Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-07-04 · Heft 27 (4.7.1871) · p. Seite 539

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 27 (4.7.1871)
Date
1871-07-04
Page
Seite 539 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226798-3226826--29631-3252478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

539 Als Beispiele heben wir nur hervor, daß in Berlin in der neuen Synagoge nach Absingung des Psalms 100. 85, 9—14 in hebräischer, eines Liedes vor und nach der Predigt in deutscher Sprache, die Predigt von Aub, das Gebet von Geiger gehalten und mit Psalm 50 geschlossen wurde. In der alten Synagoge predigte Ungerleider. In Bad Ems wurden Psalmen und deutsche nieder vom Synagogenchor mit Musikbegleitung exeeutirt, wobei auch einige Solis von einer Sängerin eingelegt wurden. Die Predigt hielt Hochstädter über Psalm 118, 1. 2. 4, und ein deutsches i'ieb schloß die durchweg erhebende Feier ab.*) Oestermchischungarische Monarchie. Wien, 23. Juni. (Privatmitth.) Die Gutachten über die jüdisch-theologische Facultät, resp. über das Elaborat der hiesigen Vertrauensmänner sind bereits beim Unterrichtsministerium eingelaufcn. Sie jiiib von den Gemeinden zu Prag, Brünn, Lemberg und Krakau, ferner vom provisorischen mährisch-schlesischen Landrabbiner Plaezek in Loseowitz und vom Professor Uälupf in Prag. Das Ministerium hat diese Gutachten den hiesigen Vertrauensmännern zur Aeußerung zugesendet. Krakau, 18. Juni. Man schreibt der sr. Pr." von hier: Das päpstliche Jubiläum wurde in Krakau mit einer allgemeinen Illumination gefeiert. Komisch ist die Thatsache, daß sämmtliche in der Stadt wohnhafte Israeliten insgesanlmt durch Beleuchtung ihrer Häuser an der Feier theilnahmen. Seit der Gleichberechtigung ist die Zunahme der jüdischen Einwohner ganz außer ordentlich. Bor zehn Jahren zählte Krakau 20,mm Ehristen und 10,0<>u Juden, jetzt beinahe :>o,i)0o Silben und 20,000 Ehristen. Und während die schönsten Häuser in der Stadt in jüdischen Händen sich befinden und noch immer in solche übergehen, entstehen in den Vorstädten drei großartige Gebäude, stark und *, Bon gedruckten Predigten^ bei dieser Veranlassung kam uns bis jetzt die von H. ve. M. Dessau er in der Synagoge zu Eöthen (Ertrag zu einem wohlthätigen Zwecke, über Sachar. 8, 19 zu, wie auch dessen Rede am Buß- und Dcttage vor Beginn des Krieges, über Psalm 27, 1. mächtig wie Burgen — alle drei Nonnenkloster — wie man sagt, aus milden Beiträgen gebaut. Das wirft ein eigenthümliches Licht auf unsere hiesigen so cialcn Zustände. Nicht ganz entspricht dem eine andere Eorrespon denz desselben Blattes von späterem Datum, die folgendermaßen lautet: „In Lemberg zündeten, wie unser Eorrespondent erfährt, die ,ersten Lichtlein zur Papstfeier die - Juden an! Nebstdem waren es die Häuser der Jesuiten auf dem Domplatze und in der Domgasse zunächst der Kathedralkirche, welche in Hellem Glanze leuchteten. In einem dieser Häuser im zweiten Stocke sah man die strahlende Büste Pins IX. von vielfarbigen Flammlein umzingelt. Dagegen lagen die meisten Kirchen in tiefer ägyptischer Dunkelheit. Bon den Häusern Privater leuchteten splendid: das Moses Tonner'sche Haus in der Mayergasse, dessen Eigenthümer. um das Wohl seiner anläßlich verschiedener nationaler Freudenfeste hart mitgenomtnenen Spiegelscheiben sichtlich besorgt war, das Haus des Herrn Meier Mieses am Ringplatze u. s. w. In Krakau schlugen die Juden eitlen einfacheren Weg ein, um ihre Fensterscheiben unversehrt zu erhalten; sie ließen die Scheiben aus den Rahmen heben und an vor Steinwürfern sicheren Orten verbergen. Wer über diesen „Ausweg" aus dem Oilemrna: „entweder seiner Meinung Gewalt anthun, beleuchten und ganze Fenster, oder — seiner Ueberzeugung treu — nicht beleuchten und zertrümmerte Fenster", nicht lachte, waren — andere Juden, denen dadurch eine sichere Erwerbsquelle erstickt war; die sehr ehrcnwerlhe Glascrinnmlg Krakaus besteht nämlich aus lauter Kindern Israels." (Man sieht hieraus deutlich, welche Motive die Juden bei dieser Feier hatten! Frühere Vorgänge und die jüngsten Ereignisse in Odessa rechtfertigen die Befürchtuligen, aus welcher heraus Obiges geschehen ist. Da dies allgemein bekannt ist, und die Ultramontanen selbst aus diese Feier seitens der Juden kein großes Gelvicht legen werden', cs sei beim, sic wollten sich der brutalen Gewalt rühmen, deren Ausübung eine solche Furcht hervorruft, so darf man den Borwurf der Heuchelei nicht erheben. Die Behörden werden cs sogar den Inden Dank wissen, die sie der Blühe überhoben haben, Excesse zu unterdrücken und zu bestrafen. Die Rcdaction.) 27*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.