Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1871)
- Date
- 1871-06-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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_ 35. Jahrgang. Allgemeine 26. Zeitung des ZudenHums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerauSgeg ebe n von Rabbiner Dr. Ludwig Phitippfon in Bonn. Leipzig, den 27. Juni 1871. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/, Regen. Preis deS Jahrgangs * Thlr. .halbjährig 2 Tblr. 2NcrIcljährig t Tblr. Inserat.- werden mit I'/2 Ngr. für die Pctitzcile oder deren »kaum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZcitungS.Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Cächs. Haupr-ZeitungS-Burcau unter",ogen. 3 n I) a 11. Leitende Artikel r Die Erfahrungen dcS letzten Jahres. N. — Vom Institute ',ur Förderung' der iSraclit. Literatur. — Lite rar. Wochenbericht: Gr. BecSkerck, BrcSlan. Zeititttgsnachrichten: Deutschland: Wiesbaden, Essen, Trier. — O c st e r r c i ch i s ch - u n g ar i s ch e Monarchie: Wien. — Frankreich: Bonn, Paris, Marseille. — Gros; brita n n ien: London. — Nustlaud: Warschau. (Korrespondenz: Eouscren; der rhüinisch-wcstphälischen isr. Lehrer in Bonn am .‘JO. Mai. — 11t achtr a g: Berlin. Feuilleton-Beklage: Lesesrnchte. IV. n. V. — Corrcspondcn;. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 18. Juni. Die Erfahrungen des letzten Jahres, n. In diesem dauernden Kampfe des begründenden und erhaltenden Triebes mit dem Zerstörungstriebe, in diesem Kampfe der Civil isation mit der Uncultur und Barbarei, welche Nolle hat die Religion, insbesondere das Judenthnm gespielt? Wir haben gesagt, daß die eigentliche und wahre Religion mit der Civilisation in ihrem Wesen identisch sei. Wir wollen dieses jetzt etwas näher erörtern und erweisen. Man hat viel von einer Urreligion gesprochen, welche die verschiedenen Völker bei ihrer Loslösnng vorn Urstamme der Menschheit mit sich genommen und aus der sich dann die Mythologien und Religionen der Völker abgeleitet hätten. Wir inögen unS auf diese Hypothese nicht einlassen; die ältesten Volker , soweit wir Kenntniß von ihnen haben, zeigen im Charakter und in der Entwickelung ihrer Religionöbegrisfe und ihrer religiösen Veranstaltungen eine so große Verschiedenheit, daß das Einheitliche, welches sie einer Urreligion entnommen haben sollen, unfern Blicken entschwindet. Genau genommen wissen wir auch sehr viel von der Mythologie, aber sehr wenig von der Religion der älteren Völker, selbst die Griechen nicht ausgenommen. Die Religionssysteme des Buddha und deS Zoroaster sind Producte einer späteren Entwickelung, Gegensätze zu den bis dahin herrschenden, bis sie mit diesen Compromisse und Verschmelzung eingingen. Was den faßlichen Unterschied zwischen ihnen und dem Judenthmne, das mit dem Mosaismus beginnt, ansmacht, ist, daß sie allesammt Gott und Natur' identificiren, und dann die Gottheit menschlich und den Menschen göttlich werden lasten, das Judenthum hingegen den Dualismus aufstellt und ununterbrochen festhält, und die Scheidelinie zwischen Gott und Natur, zwischen Gott und Mensch streng bewahrt. Die gesammte Natur ist das Schöpfungswerk Gottes, und der mit dem lebendigen Geiste beseelte Mensch im Ebenbilde Gottes von diesem geschaffen, Gott selbst kann keine körperliche Gestalt annehmen und in keinem Bilde dargestellt oder symbolisirt werden. Von dieser Anschauung ist das Judenthnm niemals abgewichen und hat jede Abweichung davon stets als einen Gegensatz zu sich betrachtet. Wir brauchen dies nicht zu beweisen und