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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-05-23 · Heft 21 (23.5.1871) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 21 (23.5.1871)
Date
1871-05-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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35, Jahrgang. Allgemeine JW 21. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Heran«gegeben von Rabbiner vr. Ludwig Phrtippson in Bonn. Leipzig, den 23. Mai 1871. Diese Ze Inserate seitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/, Bogen. Preis deS Jahrgangs , Thlr. Halbjährig Thlr. Bicrtcljährrg »Thlr. werden mit I lU Ngr. für die Peiitzeile oder deren Raum berechnet. Älle Buchhandlungen, Postämter und ZeilungS-Expedltionelr nehmen Bestcllungea an; der Haupt-Expedilion für beide Letztere har sich das König!. Sachs. Haupt-Zcitungs-Bureau unterzogen. 3 1! I) fi I t. Leitende Artikel r Gicbr es Dogmen im Iudenihume oder nicht? — Sammlung für die im Kriege verunglückten Israeliten im Elsaß und Deutsch-Lothringen. — Die Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. —Literarischer Wochenbericht: Potsdam. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Glogau. Aus dem Poscn'schen. — Cöin, Iaucr, Seesen, Münster, Stuttgart. — Oeste rr ei ch isch-Ungar. Monarchie: Wien, Essel. — Großbritannien: London. — Italien: Rom. — Dänem ark: Kopenhagen.— Rußland: Odessa. — Nachtrag: Bonn. Feuilleton-Beilage: Das Indcndorf in Sibirien. (Fortsetzung). — Lorrcsponden;. Leitende Artikel. Bonn, 14. Mai. Giedt es Dogmen im Zudenthume oder nicht'? Ein Freund schreibt uns: „üreuerdings ist die Frage, ob Vas Judenthum Dogmen habe oder nicht'? vielfach wieder venülirt worden, und findet diese Frage wohl auch in äußeren Ereignissen ihre Veranlassung. Es wundert mich daher, und außer mir auch Andere, die ich gesprochen, daß Sie diese Discussion vorübergehen lassen, ohne mit der Klarheit und Bestimmlheit, welche wir seit langer Zeit von Ihnen gewohnt sind, Ihr Wort in die Verhandlungen eintreten zu lassen." Wenn wir über diese Frage geschwiegen, so geschah es, weil wir über dieselbe in früheren Jahren mehrere Male uns ausgesprochen, und dann weil in der Regel durch derartige theologische Discusstonen die Sache mehr verdunkelt, als aufgeklärt und vereinfacht wird. Aber gerade dieser letztere Grund kann uns jetzt veranlassen, über diesen Gegenstand unsere Ansicht auszusprechen. Wir meinen nämlich, daß bei klarer Auffassung des Gegenstandes gar keine Verschiedenheit statt, sondern Jedermann sich in Einverständnis finden werde. Der ganze Streit scheint uns nämlich daraus zu entspringen, daß man das Wort Dogma in verschiedenem Sinne ausfaßte. Die Einen nämlich fassen den Begriff von Dogmen nach dem Sinne, welchen die christlichen Kirchen damit verbinden, die Anderen aber in allgemeinerer Bedeutung. Die Ersteren werden deshalb die Frage verneinen, die Anderen besahen. Die Kirchen verstehen unter Dogmen Glaubenslehren, welche von der Kirche bestimmt normirt und aufgezählt werden, und ohne deren Bekenntniß der Anhänger dieser Kirche bei theilweiser Leugnung Ketzer, bei völliger Abtrünniger wird. Das Christenlhum und jede aus ihm stch entwickelnde Kirche war genölhigt, weil seine Lehre als Mysterium vielfachen Deutungen ausgesetzt war, alsbald solche Dogmen als unbedingte Glaubenslehren aufzustellen. Schon im ersten, noch inehr im zweiten und in den folgenden Jahrhunderten traten im Chriftenthume die verschiedenartigsten Seelen auf, deren Streit sich um die Ausdeutung der christlichen Mysterien drehte, welche Seelen deshalb fest norrnirte Dogmen einander gegenüber stellten und die davon abweichenden als Irrlehren, deren Anhänger als Ketzer gegenseitig bezeichneten. So stellten denn auch die römisch - und die griechisch-katholische Kirche, welche die anderen Secten überwanden,

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