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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-07-18 · Heft 29 (18.7.1871) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 29 (18.7.1871)
Date
1871-07-18
Page
Seite 574 (sequence 6)
Language
German
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574 populäre Anschauung darin sich wiederspiegelt. Wie es stets geschieht, ist auch er freilich in den Strafandrohungen mannigfaltiger und energischer als in der Ausmalung des Lohnes. Literarischer Wochenbericht. Berlin, 27. Juni. Im September dieses Jahres feiern die jüdischen Gemeinden Berlins das Fest ihres zweihundertjährigen Bestehens. Zu diesem Feste beabsichtige ich eine Geschichte der Juden in Berlin von den ältesten Zeiten bis auf die unmittelbare Gegenwart zu schreiben. Bei der Bedeutung, welche Berlin für die Culturgeschichte des Judenthums überhaupt hat, darf wohl diese Geschichte ein Interesse in allen Kreisen beanspruchen. Ich richte daher die Bitte, an alle Diejenigen, welche etwa im Besitze von ungedruckten Documenten und Notizen sind, die auf diese Geschichte Bezug haben, mir dieselben gütigst zukommen zu lassen.*) vr. Gustav Karpeles. Große Hamburgerstraße 19 a. Gr. Becskerek, im Juni. (Von D. Oppenheim). Seit der Entstehung der sprachvergleichenden Studien ist die Ansicht und Meinung der alten jüdischen Grammatiker von der Zweibuchstabigkeit der hebräischen Verbalstämme wieder zur Ehre und Geltung gekommen. Fürst und Delitzsch machten sich um die Verbreitung und wissenschaftliche Begründung dieser Lehre sehr verdient, die besonders in jüdischen Kreisen bereitwillige Aufnahme fand. Wohl hatte schon wenige Decennien früher Salonwn Pappenheim in rrobo mrv den Versuch gemacht, für die Nichtigkeit der alten, zum Theil traditionellen, grammatischen Anschauung einzutreten; aber dessen Bemühungen fanden wenig Nachahmung. Die blendenden Erfolge der sprachvergleichenden Studien brachten auch aus dem Gebiete der hebräischen Grammatik und Lexikographie einen gewaltigen Umschwung hervor, der na¬ *) So viel wir wissen, wird auch Seitens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde in Berlin eine Geschichte derselben und zwar nach den Acten des Gemeindearchivs erscheinen. Die Redaction. mentlich auf die Exegese Einfluß auszuüben suchte. Die Rabbiner Meklcnburg und Hirsch machten in ihren Commentaren von dem alten System der Zweibuchstabigkeit der hebräischen Verbalstamme einen ausgedehnten Gebrauch. Aus dieser Schule ist auch folgendes Schriftchen: „yy Zur Analyse der hebräischen Wörter auf Grund der primitiven Lautvecbindungen und Bedeutungen, insbesondere des --Lautes. Von M. 9. Cohn. In Commission bei 9. Kaufmann in Frankfurt a. M. 1871", hervorgegangen. Es läßt sich wohl dem Verfasser Witz und Scharfsinn nicht absprechen, besonders, wo er von seinen Untersuchungen exegetische Anwendung machen will. Allein hier bewährt sich am meisten: Mit Worten laßt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten. Es will uns dabei immer bedünken, wenn wir die waghalsigen Etymologien lesen, als wenn unsere Ururväter ein Collegium Logicum hörten und ihren Geist wohl dressirten, solche widersprechende Combinationen aufzustellen. Nehmen wir daS erste beste Beispiel zur Hand, so kann der Leser sich davon leicht einen Begriff machen. S. 37: „2-1?. Von der Wurzel 21 streiten haben wir 2-,-n auflauern, 22-n zerstören rc. Diesen Begriff der Feindschaft, fährt der Verfasser fort, sehen wir in 22-- im Gegensatz: 1. bürgen, dem etwaigen Streit Vorbeugen; 2. angenehm sein, in Folge dessen, 3.-mischen: was mit einander freundlich ist, mischt sich und geht in einander über." Es sind diese Erklärungen geistreich; aber gelinde gesagt, höchst unwahrscheinlich. Man kann mit solchen Erklärungen blenden, aber nicht überzeugen. Ueberhaupt vermissen wir in dem Schriftchen jede Rücksicht auf die semitischen Dialecte, geschweige auf die indogermanischen Sprachen und die ganze Schrift trägt mehr den Charakter eines geistreichen Versuches, als einer wissenschaftlichen Arbeit. Wir reihen dieser Anzeige ein kurzes Referat über das folgende Merkchen an: rpisw rn^iön V'st nm Sb Sn pb, herausgegeben nach einer in Jerusalem befindlichen Handschrift von N. Koronel. Der Herausgeber hat sich durch seine Editionen von rp2 und pw 022- S 2112 viele Verdienste um die hebr. Liter, erworben, und auch die Rechtsgutachten der Gaonim, 119 Nummern, so wenig sie auch bieten, werden in den sich interessirenden Kreisen willkommen ausgenommen werden. Die Periode der Gaonim ist in literarischer Hinsicht so steril, daß jedes Blättchen Ns,

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