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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-08-08 · Heft 32 (8.8.1871) · p. Seite 645

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 32 (8.8.1871)
Date
1871-08-08
Page
Seite 645 (sequence 17)
Language
German
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1 .A. Allgemeine Femlleton-Leilage M Rr. 3Z. Leipzig, den 8. August.1871. * Di. Gottfried Schmelkes, Arzt zu Teplitz. In diesen Tagen erhielten wir von befreundeter Hand ein in Weimar in der Boigt'schen Officin „als Manuskript für Freunde" gedrucktes Heft (G9 S.), enthaltend eine „biographische Skizze" des oben Genannten, fast in allen Weltgegenden. berühmten Teplitzer Badearztes, „nebst poetischem Nachlasse". Die biographische Skizze ist aus der Feder unseres Ludwig August Frankl, eines Verwandten und Jugendfreundes des Biographirten, geflossen. Hat schon an und für sich das Lebensbild eines so ausgezeichneten Glaubensgenoffen, deffen segensreicher Wirksamkeit so viele Leidende Heilung oder doch Linderung verdankten, ein hohes Jntereffe, so wird dies durch den poetischen Nachlaß gesteigert, welcher, so gering auch sein Umfang ist, viel Schönes, ja an Form und Inhalt Vollendetes enthält. Wir könnnen es uns daher um so weniger versagen, nach dieser Skizze einige Züge dieses Lebens hervorzuheben, und mehrere der Gedichte, welche unser eigentlichstes Gebiet berühren, hinzuzufügen. Gottfried Schmelkes wurde am 22. September 1807 in Prag geboren. Vater und Mutter waren durch ihre höhere Bildung und in ihrer körperlichen Erscheinung ausgezeichnet. Schon in seiner Kindheit zeigte er große Anlage zum Zeichnen; sein Vater bestimmte ihn aber, die Zeichenschule zu verlassen und das Piaristen-Gymnasium zu besuchen, wo er in allen Klassen prämiirt und als der Erste unter seinen Mitschülern öffentlich bezeichnet wurde. In Religion wurde er von Herz Hanberg, im Hebräischen vom jetzigen Seminar-Director Dl-. Z. Frankel unterrichtet. Schon 1828 erschienen seine ersten poetischen Products in verschiedenen Journalen. Er wollte Jura studiren, aber da er auf diesem Wege als Jude damals noch zu keinem Ziele gelangen konnte, wandte ec sich der Medicin zu. 1832 erschien sein episches Gedicht „Mila", welches eine allgemeine Sensation erregte und die Gräfin Therese Trautmannßdorf in Wien veranlaßte, ihn als Leibarzt in ihr Haus aufzunehmen. Im folgenden Jahre promovirt, trug ihm der damals allmächtige Leibarzt des Kaisers, Freiherr v. Stifft, eine Professur an. Gern hätte Schmelkes die akademische Laufbahn betreten; da aber der Religionswechsel als Bedingung gestellt ward, wies er diesen mit Entrüstung zurück. Er ging nach Teplitz und ließ sich daselbst als Badearzt nieder. 1835 wurde er Primararzt am israelitischen Hospital; und bekleidete dieses unbesoldete Amt 35 Jahre lang. Als er es ein Jahr vor seinem Tode niederlegte, mackte er eine Stiftung, von 2000 fl. an die Anstalt. Von 1837 an gab er in den nächsten 30 Jahren eine Reihe gediegener medicinischer Schriften heraus,' welche sich auf die Teplitzer Thermen beziehen, und sich ebenso durch ihren wissenschaftlichen Gestalt wie durch treffliche Form auszeichnen. Für kranke Soldaten und Beamte zunächst aus dem Königreich Sachsen rief er 1849 ein Hospital ins Leben, gründete 1550 ein schönes HauS zu diesem Zwecke und bekleidete 20 Jahre das unbesoldete Amt als Arzt und Director der Anstalt. Nachdem 1849 in Oesterreich den Stadtgemeinden die Selbstverwaltung gegeben wurde, ward Schmelkes von seinen Mitbürgern zum Stadtrath gewählt, blieb dies bei jeder erneuten Wahl und wirkte 1818 als stellvertretender Bürgermeister. Wir übergehen hier die Orden und Auszeichnungen, die Schmelkes erhielt, aber auch seine Familienverhältnisse, in welchen er sich stets als den liebevollsten, fürsorglichsten und aufopferndsten Gatten, Vater und Bruder erwies. Der Biograph theitt hier unter Anderm einen Brief vom 10. April 1867 mit, den er seiner Tochter Doris zmn Geburtstage schrieb, und der ein Muster einfach vorgetragener Lehren eines weisen Arztes, eines Gotterfüllten Denkers und eines liebevollen Vaters ist. Großes Leid verursachte ihm das vieljährige Kränkeln seiner Gattin. Als durch eine Operation in dem Verlaufe ihrer Kraukkeit ein Stillstand eingetreten, unternahm er im vorigen Jahre, um sich von seinen aufreibenden Arbeiten zu erholen, mit seiner Tochter Doris eine Reise nach Jnterlaken in der Schweiz. Aber gleich nach seiner Ankunft erkrankte er, es stellten sich die Symptome ein, welche einem Schlaganfalle voranzugehen pflegen. Dieser trat am 13. October ein, und am 28. Oktober erlosch sein Leben, nachdem er in dieser Zwischenzeit nicht wieder zum Bewußtsein gelangt war. Die Leiche wurde nach Teplitz Überführt und am 6. November fand das feierliche Begräbnis statt, bei welchem die hohe Achtung und Liebe

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