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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-08-22 · Heft 34 (22.8.1871) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 34 (22.8.1871)
Date
1871-08-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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35. Jahrgang. Allgemeine 34. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerauSgeg eben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 22. August 1871.' Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal DicnflagS, in ‘i Bis -2'!2 Dogen. Preis des a-rhrgangS « Thlr. Halbjährig ‘2 Thlr. Vierteljährig I Tblr. Miserat.' werden mit 1 >/, ^kgr. für die Petitzcile oder deren ittaun, berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und ZcitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expcdilion für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-AeitungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Anstände in Rußland. — Die Revision des Gesetzes vom 23. Juli 1547. — Die amerikanischen Wirren. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Schippcnbcil, Darmstadt, Speyer. — Frankreich: Paris. — Großbritannie n: London. — Donaufürstent h ü m e r: Bukarest — Rußland: Schirwindt. Feuilleton-Beilage: Ans und nieder. (Fortsetzung.) — Eine satyrische Vision. (Schluß). — Leitende Artikel. Bonn, l4. August. Zustände in Nnßland. Es giebt fük die Verhältnisse der Juden unsrer Zeit keine wichtigere Frage als die Zustände unsrer Glaubensgenossen in Rußland. Denn einerseits gilt es hier die Gegenwart und Zukunft fast des ganzen Drittels aller Bekenner des Judenthums; andererseits haben wir es mit einem Staate zu thun, der mitten in einer großen Entwickelungßphase steht, mitten zwischen dem Occident und Orient, mitten zwischen alten und neuen Zuständen. Wenn die Lage der Juden in allen westlich von Rußland gelegenen Ländern als entschieden, die Lage derselben in den eigentlich orientalischen Ländern als unveränderlich angesehen werden muß: so verhält es sich anders mit den russischen Staatsangehörigen jüdischen Glaubens und StamlneS. Hier sind die Zustände derartig, daß sie als unhaltbar zu erachten sind, und dennoch häufen sich die Schwierigkeiten, welche sich einer wesentlichen Verbesserung entgegenstellen. Es ist daher die Frage um die russischen Juden sowohl für diese eine wahre Existenzfrage, als auch von einer tiefgreifenden Bedeutung für daß russische Reich selbst. Jedermann wird daher einsehen, daß eö für die Redaction dieser Zeitung eine Pflicht ist, diesem Gegenstände einen großen Raum zu gewähren, und mit Ernst und Gründlichkeit immer wieder darauf zurückzukommen. Wir gestehen offen, daß es jetzt nichts giebt, was unS mehr am Herzen liegt. Wer unsre Arbeiten über diese Angelegenheit, die bereits bis auf das Jahr 1838 zurückgehen, näher betrachtet, erkennt, glauben wir, daß wir sie stets mit eben so vieler Wärme als möglicher Unparteilichkeit behandelt haben. Wir ließen unS nie von jener weitverbreiteten Russophobie beherrschen, von einer leidenschaftlichen Erregung gegen diese gewaltige Erscheinung, daS riesenhafte Zarenreich in der modernen Welt, noch unS den Muth verkümmern, offen die Schäden blos zu legen, und Unrecht und Jrrthum als solche zu bezeichnen, von welcher Seite sie auch ausgingen. Versuchen wir eS, diesen Weg auch fernerhin zu verfolgen. Wir wollen heute keine Rückschau halten, nicht auf die Zeilen des Kaisers Nikolaus, nicht auf den Regierungsantritt des hochherzigen Alexander II., der damals auch seinen jüdischen Unterthanen so große Erleichterungen gewährte, zurückgehen. Vielleicht ist damals Vieles verfehlt worden, weil sich am Regierungssitze selbst

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