Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1871)
- Date
- 1871-08-08
- Page
- Seite 639 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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zu prüfen, ob die Statuten der Genossenschaft nichts enthalten, was den allgemeinen Staatsgesetzen zuwiderlaufen würde. Hingegen müsse der Eintritt in solche Genossenschaften dem freien individuellen Ermessen anheimgestellt bleiben, und könne weder ein Zwang zum Beitritte noch die Mitwirkung der politischen Behörde zur Eintreibung rückständiger Cultusbeiträge bewilligt werden. In Folge obiger Ministerialentscheidung bildet sich demnächst eine israelitische Ncligionsgenossenschaft in Baden unter dem Namen eines „Cultusvereins", nachdem der abweisliche Bescheid der niederösterreichischen Statthalterei, wonach diese Genosscnschaftsbildung, „weil die Errichtung und Erhaltung der zum Bestände eines derlei Vereins erforderlichen Anstalten durch die eigenen Kräfte der Mitglieder nicht gesichert erscheint," für unzulässig erklärt worden war, außer Kraft gesetzt worden ist. Italien. Aus Oberitalien, 24. Juli. (Privatmitth.) Die auf den 28. Mai l. I. einberufene Versammlung zur Erhaltung und Beförderung der italienischen Rabbinerschule ist von äußerst wenig Gliedern besucht worden. Es waren im Ganzen nur fünf Repräsentanten erschienen. Der Hauptzweck, die vorgeschlagene Statutenänderung zu besprechen, ist zwar durchgeführt worden. Allein was ist bei solch erschreckender Gleichgiltigkeit der Gemeinden für ein Institut zu erwarten, dessen Existenzmittel so gering und precär sind, daß dessen Fortdauer, ich glaube nicht einmal für zwei Jahre gesichert ist. Hierzu kommt noch das Unglück, welches das Paduaner Collegium betroffen hat, daß Professor Lelio della Torre am 9. l. M. mit Tode abgegangen, und mit ihm, gebe der Himmel daß ich nicht das Rechte errathe, auch die noch vor kurzem so berühnrte, segensreiche Rabbinerschule von Padua, zu Grabe getragen worden ist. Professor della Torre ist beinahe 70 Jahre alt geworden, hatte es durch festen Willen und eisernen Fleiß dahin gebracht, noch als junger Mann, ungefähr 27 Jahr alt, Professor am Collegium Rabbinicum für den rabbinischen und homiletischen Theil zu werden, und hat es nicht vernachlässigt, sich die Kenntniß der französischen, deutschen und englischen Sprache in einem Grade anzucignen, daß er nicht allein in diesen Sprachen gut und elegant schrieb, sondern auch im Stande war, gründlichen Unterricht in denselben zu ertheilen, was er auch wirklich that, ungeachtet die Veröffentlichung mehrer geschätzten Arbeiten im Italienischen seine Zeit nur allzusehr in Anspruch nahm. D o'.! au fit r steil thü m er. Bottusch an, Anfangs Juli. (Privatmitth.) Die hiesige israelitische rumänisch-deutsche Hauptschule macht mit jedem Jahre bedeutende Fortschritte, sowohl hinsichtlich der Vermehrung der Schiilerzahl, als auch des bessern Unterrichtes.. Sie ist jetzt die einzige Lehranstalt in Rumänien, welche sehr segensreich wirkt, da alle sechs Schulen, nämlich in Jassy, Bacau, Roman, Foltischeny, Fokschan und Galatz, die zu gleicher Zeit mit der hiesigen eröffnet wurden, bereits eingegangen sind. Erst in diesem Jahr gelang es dem rühmlich bekannten, für das Wohl seiner Glaubensbrüder beseelten Herrn Anton Lcvy, Rabbiner und Prediger in Jassy, dort wieder eine Schule zu creiren, und seine treffliche Leitung kräftigt unsere Hoffnung, daß ihr nunmehr eine längere Dauer beschieden sei. Am diesjährigen Schabuothfeste hatten wir die Freude, den amerikanischen Generalconsul, Herrn Peixotto, in Begleitung seines Secretärs Herrn Dr. Stern und des rühmlich bekannten Samuel Marcus aus Bucarest hier zu sehen. Die Gemeinde hatte diesen Männern den herzlichsten Empfang bereitet. Sie wohnten dem Gottesdienste bei, besuchten das provisorische und daS rm Bau begriffene jüdische Krankenhaus (für welchen Bau die Gemeinde 20,000 Tucaten opfert) und besonders die Schule, in welcher in ihrer Gegenwart eine sorgfältige Prüfung der Schüler veranstaltet wurde. Herr Dr. Stern drückte den Lehrern und Schülern in rumänischer Sprache die vollste Anerkennung aus, während Herr Marcus dasselbe in deutscher Sprache that und den merkwürdigen Fortschritt bezeichnet, daß er in seiner Jugend die deutsche Sprache nur mit großer persönlicher Gefahr, als Ketzer verfolgt zu werden, zu erlernen vermocht habe, während jetzt diese und andere Sprachen, sowie die profanen Gegenstände in einer öffentlichen Schule und mit so großem Erfolge gelehrt werden. Herr Peixotto widmete ansehnliche 32*