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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-07-11 · Heft 28 (11.7.1871) · p. Seite 568

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 28 (11.7.1871)
Date
1871-07-11
Page
Seite 568 (sequence 20)
Language
German
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568 abstoßend gegen die Bekenner der herrschenden Religion zu erweisen, ist jedenfalls dazu angelhan, die Meinung zu erregen, als ob gehässiger Sinn, Antipathie und Intoleranz von unserer Seite ausginge und von der Gegenseite höchstens erwidert würde. Ist dies aber in der That die wirkliche Sachlage- Ward (und wird zum Theil noch) die bürgerliche und staatsbürgerliche Ausschließung nicht immer gegen uns geübt, und ist seit mehreren Menschenaltern nicht unser unaufhörliches Streben, diese künstlich ausgerichteten und mit Beharrlichkeit aufrecht erhaltenen Schranken niederzureißen? Ist nicht sogar vie Sucht, sich in die Kreise der Andersglaubenden einzuführen und darin heimisch zu machen, eine überspannte, an Leidenschaft grenzende, die darum auch gar oft schon als jüdische Zudringlichkeit und Arroganz scharf gegeißelt worden ist? 2a gewiß! schroffe Behandlung, kalte Abweisung ist den Juden als solchen, auch wenn sie noch so gebildet und für die betreffenden Cirkcl nichts weniger als unehrenvoll waren, von anderer Seite häufig genug zu Theil geworden; sie selbst aber haben es sich beständig zur Ehre angerechnet, wo sie mit Christen, sei es höheren oder niederen Ranges, in engeren Verkehr treten, mit ihnen gesellig harmoniren, sie in ihrem Hause gastlich bewirthen und zu heiteren Gesellschaften wie festlichen Gelegenheiten heranziehen konnten. Und wenn Zwecke der Wohlthätigkeit zu verfolgen waren, wer hat dabei größere Toleranz und Humanität obwalten lasten, die Christen zum Besten von jüdischen Unglücklichen oder die Juden zu dem von christlichen? Oft genug ist von den Betreffenden selbst, da die Facta gar zu deutlich sprechen, mit einem Anflug von Schamgefühl den Letzteren uneingeschränktes Lob dafür ausgesprochen worden. Von unserer Seite — das wird jeder Wahrheitsliebende unbedingt unterschreiben — sind Annäherung, Freundlichkeit, Zuvorkommenheit, Diensteifer und Wohlthun den, wie sehr immer übelwollenden Gegnern unter allen Umständen bereitwilligst entgegengetragen worden, Abstoßung, Unfreundlichkeit und Schroffheit waren dagegen zumeist die Erwiderung, welche uns dafür zu Theil ward und in der Regel noch bis zum heutigen Tage wird. Und damit wird es auch in Zukunft so lange nicht anders werden, als Menschenrecht und Menschenwürde, Gerechtigkeit und Nächstenliebe nicht an und für sich und absolut, sondern allein unter dem beschränkten Gesichtskreise der Confessionalität betrachtet und geübt werden, da diese ebenso trennend und spaltend sich zwischen die Glieder der menschlichen Gesellschaft stellt, als wahre Religiosität einigend, versöhnend und verbindend wirkt. Erst wenn statt jener diese auf Kanzeln und Kathedern herrschend und maßgebend geworden sein wird, wird auch uns ohne Rückhalt die Hand zum Friedensbunde gereicht werden, wie wir sie von jeher mit Eifer und Freudigkeit den andersglaubenden Brüdern entgegengestreckt haben und es auch ferner zu thun trotz aller mißliebigen Erfahrungen nimmer abstehn werden. Dies zur Steuer der Wahrheit. Es leugne sie, wer eS mit reinem Gewissen thun zu können vermeint! Dr. M. Stern. Cnriosum. Die „N. Fr. Pr?' sagt: Hier erscheint, herausgegeben und redigirt von einem gewissen Professor M. Behovar, eine Wochenschrift für die Jugend. In der letzten Nummer dieser illustrirten Sonntagsblätter, deren Programm eine „nützliche, sittliche und zugleich erheiternde Lectüre für die Jugend von 10 bis 1G Jahren" verspricht, findet sich unter dem Titel: „National-Charakter der verschiedenen Bewohner Europas" wörtlich folgende Schilderung der Juden: „Die Juden sind arbeitsscheu, besonders vor solchen Arbeiten, die (wie z. B. der Ackerbau» eine ausdauernde körperliche Anstrengung erfordern. Ihre vornehmsten Erwerbszweige sind: das Branntweinbrennen und das Branntweinschänken; der Handel mit rohen Naturproducten, besonders mit Wolle und Getreide, der Geld- und Wechselhandel, das Hausiren, wobei sie nicht einzeln für sich, sondern als geschlossene Gesellschaft wirken. In dieser Verbindung und Fähigkeit liegen für sie die Vehikel, sich Unterstützung zu verschaffen, die jedem anderen Menschen entgeht, und jedes Geschäft, das irgend eine Beziehung auf Handel und Wandel hat, in ein Monopvlium zu verwandeln, ohne dazu eines Privilegiums zu bedürfen.. Daher findet man häufig unter den Juden Männer, die durch Handels- und Geldgeschäfte in kurzer Zeit Tonnen Goldes erwerben. Zu diesen Erwerbsmitteln gesellen sich — und dies ist das größte Uebel von allen — ihre von den unserigen ganz verschiedenen Begriffe von Ehre und Schande, daher die Uebervortheilung, worauf ihr Handelsgeist hinausläuft. Dabei sind sie äußerst abergläubisch und verzehren verhältnißmäßig zu wenig, da ihnen der Reiz zu fehlen scheint zu Allem, was das Leben angenehm und fröhlich machen kann. Indessen paßt dieses Bild nicht auf alle Juden; in einigen Ländern haben sie sich mehr oder weniger über dasselbe erhoben. Es giebt unter ihnen auch viele rechtliche Männer, und einzelne Juden haben sich in neueren Zeiten als Gelehrte. Philosophen, Künstler oder Aerzte sehr ausgezeichnet." Solcher Aberwitz nennt sich eine nützliche, sittliche und erheiternde Lectüre für die Jugend. Verlag von Baumgartner'- Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. D. Hirkckfeld. Verantwortlicher Rrdacteur Dr. H. Lrtze.

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