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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-08-01 · Heft 31 (1.8.1871) · p. Seite 620

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 31 (1.8.1871)
Date
1871-08-01
Page
Seite 620 (sequence 12)
Language
German
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Amerika. New-Iork, 30 Juni. Folgenderinaßen lautet der Protest, der in New-Iork Times und in andern Blättern veröffentlicht worden ist: „In Cincinnati hat vor einigen Wochen eine Conferenz getagt, die, meistens aus nichttheologischen und zur Vertretung des Judenthums gänzlich unbefähigten Mitgliedern bestehend, gleichwohl den Namen „tbe Oonkereves of American Rabbis" sich anmaßte. Die Documente ihrer Verhandlungen liegen vor dem Publicum. Was Niemand glaublich, was Niemand für möglich gehalten, ist da geschehen. Der Urheber dieser Conferenz har geradezu den persönlichen Gott geleugnet und den Glauben an einen solchen dem biblischen Judenthum abgesprochen, hat ferner den biblischen Gott als einen strafenden, der aber nicht verzeiht und keine Sünde vergiebt, bezeichnet, vorgebend, daß der Glaube an einen persönlichen und sündenvergebenden Gott im Christenthum seinen Ursprung hätte. Ein anderes Mitglied der Conferenz, ebenfalls den persönlichen Gott verleugnendhat die logische Consequenz daraus gezogen und ausgesprochen, daß Beten zu Gott absurd sei. Kaum daß Ein Conferenzmitglied eine leise Meinungsverschiedenheit kundgab; die Anderen alle nahmen es schweigend hin. Ja mehr noch. Die Conferenz hat eben dieses, den persönlichen Gott und das Gebet verachtende Mitglied in die Commission zur Abfassung des Gebetbuchs und für ihr nächstes Zusammentreten zur Abhaltung eines Vortrags über die biblische Gottesidee gewählt. Was Wunder, daß nicht allein jüdische, sondern auch christliche Leser und Blätter der verschiedensten Richtung ihr Staunen und ihre sittliche Entrüstung hierüber nicht unterdrücken konnten! Und wir sollten zu solchen Blasphemien, zu solchem unerhörten Frevel an unserem Heiligthum von Seiten derer, die es zu bewachen und zu bewahren den Beruf haben, schweigen? — Hätten diese Herren ihre heidnischen Lehren bloß als ihre persönliche Ansicht kundgegeben, wir würden es still beklagen, im Uebrigen aber den Gemeinden, an deren Spitze dieselben als Lehrer der jüdischen Religion gestellt worden, es überlassen, ob sie auf dem Boden des Judenthums beharren wollen, oder nicht. Wo aber, wie hier geschehen, das Judenthum verfälscht, ihm Heidnisches angedichtet und so der Name Gottes und Israels geschändet wird vor den Augen der Völker, da wäre cö ein Frevel an unserem heiligen Berufe, wenn wir nicht öffentlich und mit aller Entschiedenheit Protest dagegen einlegten. Wir erklären daher hiermit: 1) Daß der Gott der Bibel nicht „die Substanz der. Natur," nicht Eins mit der Natur ist, sondern ein persönlicher Gott, der Schöpfer und Regierer des Weltalls, der unendlich erhaben ist über dasselbe, der „tief herniederschauet auf Himmel und Erde," und daß, wer einen unpersönlichen Gott lehrt, mit dem Judenthum gebrochen hat. 2> Daß das Hineintragen der göttlichen Unpersönlichkeit in die Bibel eine schmachvolle Fälschung des göttlichen Wortes ist. 3) Daß das Judenthum in seinen Offenbarungsschriften, in seiner ganzen Literatur und Geschichte göttliche Gnade und Barmherzigkeit und, dem entsprechend, dem reuigen Sünder Vergebung und Verzeihung verkündigt, und daß eine Ableugnung dieser Thatsache eine Schändung des Judenthums und des göttlichen Namens ist. -i j Daß eine Conferenz, welche dem Manne, dem das Gebet in Folge seiner Gottesanschauung als Unsinn gilt, Sitz und Stimme in einer Commission zur Abfassung eines Gebetbuchs einräumt, sich und ihr Unternehmen von selbst richtet. New-Iork. Juni 1871.*)" vr. S. Adler, 604 Lepington Ave., New-Iork. L. Adler, Chicago, Jll. Dr. S. Deutsch, Baltimore. Dr. D. Einhorn, 364 West 55. Str., New-Iork. Dr. B. Felsenthal, Chicago, Jll. James K. Gutheim, 133 East 59. Str., New-Iork. H. Hochheimer, Baltimore. A. Hossmann, Baltimore. *) Es war weder rathsam, noch möglich, bei allen wohldenkenden jüdischen Lehrern der Religion um ihren Beitritt zu diesem Protest anzufragen. Wer aus freiem Antrieb für die heilige Sache eintreten will und seinen Namen den Unterschriften hinzugefügr wünscht, möge dies einem der New-Iorker Unterzeichner anzeigen.

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