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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-09-19 · Heft 38 (19.9.1871) · p. Seite 763

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 38 (19.9.1871)
Date
1871-09-19
Page
Seite 763 (sequence 13)
Language
German
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763 muß die Fremdcnconcurrenz vernichtet und müssen namentlich die Juden aus dem Lande verwiesen werden. Zur Hebung des Nationalbewußtseins ist ein einheimischer Fürst so uothwendig, daß jede fremde Dynastie staatsrechtlich für null und nichtig in Rumänien zu erklären ist. Ad versus liostem aeterna auctoritas.!Gegen den Fremden und den Feind ist jeder Widerstand ewig zu Recht bestehend.) Endlich ist die einzige für die Rumänen passende Staatssorm, die altrepublikanische, mit föderativem Zusammenhang der einzelnen Provinzen, mit Dolkswahl für sämmtliche Beamte rc. Gegen dieses staatsgcfährliche System cröffnete sofort Herr MajoreScu einen literarischen Feldzug. Unglücklicherweise war aber damals Bratiano an der Gewalt, und so ging die rothe Partei mit jenen „Fractionisten" eine unheilvolle Verbindung ein. Was daraus entstand, weiß Jedermann, und Rumänien eilte schnellen Schrittes dem Abgrund zu. Endlich raffte sich die gegenwärtige Regierung auf, die Kammer wurde aufgelöst, das Ministerium Ghika entlassen, und die neue Deputirtenwahl brachte Herrn Majorescu mit den Anhängern seiner Richtung in die Kammer, so daß die Fractionisten gegenwärtig nur sieben Kammermitglieder zählen. Jetzt erst erhalten jene Streitschriften Majorescu's ihre hohe Bedeutung. Er zeigt da, daß Barnntz nicht die geringste wissenschaftliche Begründung für seine Ansichten erbracht hat, daß diese niemals im wirklichen römischen Staatsrecht zur Geltung gekommen, und daß er die schülerhaftesten Berstoße gegen die römische Rechtsgeschichte begangen. Don großem Wcrthe ist der Schluß des dritten Thciles, den hier aber wiederzugeben der Raum mangelt. Wir heben nur die Sätze hervor: „Die Menge der Fremden und namentlich der Juden in unserem Laude sind das Symptom eines großen Nebels, Niemand kann dies leugnen. Aber welch' unbedachtes Mittel, das Symptom zu bekämpfen und das Nebel bestehen zu lassen, oder wenigstens das Symptom zuerst auzugreifcn ntit der Hoffnung das Nebel nachher zu verbessern! „Unser Nebel ist der Mangel an Thätigkeit und der Mangel an Kenntnissen im rumänischen Bolle. Diese Mängel einmal gegeben, mußte zwangsweise der ganze Handel und die ganze Wissenschaft fremd werden, und die Fremden waren demnach inmitten des Ueb^'s die Vertreter der guten Thätigkeit, welche ein Staat nicht entbehren kann, ohne zu Grunde zu gehen. Die Juden haben bei und die HandelSbewegung aufrecht erhalten, die Schulen aus Frankreich und Deutschland haben uns die Ideen der Eultur gegeben. Wir können nur dann diese fremde Hülfe bei Seite lassen, wenn wir im Stande sein werden, aus eigenen nationalen Fonds sie zu ersetzen. Aber diese Ersetzung ist durch positive Thatsachen zu beweisen, also durch unsere wirkliche commereielle Thätigkeit und durch unser wirkliches geistiges Leben, nicht aber durch Negation gegen das Bestehen der Fremden. Die Juden werden wir beseitigen, wenn wir wenigstens ebenso thätig sein werden wie sie, die deutschen und französischen Ideen werden wir ersetzen, wenn die unserigen ebenso ausgcreift und begründet sein werden. Aber so lange dies nicht der Fall ist, die Verfolgung der Fremden beginnen, heißt die Barbarei gegen die Freiheit entfesseln, den DbseurantiSmus gegen die Intelligenz vertreten. Ter einzige Weg zu unsere«» Heile ist die Verbreitung der Kenntnisse, und jede Zeit, welche außerhalb^ dieser Thätigkeit mit Intoleranz und dem sogenannten > nationalen Exclusivismus zugebracht wird, ist eine verlorene Zeit zum Ruin des rumänischen Staates." Man sieht, Majorescu steht doch nur auf rumänischem Boden; er spricht von den Juden als Fremden, als ob ein nicht großer Thcil derselben durch ihre Geburt im Lande, ja dadurch, daß ihre Familien seit Geschlechtern schon in Rumänien ansässig waren, längst das nationale Recht, das Anrecht auf ihr Vaterland erworben haben. Jndeß würden wir vorerst uns glücklich schätzen, wenn nur Majorescu's Ansichten sich Geltung verschafften. Der Kampf hat begonnen, aber er wird noch lange dauern. A u ze i ge n. Die Stelle eines Religionslehrers, Cantors und Schächters soll bei der hiesigen Gemeinde vom I. December e. anderweitig besetzt werden. Gehalt 200 Thlr. und circa 100 Thlr. Nebeneinkünfte. Cuatificivte Bewerber wollen sich biL zum 20. October c. franco bei dem Unterzeichneten Vorstande melden. Reise und sonstige Kosten werden nicht besonders vergütigt. Löwenberg i/Schl., den 15». September 1871. Der Synagogen-Gemeinde-Vorstand: Nobert Wollenberg.

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