Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1871)
- Date
- 1871-05-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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-Sö.Jahrgallg.?( I I |] C Hl C t It C 20. Zeitung des Zndenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HeranSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Phklippfon in Bonn. Leipzig, den 16. Mai 1871. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in bis 21 '2 Dogen. Preis dcS Jahrgangs \ Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Dierteljährrg l Tblr. Inserat' werden mit l1/* Stflr. für die Pelitzcilc oder deren Raum bercchncr. Alle BnLbandlLngen, Postämter rmd Leitungs-Expeditionen nehmen Destel» lungcn an; der Hanpt Expcdilion für beide Letztere hat sich daS König!. Sächs. Haupt-ZcitnngS-Burean unterzogen. Ä n d a l t. Leitende Artikel: Die jüdisch-theologische Facnltät zu Wien. — Die protestantische Unduldsamkeit. N. — Literarischer Wochcuberichi: Bonn. — Die Soldaten jitb. Religion in den deutschen Heeren. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Strclitz, 2ssnm, Bielefeld,'Militsch. — Ocsterreichisch-nngar. Monarchie: Wien, Zainbor, Aus Ungarn. —Donau - fnrstenth um er: Bukarest. — Rußland: Warschau. Zenilleton-Beilage: Ucber den Ursprung des Wortes Kosmos. — Corrcsponden;. — Curiosum. Leitende Artikel. Bonn, 7. Mai. Die jüdisch-theologische Facnltät zu Wien. Die Angelegenheit der jüdisch-theologischen Facnltät zu Wien hat, wie unser gesch. Wiener Correspondent Schritt vor Schritt gemeldet, ihren sichern Fortgang genommen. Das vom Unterrichtsminister Jirecek eingesetzte Eomitü hat nunmehr sein Elaborat dem Minister übergeben. Die Hauptmomente desselben sind folgende: Als Zweck derselben wird ausgesprochen die Förderung und Hebung der jüdischen Wissenschaft und die Heranbildung von Rabbinern. Die Hörer können daher solche sein, die sich für das Rabbineramt vorbereiten oder die sich für jüdische Wissenschaft überhaupt interessiren. Es können daher Juden sowie Nichtjuden den Vorträgen beiwohnen. Die Professoren der Facultäi (es sollen deren sechs sein, und zwar für Bibelexegese, jüdische Geschichte, Talmud, seine Correlarien und semitischen Sprachen) fuhren den Titel: „K. k. Professoren." Sie werden auf Vorschlag des CuratoriumS ernannt, dieses Curatorium soll aus zwölf Männern bestehen, und zwar sollen fünf auS Wien und sieben auS den Kronländern sein. Der Präsident dieses CuratoriumS wird vom Kaiser ernannt. Das erste Curatorium wird vom Minister zu diesem Ehrenamt berufen, später jedoch wird es demselben gestattet sein, eintretende Lücken selbst zu ergänzen. Der Lehrcurs ist für sechs Jahre berechnet. Sollte jedoch ein Hörer vor dem Ablaufe dieser Zeit Beweise der vollkommenen Reife gegeben haben, so kann er auch früher diplomirt werden. Das Examinatorium enthält auch die Bestimmung, daß bei den Rigorosen zwei Rabbiner anwesend sein sollen, um die Examinirenden vor etwaigen Vexationen zu schützen. Der Gehalt der Professoren wird von Seite des Staates bezahlt, hingegen wird es Sorge des CuratoriumS sein, eine Bibliothek herbeiznschassen und für die armen Hörer Stiftplätze zu besorgen. Als Sitz der Facultät wird Wien vorgeschlagen. — Wie unser Correspondent in Nr. 18 meldete, wird dieses Elaborat auch noch Vertrauensmännern auS den Provinzen übergeben werden. Man sieht, daß das alte Lied vom „Langsamvoran" Oesterreichs jetzt veraltet ist, und cs giebt jetzt sehr wesentliche Puncte in der Gesetzgebung, in welchen Oesterreich Preußen voran ist, ohne daß die Zeit schon ersichtlich wäre, in welcher dieses jenem Nachkommen