Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1871)
- Date
- 1871-06-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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35. Jahrgang. A l l g t M k i ll t _«A£* 24. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Heran S gegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philr'ppson in Bonn. Leipzig, den 13. Juni 1871. Diese Leitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in '1 bis 2V2 Bogen. PrciS dcS Jahrgangs , Thlr. Halb,ähr,g ■’ Thlr. Brcrtcllahrig > THIr. Inserat: werden mit I '/2 'Ngr. für die Pctitzcile oder deren llkauin berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZcttungsExpcdittoncu nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich daS König!. Sachs. Haupt-Zcitungs-Burcau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Wie stcht'ö? — Zur jüdisch-thcewgischeu Facitltär. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Trier. — Luxe m b u r g: Luxemburg. — Ocsterreichisch-nngarischc Monarchie: Prag. — Donam s ü r st e n t h ü m c r: Jassy. ^euilleton-Vcilage: Das Judcndors in Sibirien. (Fortsetzung nnd Schluß). — Ans den Zeiten des jüngsten Krieges. (Fortsetzung). — Notizen. Leitende Artikel. Bonn, 4. Juni. Wie stcht's? In diesen Tagen fand hier die jährliche Konferenz jüdischer Elementarlehrer WestphalenS und der Rheinprovinz statt. Ihre Verhandlungen, unter der Leitung des Herrn Blumen au aus Bielefeld, gingen in sehr würdiger Weise vor sich und mit gutem Inhalt und Erfolg. Es wird, wie alljährlich geschieht, ein näherer Bericht aus der Feder des Schriftführers der Versammlung in d. Vl. gegeben werden. Für den Publicisten aber ist nichts nützlicher, als mit dem Leben des Volkes selbst, und zwar durch einen der besten Theile des letzteren, in unmittelbare Berührung zu konuncn, dein Volke auf diese Weise gewissermaßen den Puls zu fühlen und das zu gewahren, was sein Leben bewegt oder stockend macht. Der Beobachter kann da oft aus einzelnen Aeußerungen, aus dem, was die Versannnlung aufregt, zum Beifall oder zum Widerspruch ausfordert, - bedeutsame Folgerungen ziehen, und sich von Neuem mit den wirklichen Verhältnissen und Stimmungen bekannt machen. Was in der ged. Versammlung verhandelt, was auf die Tagesordnung der nächsten Conferenz gebracht, und ganz besonders, was in den „freien Besprechungen" discutirt wurde, gab ziemlich klare Umrisse zu einem Bilde der jüdischen Zustände unserer Zeit, vermochte insonders auf die Fragen zu antworten: wie steht es um die Synagoge? wie steht es um die Schule? wie steht eS um die Gemeinde? Es versteht sich, daß wir bei der Beantwortung dieser Fragen dies Mal von den wenigen großen und mittleren Gemeinden ganz absehen, in welchen die Entwickelung eine entschiedene Richtung oder verschiedene getrennte Richtungen eingeschlagen; wir sprechen vielmehr von der großen Mehrheit der mittleren und der kleineren Gemeinden, deren Zahl die inunense Mehrheit der Gemeinden und zugleich der jüdischen Bevölkerung in Deutschland ausmacht. Fragen wir zuerst: wie steht cs um die Synagoge? Nun, es sind jetzt fünfzig Jahre, daß die Reform des jüdischen Gottesdienstes das beliebteste und vielbesprochenste Thema innerhalb der jüdischen Kreise bildet. Erforschen wir nun den wahren Stand der Dinge, so wird man sich eingestehen, daß eben im Ganzen noch äußerst wenig, noch so gut wie gar nichts geschehen. Der Cultus geht eben in der Ueberzahl der Gemeinden noch ganz so vor sich, wie cs in unserer Kindheit geschehen,