Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1871)
- Date
- 1871-08-22
- Page
- Seite 677 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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677 „Die in der Pfalz aufgestellten Rabbiner haben durchweg gleiche Befugnisse und die unterfertigte Stelle kann es nicht zulassen, daß dieselben in der Praxis gegenseitig ihre Befugnisse nach ihrer theologischen Richtung bemessen oder bestreiten wollen/' Folgt Unterschrift. Hiernach wird wohl Herr Rabbiner Salvendi die Würde seines Amtes nicht mehr so aus den Augen stellen, daß er den Schammes damit betraut und so dem Publicum die Meinung insinnirt, cs komme gar nicht darauf an, wer eine religiöse Handlung verrichte, und ebenso wenig wird er sich in Zukunft das glaubensrichterliche Amt über seine Collegen in der Pfalz anmaßen. Frankreich. Paris, 1. August. Das Decret der Regierung der Nationalvertheidignng vom 24. Oct., welches den eingeborenen Israeliten Algeriens die französische Naturalisation verlieh, ist also einfach wieder aufgehoben worden, und die algierischen Juden auf ihren früheren Standpunct der bloßen Duldung zurückgebracht! Frankreich hat hierdurch seinen bisherigen politischen Grundsätzen ins Gesicht geschlagen, und gewissen Staaten einen Prcicedenzfall geschaffen, der von Übeln Folgen sein kann. Es hat aber auch hiermit zugleich einen Beweis seiner Schwäche gegeben, wie wir von ihm nicht hätten erwarten sollen. Denn daß diese Maßnahme nur geschehen ist, um den Arabern einen Grund der Unzufriedenheit, eine Ursache des Aufstandes zu nehmen, gestehen die französischen Journale und die Urheber der bereits erwähnten Petitionen gegen jene Naturalisation selbst zu. Wir glauben aber, daß die Franzosen sich hier nur in einem Kreise herumdrehcn. Um nicht zuzugeben, daß die französische Mißregierung in der algierischen Colonie und der Unabhängigkeitstrieb der Araber die Ursachen, und die französischen Niederlagen die Gelegenheit zum Aufstande gegeben haben, werfen sie alle Schuld auf den Unmuth, welchen die Araber über diese Naturalisation empfunden haben sollen. Und weil sie nun dies ans dem sehr offen liegenden Grunde behaupten, heben sic diese Naturalisation wieder auf, um vermeintlich den Widerstand der Araber zu beseitigen. Es ist dies Alles Gaukelei. Die arabischen Wüstenstämme, die Bewohner Kabyliens nehmen sehr wenig Notiz von den gesetzgeberischen Acten, welche die Franzosen in schneller. Folge erlassen, und haben wenig Begriff von dem Unterschied eines natnralisirten und eines nichtnaturalisirten Juden, noch dazu da sie in den Städten zahlreiche französische Juden im Besitz der bürgerlichen Rechte längst gesehen haben. Die Franzosen werden eS Niemandem einredcn, daß jene Stämme den Aufstand nicht versucht hätten, nachdem sie von den Niederlagen der französischen Waffen gehört, wenn das Decret vom 24. October nicht erschienen wäre; ebensowenig haben sie sich durch dieses zur Empörung bewegen lassen. Wenn dies jetzt auch in englischen Blättern, z. B. in den Daily News behauptet wird, so führt deren Correspondent seinen Bericht doch selbst auf französische Quellen zurück. Dieselben Petitionäre hatten behauptet, daß die Israeliten, wenn sie das Wahlrecht ausüb- Len, in einer geschlossenen Phalanx zur Wahlurne rücken und so die Wahl beherrschen würden. Der Gegenbeweis ist eben geführt worden, die eingeborenen Juden wählten mit, und Herr Cremieux erhielt dennoch die Majorität nicht. Ebenso unzutreffend ist also auch das erste Argument, und die Zurücknahme des Decrets ist eine Blamage für Frankreich. — Mit Dekümmerniß gestehen wir, daß die Rolle, welche die französischen Journale gegenwärtig spielen, nämlich den Nationalhaß gegen die Deutschen auf's Acußerste zu schüren und leidenschaftlich zu entflammen, und was etwa Staat gegen Staat, Nation gegen Nation Feindseliges haben, ohne alle Rücksicht auch auf den Verkehr der Individuen hinüberzutragen, von den jüd. Journalen ebenfalls eifrig durchgeführt und eine feindselige Gesinnung in den französischen Juden gegen ihre deutschen Glaubensgenossen genährt wird. Das jüngste Heft der Arch. isr. giebt davon mehrfache Beweise. Wir unsrerseits werden diesen Gegenstand nicht wieder berühren, denn Vernunftgründe helfen nichts, und wir liiüffcn eine Besserung der Zukunft überlassen. Broschüren, wie die Rachebriefe Alexander Weill's, die dem Judcnthume Dinge aufbürden, für welche es sich bedankt, übergehen wir mit Stillschweigen und überlassen deren Lobzesang der jüdisch-französischen Presto. — Bei den eben vollzogenen Münicipalwahlen von Paris wurden mehrere Juden als Eandidaten aufgestellt, doch nur einer, Raynal, im 17. Arrondissement (Quartier des Ternes) gewählt. Dies entspricht dem numerischen Verhältniß der Be- 34