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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-05-02 · Heft 18 (2.5.1871) · p. Seite 360

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 18 (2.5.1871)
Date
1871-05-02
Page
Seite 360 (sequence 12)
Language
German
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360 gisch gegen die Aufwiegler und gegen die wilden Banden auszutreten und mußte das Militär von der Waffe mehrere Mal Gebrauch machen. In diesem Augenblicke sind in vielen Straßen Kanonen aufgepflanzt und auf telegraphischem Wege wurden mehrere tausend Mann hierher beordert. — Wäre dies vor vier Tagen geschehen, so würde unserer Stadt viel Unheil erspart worden fein. Donnerstag, 1/13. April 1871. Soeben bin ich von einem Nundgang in die Stadt zurückgekehrt und der Anblick dieser Stätten der Verwüstung hat mich tief erschüttert. Wohin das Auge sich wendete, sah cs die Folgen der brutalsten, entfesselten Leidenschaften des niederträchtigsten Barbarismus. Ja, Schiller hat recht, wenn er sagt, das Schrecklichste der Schrecken ist der Mensch in seinem Wahn! Hier konnte man sehen, wozu ein Mensch — die schönste Idee Gottes, wie es der treffliche Jean Paul bezeichnet — fähig ist, wenn er sich von den niedrigsten Begierden und Leidenschaften hinreißen läßt! Während ich den Heimweg antrat, drängte sich mir unwillkürlich der Gedanke auf, welch' eigcnthümliche Stadt Odessa ist! Eine Stadt, die auf europäische Bildung Anspruch macht, die darnach gestrebt, den Großstädten sich anzurcihen, ja selbst einen Thierschutzverein gründete; warum hat dieselbe nicht daran gedacht, zuerst Menschenschutzvcreiue ins Leben zu rufen und nicht eine große Zahl nützlicher, intelligenter Bürger außerhalb des Gesetzes und für vogelfrei zu erklären?! Die gebildete christliche Bevölkerung hat sich bei diesem traurigen Ereignisse unter aller Kritik benommen. Nicht nur, daß dieselbe den armen Israeliten in der Noth nicht hals, sondern sie waren gleichgültige, ruhige Zuschauer und eiferten durch ihre Anwesenheit die wilde Rotte zum Rauben und Plündern an. — Die schreckliche Katastrophe ist so reich an traurigen Episoden und Ereignissen, daß es mir beim besten Willen nicht möglich ist, alles en detail zu schildern. Ich beschränke mich nur zu sagen, daß leider die Schrcckenstage Odessas viele Opfer au Menschenleben gefordert und daß der Schaden unermcßbar ist. Heute erließ Se. Eminenz der Erzbischof von Ehasan und Odessa, Dimitri, ein edler, gottesfürchtiger und wahrhaft religiöser Mann einen Hirtenbrief an die christlichen Einwohner der Stadt, der von seinen humanen und toleranten Gesinnungen Zeuguiß ablegt. Möge die ihm untergebene Geistlichkeit an ihrem Oberhirtcu in ihrem Berufe sich eiw Beispiel nehmen! Laut einer heute an den Straßenecken assichirten, ofsiciellen Mittheilung verspricht die Behörde, die Sache gehörig zu untersuchen und die Beteiligten strenge zu bestrafen. Hoffen wir, daß die Regierung der Gerechtigkeit freien Lauf lassen wird und den Beschädigten ihre Verluste an Hab und Gut ersetzen wird. Anzeigen. Die Stelle eines Religionslehrers, verbunden mit der eines Vorsängers ist in hiesiger israelitischen Gemeinde zu besetzen. Jährlicher fester Gehalt beträgt 500 fl. nebst freier Wohnung. Anmeldungstermin von Dato bis 20. Mai d. I. Antritt der Stelle sofort. — Da die Schülerzahl gering ist, so dürfte dem Bewerber, falls solcher seine übrige Zeit dem Privatunterrichte u. s. w. widmen würde, ziemlich Hoffnung auf Nebenverdienste gegeben werden, und überdieß steht, mit Antritt noch anderweitiger Funklionen, seiner Zeit demselben noch bedeutende Gehalts-Erhöhung in .Aussicht. — Hervorgehoben wird , daß Diejenigen, welche ihre Befähigung als Schächter Nachweisen können, den Vorzug erhalten. — Reflectirenve wollen recht bald sich melden, und ihre Befähigungszeugniste anher einsenden. Binswangen bei Augsburg, d. 17. April 1871. Der Vorstand der hiesigen isralit. Cultusgemeiude. Durch die Berufung des Herrn Rabbiner Dr. Perles nach München ist die von demselben bisher bekleidete Stelle eines Rabbiners und Predigers unserer Gemeinde erledigt. Zur Wiederbesetzung derselben wird hierdurch eine Eoncurrenz eröffnet und wollen geeignete Bewerber ihre Meldungen bis zum 15. Mai er. an den Unterzeichneten Vorstand zu Händen des Herrn Julius Briske gelangen lasten. Posen, den 18. April 1871. Der Vorstand der israelitischen Bruder-Gemeinde. Hauslehrerstelle vacant. Ein Lehrer, der in den allgemeinen Fächern unterrichtet, gut Clavier spielt und fertig und correct französisch spricht, wird für 4 Kinder zu engagiren gesucht. Jacob Nosenzweig in Strzalkowo bei Wreschen.

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