Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1871)
- Date
- 1871-05-09
- Page
- Seite 388 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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388 Ich sende Ihnen diese Zeilen nur, um einen Beleg der Behandlung deutscher und jüdischer Soldaten von Seiten ihrer französischen Glaubensgenossen zu liefern; so viel mir bekannt, war dieselbe eine in jeder Beziehung gute, den Verhältnissen angemessene. Benutzen Sie von Vorstehendem, was Ihnen gut dünkt; es sollte mich freuen auch ein wenig zu dein so verdienstvollen Werke beigetragen zu haben. Zu ferneren Diensten gerne bereit zeichne hochachtungsvoll Wilh. Prager, Landwehrjunker und Inhaber des Militair-Verdienst-Kreuzes. Aus dem T o k a j e r g e b i r g e im April (Privatmitth.j. Durch den jüngsten Reichstagsbeschluß sind unsere Zustände in ein neues Provisorium gerathen, dessen Desinitivum sich nicht so leicht bestimmen läßt. Wer gleich uns die Zustände Oberungarns seit einer Reihe von Jahren mit unparteischen Augen beobachtet, wird, wenn er nicht von den Bestrebungen der letzten zwei Jahre in Ungarn Großartiges erwartet, zugestehen müsien, daß die Wirren seit dem ungarisch-jüdischen Congreffe zu statt abgenommen haben. So bestehen in S. a. Ujhely, einer der größten Gemeinden Oberungarns drei, sage drei Gemeinden. Die eine, die Muttergemeinde, aus Orthodoxen bestehend, erhält sich durch die Krupka, die andere, theils aus Fortschrittlern, theils aus Orthodoxen gebildet, hat den Schwerpunkt ihres Wirkens nach Szöp-Halom, einem Dörfchen unweit Ujhely, verlegt, indem sie von dort ihr Koscherfleisch bezieht, um so der Muttergemeinde ihre Einnahmsquellen zu entziehen. Di? dritte Partei endlich, die Chasiidäer, schüren das Feuer rechts und links, damit die Muttergemeinde desto rascher dem Verfalle entgegengehe. Heute, wo eine jede Gemeinde autonom ist, sieht die 'Behörde einem derartigen Treiben mit gleichgiltigcn Augen zu, und da unsere Eultusvorstände, je nach ihrer persönlichen Neigung, bald mit der einen, bald mit der anderen Partei liebäugeln, so ist das Ende einer derartigen Anarchie nicht abzusehen. Mitten in diesen Wirren verfügt sowohl ein hohes Ministerium für Cultus und Unterricht, als ein löbliches israelitisches Districtspräsidium in Pest die Auflösung der vorhandenen Musterschulen, ohne auch nur den geringsten Einblick in die traurigen Zustände der Gemeinden sich verschafft zu haben. Da unsere Orthodoxen von den Musterschulen nicht sehr erbaut sind und die Organe dieser Partei mit grellen Farben diese Anstalten zu schildern sich bemühen, sollten die unparteiischen Beobachter der Sache ein wenig auf den Grund gehen und nicht Personen, die zwanzig Jahre der Schule ihre Kraft gewidmet haben, fortan Gemeinden überweisen, die in Auflösung begriffen sind. Wir wollen durch diese Zeilen in Ihrem weitverbreiteten Blatte nichts anderes erreichen, als die Aufmerksamkeit der autonomen israelitischen Behörden aus diesen Gegenstand zu lenken, und uns als Fachmann die Frage erlauben: Ist cs nicht geratener Familienväter, anstatt brodloß zu machen, lieber jenen israelitischen Gemeinden zu überweisen, die eine Subvention aus dem israelitischen ungarischen Schulfonds beziehen? Ist es im Jnterefle des ungarischen Israeliten den Culturzustaud einer ganzen Gegend Preis zu geben, blos um ein Princip dnrchzuführen? In mehreren Marktflecken des Gebirges ereignete es sich, daß die Israeliten für eine confessionslose Schule stinunten. Um die Sache zu.hiutertreiben erschienen bei der Generalversammlung die Bauern nicht, die Israeliten aber wurden durch einen Stein regen daran verhindert den Sitzungssaal zu betreten. Oberlehrer I. Rosenmeyer. Cunosum. In der Debatte über die klerikalen Wahlmißbräuche — berichtet die „P. Z." — warf im Reichstage der Abgeordnete Mallinckrodt dem Abgeordneten Lasker den „Juden" vor. Unmittelbar darnach circulirte ein, wie eö schien, von der Hand des Abgeordneten l)r. Br. herrührender Zettel in der Versammlung mit der „Anfrage": „Die Welfen und die Papisten, Die Polen und Communisten, Sind das die wahren Christen? Sie klagen Lasker als Juden an Und marschiren mit L. ^onnemann." Verlag von Daumgärtner'S Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Rcdacteur K>r. H. Lotze.