeeten, des Herrn Oe. Ratauson, ist eine wahrhaft aufreibende zu nennen. Als Mann von hoher wissenschaftlicher Bildung und von einem seltenen Scharfblick geleitet, womit sich ein überaus tiefes Gefühl für fremdes Wohl und Wehe, namentlich für alle sittlichen und materiellen Interessen unserer Glaubensgenossen, sowie für die Ehre und Würde des Judenthums verbindet, iveudet er, in richtiger Erkenntuiß dessen, was uns vor AllemRoth'thut, dem Uuterrichtswcsen innerhalb der hiesigen jüd. Gemeinde die unausgesetzteste. Aufmerksamkeit und rastloseste Thätigkeit zu. Und wie dringend eine solche geboten, beweist der wahrhaft trostlose, Schauder und Mitleid erregende Zustand, in welchem unsere Talmud Thoras, Chcidcrs n. s. w., die sich, in den schmutzigsten, feuchtesten und finstersten Stadtwinkeln gelegen, der öffentlichen Eontrolle seither entzogen, bei der durch Herrn Oe. Ratauson vorgeuommenen Visitation befunden wurden. Unter den bedeutendsten materiellen Dpfern sucht nun derselbe mit unermüdlicher Energie — die aber doch der auf die einmal obwaltenden Verhältnisse in zartester Weise Rücksicht nehmenden Humanität nicht entbehrt — der Existenz dieser Brutstätten altes körperlichen und geistigen Elends ein unwiderrufliches Ende zu machen und sie in Anstalten zu verwandeln, die unter vollster Wahrung des religiösen Standpunctcs in jeder anderen Hinsicht der Gegenwart und ihren Bedürfnissen mehr Rechnung zu tragen geeignet sind. Es ist natürlich, daß unsere „Frommen" — geradeso wie bei Ihnen in Deutschland, wenn cs gilt, bessere Zustände innerhalb des Gemeindelebens anznbahncn — diesen edlen Bemühungen unseres neuen Vorstandes hindernd in den Weg treten möchten; daß sie über die Hinwegränmung des hundertjährigen Schmutzes und Schuttes Ach und Weh schreien, als ob durch diese das ganze Jndcnthmn gefährdet wäre; daß sie in der Beschränktheit ihres Geistes und in der Befangenheit — 11m nicht zu sagen in der Verstocktheit — ihres Herzens der Hand noch fluchen, die sie segnen sollten, da diese ja ihnen und den zukünftigen Generationen so viel Segen zu bringen rastlos bestrebt ist. Alle Wohldenkcndcn indcß begleiten die energische Thätigkeit des Herrn Dr. Ratauson, den: seine Eollegen in den von ihnen übernommenen Aemtcrn würdig zur Seite stehen, mit theilnehmendster Aufmerksamkeit und

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