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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-05-16 · Heft 20 (16.5.1871) · p. Seite 308

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 20 (16.5.1871)
Date
1871-05-16
Page
Seite 308 (sequence 20)
Language
German
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308 der Juden in den verschiedenen Zeitperioden und Staaten darthun; z. B. in Arabien, Syrien, Aegypten, Persien bis Muhammed und zur Zeit der Chalifen, in Spanien, Portugal, Südfrankreich und Italien während des Mittelalters, in Deutschland, Frankreich und den übrigen europäischen Staaten in der neueren Zeit. Der Verfasser soll gleichzeitig die Zustände und Vorgänge in's Auge fassen, welche auf die geistige Anschauung der Juden in den verschiedenen Zeiten und Gegenden eingewirkt haben, unv welchen Antheil daran die jüdischen Werke hatten. 4) Hierauf soll der Bildungsstand der russischen Juden dargelegt werden bis zu der Zeit, wo dieselben mit ihren Glaubensgenossen außerhalb Rußlands in Verkehr traten; ferner die ersten Anfänge des neuen Aufschwungs; alsdann sollen Diejenigen namhaft gemacht und ihr Wirken dargestellt werden, welche um die Bildung der russischen Juden wohlverdient sind, und die Werke bezeichnet werden, durch welche dies am meisten geschehen ist. 5) Endlich soll die Gegenwart in's Äuge gefaßt und nachgewiesen werden, in welchem Theile Rußlands die Bedingungen und Grundlagen zur Aufklärung der Juden sich gebildet haben und, wenn möglich, soll der Bildungsstand der russischen Bevölkerung statistisch festgestellt werden. 6) Die beste Bearbeitung erhält den Preis von 500 Rubeln. 7) Bei gleichtüchtigen Leistungen wird derjenigen Schrift der Vorzug zuerkannt, welche in russischer Sprache abgefaßt ist. 8) Der Verein übernimmt den Druck der gekrönten Preisschrift auf seine Kosten und gestattet dem Verfasser 20 O Freiexemplare. 9) Wird keiner der eingelieferten Arbeiten der aussetzte Preis zuerkannt, so erhält die relativ beste eine Prämie von 200 Rubeln. 10) Der Termin der Ablieferung an den Verein ist ein volles Jahr, von dem 15. Februar dieses Jahres an gerechnet. Die Fassung, welche Herr Harkawi dem Programm gegeben hat, liegt dem Verein in seiner nächsten Versammlung vor, und werden wir den Beschluß derselben zur Kenntniß unserer Leser bringen. Es erübrigt noch, ausdrücklich zu bemerken, daß von ven Preiöbewerbern die Abfassung ihrer Schrift keineswegs in der russischen Sprache verlangt wird; es bleibt ihnen vielmehr anheim gegeben, in jeder ihnen beliebigen europäischen Sprache, oder in der hebräischen zu schreiben. Der Verein wird Sorge tragen, daß das Manuscript in russischer Sprache gedruckt wird, wiewohl er noch nicht darüber entschieden hat, ob die so entstandenen Kosten oder ein Theil derselben von der Preissumme abgezogen werden soll. Wien, 3. Mai. Die „Neue fr. Presse" schreibt: Verflossenen Samstag hielt D'-. Jellinek in dem israelitischen Tempel in der innern Stadt eine Predigt, die ihres Inhaltes wegen großes Aufsehen machte. Der Prediger warf, nachdem er ein Bild des HeiventhumS entworfen hatte, die Frage auf: ob die Juden es wagen können, die Bekenner der Confessionen, unter denen sie leben, den „Gojim" (Heiden) zu vergleichen. Die Frage verneinte der Redner auf daS entschiedenste und hob dagegen das ethische Moment in der christlichen Religion hervor. Daran anknüpfend, ermahnie er die Juden, sich von ihrer Umgebung nicht schroff abzuwenden. Mit Beziehung auf eine Psalmstelle schloß Redner, daß sich die jüdische Mutter-Religion freuen muffe, welche so viel für die Humanisirung und Versittlichung der Religionen gewirkt habe. — Die Tochter des bekannten polnischen Revolutionärs Grafen L—i, welcher im Jahre 1831 vom russischen Kaiser in die Verbannung geschickt wurve und emige Jahre später in Galizien starb, ist verflossene Woche zum Judenthume übergetreten. Die etwa '10jährige Dame kam zum hiesigen israelitischen Prediger Ov. Jellinek, der ihren Wunsch erfüllte, da sie bereits früher in den Satzungen des Judenthums Unterricht genommen hatte. Die Gräfin erklärte, von diesem Tage an auf ihren Titel und Rang zu verzichten. Ueber ihre Schicksale erzählte sie dem Prediger: „Als mein Vater siarb, stand ich als junges Mädchen allein in der Welt, und eine israelitische Familie war es, die sich meiner, der Katholikin, annahm." Curiosnm. Die ausländischen jüdischen Journale fahren fort, über unsere Glaubensgenossen in Zahlen zu phantasiren. So behauptete jüngst das Jewish Chronicle, und andere Blätter erzählten es ihm nach, daß in dem nunmehrigen deutschen Reiche 1,200,000 Juden wohnten. Dies ist weit über das Maß hinausgegrissen. Im norddeutschen Bunde wohnten 325,000 Juden, in den süddeutschen Staaten zusammen 80,000, im Elsaß und Deutsch-Lothringen 50,000. Dies macht zusammen 4GO,000, also etwas über ein Drittel von der Angabe des Jewish Chronicle. Solche falsche Zahlen können aber oft zu großem Schaden gereichen , wenn sie zum Maßstabe der Beurtheilung in verschiedenen Verhältnissen gemacht werden. Deshalb warnen wir noch einmal davor. Wenn man die genaue Statistik nicht kennt, so braucht man ja Zahlen überhaupt nicht anzugeben. Durch große Zahlen aber Staunen erregen zu wollen, ist kindisch. Verlag von Daumgärlner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redacteur I>r. H. Lotze.

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