Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1871)
- Date
- 1871-09-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang. Allgemeine JW 37. Ein iflÜKlf: mm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herau «gegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 12. September 1871. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2*/i Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Tblr. HalLiährig 2 Thlr. Biertclsährig 1 Tblr. Inserate werden mit 1Ngr. für die Petitzcile oder deren Raum berechnet. Alle Diichhandlungen. Postämter und ZeitungS-Expeditioncn nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-ZeitungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Zum Nosch haschanah. — Die Vergötterung (Apotheose) von Menschen. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Bad Ems, Cleve, Mannheim, Frankfurt, Stuttgart. — Oesterr.-ungar. Monarchie: Von der Theiß. — Frankreich: Paris, Bonn. — Aegypten: Alexandrien. Feuilleton-Beklager Auf und nieder. (Fortsetzung.) — Vermischtes. ** Leitende Artikel. Bonn, 3. September. Zum Rosch haschanah. Als vor einem Jahre das heilige Fest zu uns trat, wie ganz anders sah es um uns aus! Erinnern wir uns dessen im Gefühle des Dankes, um das Fest so inniger und gehobener zu feiern. Die beiden großen Nationen Westeuropas lagen in einem furchtbaren Kampfe, der immer mehr zu einem blutigen und leidenschaftlichen Volkskriege sich erweiterte. Die Hoffnung, die kurz gehegte, daß nach der Katastrophe von Sedan der Friede wiederkehre, war geschwunden, der Versuch, über einen Waffenstillstand sich zu verständigen, gescheitert. Die französische Nation, die ohne Ursache angegriffen hatte, wollte von ihrem Territorium nichts aufgeben, die deutsche, die angegriffene und nun siegreiche, wollte die Waffen nicht niederlegen, ohne größere Sicherheit für ihre zukünftige Ruhe erworben zu haben. Als das Fest nahete, waren die traurigen Aussichten auf neue blutige Kampfe eröffnet.' Der 'Kaiserthron war zusammengestürzt; eine revolutionäre Regierung erstanden; sie lenkte aber statt in den Frieden, in einen Massenkrieg ein. Paris. Metz, Straßburg waren von den deutschen Heeren mit eisernen Gürteln umschlungen. Darin auch eine jüdische Bevölkerung von ungefähr 40,000 Seelen. Alle Bedrängnisse, Entbehrungen und Gefahren waren über sie gekommen und machten das Fest zu einem trübseligen, herzerschütternden. Am zweiten Tage des Festes capitulirte das schwer heimgesuchte Straßburg. Die deutschen Familien hatten ihre Söhne draußen, am Anfänge eines früh und streng e'mtretenden WinterfeldzugeS, und ihre Herzen schlugen vor Aengsten und Besorgniß über das bevorstehende Schicksal ihrer Kinder, preisgegeben den Stürmen der Elemente wie den Geschossen der Feinde und dem heimlichen Mordstahl einer erbitterten VolkSmasse. Aller Jubel unerhörter Siege ging schnell in diese Befürchtung der Vater- und Mutterherzen, der Gattinnen und Geschwister auf. Welche blutigen Schlachten standen noch bevor, welche Beschwerden und Gefahren der belagernden Armeen! Das war für Deutschland und Frankreich daS Rofchhafchanahfest des JahreS 5631! Wie anders kommen wir zu bemfetBen Feste in diesem Jahre. Der Friede ist zurLckgekehrt, die Waffen sind niedergelegt. Deutschland hat sich zu dem wieder-