Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1871)
- Date
- 1871-05-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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35. Jahrgang. Allgemeine J\f 18." Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Her aus gegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 2. Mai 1871. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2>/r Bogen. Preis deS Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Biertcljährig 1 Tblr. Inserat' werden mit 11/2 ^kgr. für die Pclitzcile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitilugö-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expediiion für Leide Letztere hat sich daö König!. Sächf. Haupt-Zeitungö-Bureau unterzogen. 3 li 1) ii l t. Leitende Artikel: Das Verhältnis; der Juden in Nusiland zur russischcn Sprache. — Die »Soldaten jnd. Nelistion in den deutschen Heeren. — -Lainmlnnq für die durch den Mrica vcrunsilüclrcn Zöraelilen in Strasidurq, Metz und den Landgemeinden des Elsaß und Lothringens. Zeitttngsnachricbten: Deutschland: Berlin. Bonn, Schlcusingen. — Ocstcrr eichisch-nngar. Monarchie: Wien. — Donaufürst'cnthümcr: Bularcst. N ir f; land: Odessa. Feuilleton-Beilage: Lesefrüchte. N. — Eorrespondcnz. — Dao Gedenlbnch an den deutsch-französischen Krieg von 1S70—71 für die deutschen Israeliten. — Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. Leitende Artikel. Bo UN, 23. April. Uns Verhältnis; kr 3«kn in Vnßland znr russischen Sprache. Die Redaction des in Petersburg erscheinenden Blattes „Wiestnik" hat uns mit der wiederholten Aufforderung beehrt, unsere Ansicht über das Berhällniß der russischen Juden zur russischen Sprache in einem Artikel auszusprechen, welchen sie ins Russische übertragen und in ihren Spalten veröffentlichen wolle. Wir konnten uns diesem Ansuchen um so weniger entziehen, als es sich um eine Frage handelt, welche seit Decennien bereits in den osteuropäischen Ländern an die Juden herangetreten, die Frage nämlich um die Nationalsprache, welche in dem so energisch erwachten Nationalitätenkampfe von großer Bedeutung und Tragweite ist. Wir waren niemals zweifelhaft, auf welche Welse diese Frage zu beantworten sei; denn, obschon für -einige dieser Länder die unmittelbare Anlehnung an die deutsche Cultur von großen Vortheilen ist, so überwiegt doch das nationale Interesse und drängt alle anderen Berücksichtigungen in den Hintergrund. Da eS sich nun hier nicht um eine Privatcorrespondenz handelt, sondern um die Erörterung einer allgemeinen und wichtigen Frage, so stehen wir nicht an, auch an diesem Orte die von uns ertheilte Antwort wiederzugeben. Sehr geehrter Herr Redacteur! Bonn, 17. April 1871. Sie haben mir die Ehre erwiesen, mich aufzuforden, meine Ansicht über das Verhältniß unserer Glaubensgenossen in Rußland zur russischen Sprache auszusprechen. Bielleicht glaubten Sie, daß meine Meinung gerade in dieser Frage als die Meinung eines Mannes, der seit 15 Jahren alle seine Kräfte und eine ununterbrochene Thätigkeit dein Judenthume gewidmet, zugleich aber der deutschen Nationalität sich bewußt und der deutschen Sprache beflissen war, einiges Gewicht haben möge. In der That erwiesen Sie aber hiermit, daß die Lösung dieser Frage, bei dem ersten Blick anscheinend so leicht, doch in der Ausführung und Wirklichkeit auf Schwierigkeiten stößt, welche nur durch mehrseitige und gründliche Beobachtung, sowie durch Beharrlichkeit und Ausdauer beseitigt werden können. Gestatten Sie mir nun, in Erfüllung Ihre- Wunsches denjenigen Weg einzuschlagen, welcher mir seit