Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1871)
- Date
- 1871-07-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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-35. Jahrgang. Allgemeine JW 29. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. 'HerruSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 18. Juli 1871. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/, Bozen. Preis dcS Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig I Tblr. Inserat: werden mit I >/, Ngr. fi!r die Petitzeilc oder deren -Raum bcrechner. Alle Buchhandlungen, Postämrcr und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Sxpedirion für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-ZcitungS-Durcau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Verschiedenes. — Die Lehre des Judenthums von der göttlichen Vergeltung. VW. — Literarischer Wochenbericht: Berlin, Gr. Becskerek. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Leipzig, Bonn, Wattenscheid. Posen, Labian. — Ocsterr eichisch-ungarische Monarchie: Wien. — Frankreich: Paris. — Italien: Rom. — Donau fü r stenthümer: Bukarest. — Rußland: Russisch Polen, Mitau. — Nordamerika: Cincinnati. Feuilleton-Beilage: Auf und nieder. I. — Aus der Commune von Paris. — Geschichtliche Notiz. Leitende Artikel. Bonn, 9. Juli. Verschiedenes. Als die Friedenspräliminarien zwischen Deutschland und Frankreich geschloffen worden, als endlich der definitive Friede zwischen den beiden großen Nationen wieder eintrat, damals schon machten wir uns darauf gefaßt, daß von dem flammenden Deutschen - und Prcußenhaffe, der sich unserer Nachbarn jenseits des Rheines bemächtigt hatte, ein guter Theil auch auf die deutschen Juden, vielleicht auch auf uns persönlich fallen werde, und nahlnen uns vor, auf desfallsige Jnvectiven weder im Namen unserer deutschen Glaubensgenoffen, noch für uns selbst zu antworten. Die Leidenschaft verblendet; wer ihr aber wahrend ihrer Explosionen Heilmittel beizubringen sucht, gießt nur Oel ins Feuer. Man muß also entweder Gleicher mit Gleichem vergelten, also auch leidenschaftlich gehässig werden, oder — schweigen, in der Hoffnung, daß auch dieses Feuer mit der Zeit verlöschen werde. In der That übersteigt -dieser Haß gegenwärtig jede Granze, jedes denkbare Maß, und erfüllt die besten Denker, die sonst empfindsamsten Herzen unter den Franzosen bis zu einer Unwürdigkeit, welche „die große Nation" mehr herabsetzt in der Achtung der civilisirten Welt, als alle ihre Niederlagen, als selbst die Greuel der Commune. Denn letztere kann man doch immerhin einem kleineren entarteteren Theile der Nation zuschreiben , ihr Schauplatz beschränkte stch auf Paris und in ganz Frankreich erhob stch für sie kein Arin, selbst als die Versailler Negierung ihre ganze' Macht und Stütze nur noch in einigen wenig zuverlässigen Regimentern hatte. Aber wenn die' besten Stimmführer der Nation, wenn eine Zeitschrift wie die Revue des dcux mondes,“ welche die geistige Blüthe der Nation repräsentirt, sich geradezu der empörendsten Gemeinheiten schuldig machen, wenn selbst dieses Journal der Tummelplatz niedrigster Verleumdungen, Lügen und Schimpsreden wird — dann hat man wohl ein Recht, nicht zu antworten, sondern voll Verachtung zu schweigen. Nicht um anzuklagen, aber um nichts ohne Beweis hinzu stellen , wollen wir nur ein paar Beispiele aus der Masse derselben herausgreifen, und zwar der kürzesten Art. Da lesen wir in einer Abhandlung, geschrieben von einem „Mitgliede deS. Instituts von Frankreich" E. Caro: „Kant war ein sehr rechtschaffener Mann, obgleich er ein Preuße war" ((znoiczue Pruesien); in einem Tagebuch der George