Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1871)
- Date
- 1871-04-25
- Page
- Seite 345 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine des Iudenthums Femlleton-Leilage zu Ar. 17. Leipzig, den 25. April 1871. Napoleon I., die Inden und die österreichische Polizei. Von Dr. G. Wolf. (Schluß.) Die größten Sorgen bereiteten die Triester Juden der Negierung. So schrieb Herr von Sumerau: „Nach zuverlässigen Nachrichten sollen die Juden in Triest für die Reform ihrer Glaubensgenoffen in Paris ganz besonders gestimmt sein. Nicht ohne wesentlichen Nutzen' dürste es sein, unmittelbar einige der Beffergesinnten unter den Tonangebern dieser Volkßclaffe zu gewinnen und in das Interesse des Staates zu ziehen zu suchen, damit durch diese weiter gewirkt werde." In einem zweiten Schreiben an den Gouverneur, Graf Levocy in Triest, 10. November 1S06, schrieb er: „Ich vernehme, daß es gerade die in Trieft sich aushaltenden Juden sind, welche mit Enthusiasmus für die von Frankreich ausgehenden Reformen ihrer Nation sich erklären. Nach einem Berichte soll der französische Conful in Triest, Segnier, in einer diplomatischen Depesche geäußert haben, die Bulletins der französischen Armee würden in der Synagoge zu Triest ösfentlick vorgelesen und dann Gebete für ven gebenedeiten Napoleon angestimmt, was er selbst jedoch für arge Uebertreibung hielt." — Hierauf rescribirte der Kaiser, man müsse dem Umstande, ob irgend ein Triester Jude sich nach Paris begeben habe, dadurch auf den Grund zu kommen trachten, daß man Diejenigen, welche jetzt von dort abwesend sind, nach ihrer Rückkehr verhalte, sich über ihre Ubication während ihrer Abwesenheit gehörig auszuweisen. Die erhitzte Phantasie malte sich die sonderbarsten Gemälde, und an allen Ecken und Enden sah mau Schreckensgestalten auftauchen. So schrieb der Chef der Polizeihofstelle an die Länderchefs: Nach einigen Anzeigen soll eine von einer französischen diplomatischen Person geleitete KundschaftSanstalt bestehen, welche von Wien bis in das Innere von Rußland geht, und von Juden, größtentheils gemeiner Art, geführt wird. Von Strecke zu Strecke sollen posienmäßig Mitglieder dieser Anstalt ausgestellt sein, und auf diese Art die Nachrichten mit auffallender Schnelligkeit bis zu dem Mittelpunkt gebracht werden. Es ist wohl nicht ganz unwahrscheinlich, daß diese Espionage eine der ersten Früchte der Wiedergeburt des Judenthumö sein dürste, welche aus Frankreich hervorgehen soll. Noch eine andere Sorge quälte Herrn v. Sumerau. Nach vertrauten Nachrichten aus Frankfurt a. M. soll seit zwanzig Jahren die Correspondenz der preußischen und polnischen Juden mit Juden in Frankfurt a. M. nicht so häufig wie jetzt, 1806, gewesen sein. Man solle daher dem Gegenstände seine Aufmerksamkeit zuwenden. Wenn man all diese Dinge liest, muß man sich mit Recht fragen, woher die Polizei ihre Agenten nahm, um Alles und Jedes zu überwachen. Freilich war dieses zu allen Zeiten ein Krebsschaden der österreichischen Polizei. Sie ging immer ins Breite. Sie wollte Alles unter ihre Botmäßigkeit gestellt wiffen und hat dadurch die Kräfte, die ihr zur Verfügung standen, zersplittert. Sie wollte über Alles unterrichtet sein, und hat dadurch gewöhnlich nichts Rechtes erfahren. In dem gegebenen Falle jedoch waren die Anstrengungen der Polizei ganz überflüssig. Nicht ein einziger Jude aus Oesterreich ging zur Zeit, als das Shnhedrion in Paris seine Sitzung hielt, dahin. Die Postbeamten hatten zwar viel zu thun, um die Briese zu offnen und sie zu lesen, bevor sie an die Adressaten gelangten; doch sie bildeten nicht einmal das Substrat zu einem Verdachte, nur einige wenige Briefe beunruhigten die Herren Lander-Chefs und sie sahen sich veranlaßt, sie der höheren Instanz vorzulegen. Man höre. Herr Graf Lazanzky in Brünn, 1. November berichtet: Der Proßnitzer jüdische Gelehrt, Eleon Sadek, habe von einem Freund in Mainz Nachricht erhalten, daß in Paris das Synhedrion zusammentreten soll. Am 14. December berichtete Herr Graf Lazanzky die schauderhafte Mähre, der jüdische Lehrer Abraham Beer in Großmeseritsch habe durch einen Bekannten in Ofen einen Bericht über die Verhandlungen des Synhedrions erhalten. Wohl constatirt der Herr Graf, daß die Juden in Mähren im Kriege Frankreichs gegen Preußen für Letzteres Theilnawe^hatten, aber er weiß nicht, waS mit den