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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-06-27 · Heft 26 (27.6.1871) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 26 (27.6.1871)
Date
1871-06-27
Page
Seite 525 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine FemlleLorl-Leilage zu ttr. 86. Leipzig, den 27. Juni 1871. Lesesrüchte. 4. Lazarus Geiger. *) Elieser Lazarus Salomo Geiger wurde am 21. Mai 1S29 in Frankfurt a. Main geboren und empfing den ersten, wie auch dauernden Unterricht von seinem als Hebraist und Talmudist rühmlich bekannten 'Vater R. Salomo Geiger. So frühzeitig mit dem hebräischen Alterthum vertraut gemacht, besuchte er die Selectenschule lProgymnasium) und zeigte frühzeitig eine große Neigung und Begabung zu Sprachstudien. Ja, die Frage, die ihn während seines ganzen Lebens vorzugsweise beschäftigte, über den Ursprung der Sprachen, trat schon in seinem Knabenalter in ihm auf, und es existirt noch eine ausführliche Abhandlung des noch nicht ganz dreizehnjährigen Knaben über diesen Gegenstand. Demungeachtet wollten ihn seine Acltern aus mehrfachen praktischen Gründen nicht zum Studium bestimmen, sondern gaben ihn in eine Buchhandlung in Mainz in die Lehre. Mit dem Gedanken an Mendelssohn und Spinoza und in einer phantastischen Vorstellung von dem literarischen Leben, im Buchhandel willigte der Knabe ein, fand sich aber bald getäuscht, und zeigte sich für den mechanischen Theil ungeschickt. Schließlich mußten seine Aeltern selbst einwilligen, daß er zum Studium zurückkehre (September 1844). Er bereitete sich zum Besuch des Gymnasiums vor, trat 1815 in die Secunda ein und verließ im August 1847 die Prima mit dem Zeugniß der Reife. Heidelberg, Bonn und Marburg waren die Universitäten, die er besuchte, zu den eifrigsten und mannigfachsten Sprachstudien benutzte, und wo er bereits die ausgedehntesten Vorarbeiten zur Lösung des Problems machte, welches er sich gestellt hatte. Der eigentliche Angelpunkt der ganzen Frage war ihm das Verhältniß der Vernunft und der Sprache zu einander, ein Verhältniß, welches er aber nicht blos a priori, sondern durch die Erfahrung beleuchten und erhellen wollte, nämlich an der Hand der Bildung und Entwickelung der Sprachen, die bis in ihre *) Wir folgen der dem Frankfurter Schnlprogramme Vorgesetzten Abhandlung des Herrn Dr. Bärwald. Urelemente und in den Gang ihrer Entwickelung zu verfolgen waren. Er war nach Frankfurt zurückgekehrt, lebte im Hause seiner Aeltern, arbeitete und forschte, ohne jedoch schon Etwas zu veröffentlichen, und gab einigen Privatunterricht, bis er, mit Mühe dazu bewogen, nach Josts Tode dessen Lehramt an der israelitischen Realschule übernahm. Er lehrte Hebräisch, biblische Geschichte, Deutsch und mathematische Geographie. Er trat dieses Amt als außerordentlicher Lehrer im April 1861 an; erst 1869 ward er ordentlicher Lehrer. Ihn zu charakterisiren sei bemerkt, daß er niemals eine Erhöhung seines Gehaltes beanspruchte; nur ein Mal in den letzten Jahren bat er seiner Studien wegen um eine Verminderung seiner wöchentlichen Lehrstunden von 24 auf 20. Man bot ihm statt dessen eine Erhöhung seines Gehaltes an, die er aber zurückwies, um selbst nicht den Schein zu haben, daß es ihm hierum zu thun gewesen sei. Plötzlich erkrankte er und starb am 27. August 1870, nicht viel über 41 Jahre alt. An seinem Grabe sprach »er hochbetagte Vater des Verewigten ergreifende Worte, sowie Dr. Bärwald als Director der Anstalt. Freunde und Verehrer, worunter die namhaftesten Gelehrten Frankfurts , beschlosien, seine Marmorbüste anfertigen zu lassen und in der Vorhalle der Stadtbibliothek aufzustellen, so wie die Herausgabe seines literarischen Nachlasses zu fördern. Außer einigen Abhandlungen ist sein Hauptwerk „Ursprung der menschlichen Sprache und Vernunft", vdn welchem erst 1566 der erste Band erschien. Das Werk erregte, gerade schon weil es das erste des VerfasierS, aber zugleich eine reife Frucht seines Lebens war, allge- - meines Aussehen, und so werden wir denn auch dessen Fortsetzung, soweit sie vom Verfasser vollendet war, erhalten. — Unter seinen Papieren fand sich auch die „Disposition zu einer Abhandlung über das Judenthum." Dieses bloße Schema ist selbstverständlich nur eine Andeutung der Themata und Hauptgedanken, welche Lazarus Geiger behandeln wollte. Bärwald theilt sie in dem angeführten Schulprogramm mit, und obschon sie als ein solcher Abriß keinen entschiedenen Werth beanspruchen kann, wollen wir sie auch unsererseits ausbewahren und hier für unsere Leser folgen lassen.

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