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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-06-06 · Heft 23 (6.6.1871) · p. Seite 468

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 23 (6.6.1871)
Date
1871-06-06
Page
Seite 468 (sequence 20)
Language
German
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468 am Tischebeaf"., Ach ich sollte noch gar viele solcher Tage der Zerstörung und des Mordens erleben! — Den andren Tag, wo wir bei Pfaffenhofen bivouaquirten, wurde ich wieder durch dort wohnende Juden, denen ich wich durch einige hingeworfene Worte als Glaubensgenossen zu erkennen gab, sehr freundlich behandelt und mir und meinen Kameraden manch Willkommenes gereicht." — Hier schilderte nun' der junge Unterofsieier seine Erlebnisse bei den angestrengten Märschen bis über Cyalons und von da zurück nach Sedan. Ich entnehme daraus wieder das, was für Ihre, der Politik fern liegenden Blätter paffend erscheint, und lasse den von einem sich immer vergrößernden befreundeten Zuhörerkreis umringten Krieger weiter reden: „In Sedan traf ich wieder die ersten Juden, und wollte ich auch dort zur Synagoge gehen, dieselbe war aber ,,ä cause de yueiTc" geschlossen. So ein trauriges Handwerk der Krieg ist, so wilde und furchtbare Scenen man erlebt und mitmacht, der Geist hält doch oft Einkehr bei Gott, so namentlich vor der Schlacht: „Vater ich rufe Dich", nach der Schlacht: der Dank gegen Gott, den Schützer und Retter im Todesgrauen. Als ich Abends, nachdem die Schlacht ausgetobt und Friedensgerüchte sich verbreiteten, umherging um meine Jugendfreunde und Landsleute aufzusuchen, und wir uns Alle — bis auf Einen — gefunden, da lagen wir uns in den Armen, küßten uns, und manche Thräne der Rührung und des Dankes gegen Gott rann von unsren Wangen." — „In Rheims, wo wir einige Tage lang lagen, suchte ich am Freitag Nachmittag bei einem mir bekannt aussehenden, an seiner Ladenthüre stehenden Kaufmann den Ort der Synagoge und die Zeit des Gottesdienstes zu erkundigen. Der Kaufmann beantwortete meine Fragen auf's freundlichste, und beim weiter fortgesetzten Gespräche stellte es sich heraus, daß er der Bruder eines mir bekannten Parisers sei. Bald ward ich eingeladen näher zu treten und dann den Abend im Familienkreise zuzubringen. Ich eilte zu meinem Vorgesetzten, um ihn zu bitten, mich, der ich heute Unterofsieier de .jouv sei, ausnahmsweise für den Gottesdienst zum Besuch einer bekannten Familie frei zu geben, resp. vom Dienste zu dispensiren. Es hielt schwer, das zu erlangen, aber mein guter Lieutenant gab mir doch den erbetenen Urlaub, und schnell eilte ich zur Synagoge. Dieselbe ist sehr klein, besteht blos aus einem dazu hergerichteten Zimmer in einem Hause, und war von wenigen Leuten besucht. Groß war meine Freude, als ich dort einen andern preußischen Soldaten traf, einen Freund von mir, gebürtig aus R. in Kurhcffen, den ich nur selten während des Feldzugs sah, da er nicht zu meinem Regimente gehörte, und dem ich später, ach! unter so traurigen Umständen wieder begegnen sollte." (Fortsetzung folgt.) Eine wahre Geschichte. Der Soldat S. K. aus L. im Badischen hat in seinem Heimalhsorte ein Cousinchen von ungefähr 9 Jahren, das mit großer Liebe an seinem Vetter hängt und während des Krieges nicht essen wollte, was sendbar war, um es dem Vetter zu schicken. Im Monat September lagen die Badischen vor Straßburg, und nach schwerer Arbeit war unser S. K. ermüdet auf einen Stein gesunken, der ihm weicher dünkte als Flaum. Kaum halte er sich niedergelaffen, fiel er in Schlaf und eben so bald.träumte er, seine kleine Cousine rufe: „Samuel! Samuel!" Erschreckt springt er auf und setzt sich schlaftrunken aus einen andern Stein, in demselben Augenblick platzt eine Granate, und ein Splitter fällt auf den Stein, von welchem ihn der geträumte Ruf seiner Cousine entfernt hatte. Curiosum. Unsere Leser wissen, daß wir sie mit den Ordensauszeichnungen, welche Juden zu Theil werden, längst nicht mehr unterhalten, da sie theils zu häufig sind, theils prinzipiell für uns keine Bedeutung mehr haben. Xoä.) gestatten wir uns diesmal als ein Curiosum anzuführen, daß, als wir heute die Wiener Zeitungen ausschlugen, und ein langes Ordensverzeickniß uns in die Augen stel, wir folgende drei an der Sp'.tze fanden: Se. k. und k. Apostolische Majestät hat gestattet, daß Nachbenannte die ihnen verliehenen fremden Auszeichnungen annehmen und tragen dürfen, und zwar der Bankier Rarhaniel Freiherr v. Rothschild in Wien das Großossicierskreuz des königlich spanischen Ordens Karls des Dritten, der großherzoglich hessische General- Consul Friedrich Freiherr v. Schey in Wien den kaiserlich russischen St. Stanislaus-Orden zweiter Claffe, der Präsident des Verwaltungsrathes der k. k. priv. Oesterreichisch-Orientalischen Lank, Karl Markus Ritter Morpurgo v. Nil »na in Triest, das Commandeurkreuz des königlich spanischen Ordens Jsabella der Katholischen. Verlag von Baumgartners Buchbandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Rcdactenr Lti-. H. 2otze.

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