Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1871)
- Date
- 1871-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226830--29707-3252558- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
35. Jahrgang. A l l g k M k l N t BL Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Phktrppfori in Bonn. Leipzig, den 1. August 1871. Diese ^eituna erscheint wöchentlich einmal Dienstag«, in 2 bis 2'/* Bogen. Preis bes Jahrgang« 4 Thlr. Halbjährig 2. Mr .Vierteljährig i Tblr. Inserat: werden mit 1'/, Ngr. für die Petitzcrlr oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und ^cltungS--Expcdlt,onell nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedilion für beide Letztere hat sich da« Königs. Sachs. Haupt-ZertungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Amerikanische Wirren. — Bericht über diezweite Synode^ HI. — Literari scher Wochenbericht: Berlin, Bonn. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Von der Elbe, Bonn. — Frankreich: Paris. — Rußland: Aus Litthauen, Petersburg. — Amerika: New-Iork. Feuilleton-Beilage: Aus und nieder. III. — Correspondenz: New-Dorl. Leitende Artikel. Bonn, 23. -Juli. Amerikanische Wirren. Wie wir bereits berichtet haben, ist in Amerika unter unseren Glaubensgenossen, so weit ste sich an der Discussion religiöser Fragen betheiligen, ein heftiger Streit ausgebrochen in Folge verschiedener Aeußerungen, welche in der jüngst zu Cincinnati abgehaltenen Rabbiner- und Cantorenconsereuz gefallen sind, und jede Post bringt uns von dort Druckschriften, welche die immer größere Heftigkeit und Ausbreitung desselben bekunden. Nachdem der „Jsraelite" und die „Deborah" (Cincinnati), der „Hebrew Leader" und die „Iewish Times" (New-2)ork) und alle anderen jüdischen Blätter Amerikas, auch einige politische Zeitungen ihr Geschütz ins Feuer gebracht, vr. Jastrow eine besonders scharfe Kritik losgelassen, traten auch die Herren Lilienthal, Hübsch, Sonneschein, Kleeberg u. A. zum Kampfe auf, und es gab eine Fluth von Protesten, Erklärungen, Angriffen und Vertheidigungen, die immer höher steigt. Das Sonderbarste dabei ist, daß man über die Richtigkeit des eigentlichen Streitobjectes noch durchaus nicht einig ist. Die Einen wollen die bezüglichen Phrasen gar nicht gehört haben, die Anderen sagen, ste seien nur hypothetisch ausgesprochen worden, die Dritten verneinen dies, und der eigentliche Urheber, ein vr. Mayer, schweigt, obschon wiederholt aufgefordert, sich darüber zu erklären. Die Einen definiren mit großem Wortschwall, daß „der persönliche Gott" kein jüdischer Begriff sei, während die Anderen mit richtiger Würdigung deffen, was man unter diesem Ausdruck zu verstehen hat, den Ausspruch des vr. Mayer verurtheilen und als völlig irreligiös verwerfen. Liest man die betreffende Auslaffung im Zusammenhang, so hat vr. Mayer jedenfalls recht wohl gewußt, was er sagte, und alle beschönigenden Ausreden halten nicht Stich. Wenn er sagte, daß stxirte Gebete, richtiger überhaupt Gebete an Gott nicht zu richten seien, weil es keinen persönlichen Gott gebe, so hat er mit Letzterem ^verstanden und konnte nichts Anderes verstehen, als daß Gott kein selbstständiges Wesen mit freiem Willen, an das man sich betend wenden könne, sondern eben mit der Natur identisch sei, und man braucht dann fürwähr nicht viel Worte zu machen, um diese Lehre als den vollen Gegensatz zum Judenthume und zu aller Religion überhaupt, als Gegensatz zur Thora, zu den Propheten, zu den heiligen Scribenten, zum Talmud und zur gesammten jüdischen