Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1871)
- Date
- 1871-06-20
- Page
- Seite 501 (sequence 13)
- Language
- German
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501 London, 24. Mai. Wie wir berichteten (s. vorhergehenden Artikel), hatte das Oberhaus die Bill wegen Beschränkungen ans konfessionellen Motiven an den Universitäten Oxford und Cambridge mit Amendements versehen, welche den eigentlichen Zweck fast ganz vereitelten. In seiner heutigen Sitzung hat das Unterhaus sämmtliche Amendements des Oberhauses verworfen, mit Ausnahme zweier unbedeutenden, ds.e anglicanische Capelle betreffend. Es fragt sich nun, ob diese Differenz zur Ausgleichung kommen werde, was vielleicht bei der geringen Majorität, welche die beschränkenden Amendements im Oberhause gefunden, der Fall sein wird. es mit einigen Worten beleuchten. Daß es im 1. Buch Mos. Stücke giebt, wo nur ’r,, andere wo nur a-.-rrx vorkommt, aber auch andere wieder, wo 'n steht^ ist bekannt und hat zum Angelpunct der Kritik gedient, ohne freilich die Resultate sicher zu stellen. Daß aber in der h. Schrift überhaupt mit >. die „Eingötterei," mit v-mbrr die „Vielgötterei", letztere besonders mit meos -rfci* zu verstehen sei, ist eine leicht zu widerlegende Annahme, welche nur aus der Sucht so vieler Leute der Gegenwart, das Alte Testament zu discreditiren, entsprang. Die einfache Widerlegung besteht darin, daß o-nV« mit der Ei n heit des Zeitworts construirt wird, und dann, daß eben 'n -»rrsV« 'n, zD'r.bs ’r, u. s. w. an unzähligen Stellen zusammenstehen, am prägnantesten in -s'nrrr 'n und “nN 'n *)rnV« 'r,, aber ebenso .---rrvL \-:Vn 'n. Wie können hier zwei entgegengesetzte Richtungen, die eine der Eingöttcrci, die andere der Vielgötterei, vorhanden sein oder angenommen werden? Auch über den „geistlich klugen" Luther könnte sich der Eorrespondent der „Neuen freien Presse" beruhigen, denn schon die Septuaginta übersetzen oft rnNax in m&oa: mit ogand, also „Heerschaar," auch oft mit övvafiig, und den ganzen Ausdruck mit ■AavTOY.QaTiüQ, niemals mit Gott der Götter. Auch weiß jeder Schüler, oder kann es aus, den besten ^exicis wissen/ daß nes eigentlich Versammlung, Menge, dann Heer und selbst Krieg bedeutet, wie das Zeitwort tos sich zusammenthun, sich versammeln, und so aucl/nnEL Heer, Schaar, und dann auf den Himmel übertragen, das Sternenheer oder die Engel' schaar. An Gottheit oder Götter zu denken giebt das Wort weder in seiner Grundbedeutung, noch in den abgeleiteten Bedeutungen genügende Veranlassung. Durch solche Hypothesen gewinnt die Bertheidigung der freieren Geistesbewegung nichts, sondern schädigt sich selbst und giebt dem Gegner gerechte Waffen in die Hand. Denn Unparteilichkeit, Borurtheilslosigkeit uud besonnene Forschung sind unbedingte Forderungen, die wir an die freie Wissenschaft stellen müssen. Italien. 2luö Oberitalien, 30. Mai. (Privatmitth.). Ihr geschätztes Blatt brachte vor einiger Zeit im Feuilleton aus einer französischen Zeitschrift ein sehr treffendes Urthcil eines kunstsinnigen Reisenden über den im Bau begriffenen Tempel der Jsraclitengemeinde von Turin. Dieses Gebäude, welches glücklich beendigt, eine wahrhafte Zierde der schönen Königsstadt zu werden verspräche, hat bis jetzt dem israelit. Gemeindet rache so manche herbe Verlegenheit verursacht, und weiß der liebe Himmel, wie lange dies noch so fortdauern wird. Der Beschluß dieses Gotteshaus zu errichten ist ungefähr vor einem Jahrzehent gefaßt worden, als Turin noch die vielbewegte und schnell an Bevölkerung zunehmende Hauptstadt Italiens.war. Damals schreckte man nickt vor der Idee zurück einen Tempel zu errichten, dessen Plan höchst einnehmend, und dessen Kostenanschlag auf mehr denn 600,000 Frcs. geschätzt wurde. Man ging muthig ans Werk;- man hatte es mit einem sehr unternehmenden, genialen Ingenieur zu thun, der seine Pläne immer mehr erweiterte, und tröstete sich mit dem: „auärrees fortuna juvat." Leider aber ist der Sitz der Regierungsfactoren schon 1864 nach Florenz verlegt worden, und dieser Umstand war für den Fortbau jenes Tempels ein sehr harter Schlag. Seit damals wurde der Bau höchst langsam betrieben, die bereits gemachten Auslagen be« lausen sich nunmehr schon auf 600,000 Frcs., die Arbeiten sind seil einiger Zeit eingestellt, da die Fonds zur Fortsetzung derselben fehlen; letzthin wurde sogar die Solidität und Dauerhaftigkeit des Werkes angezweifelt, allein durch das Urtheil eines vom dasigen Municipimn ernannten Comitös außer Zweifel gestellt. Jüngst nun wurde von der Gemeindeverwaltung ein 6 pEt. Darlehen von 60,000 Frcs. ausgeschrieben, eine Summe, welche vorläufig zur Beendigung der hohen Kuppel und der Außenwerke uothwendig ist; in der Folge dürften noch wenigstens 400,000 Frcs. zur völligen Beendigung des Gotteshauses zusammengebracht werden müssen. Bei alledem läßt die Administration der nicht zahlreichen Gemeinde (etwa 1800 Seelen-, welche eben nicht zu den reichsten dieser Gegend zählt, den Muth nicht sinken, und hofft das Unternehmen einem glücklichen Ende zuzuführen. Gott möge ihr seinen Beistand und Segen hierzu gewähren!