Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-04-25 · Heft 17 (25.4.1871) · p. Seite 340

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 17 (25.4.1871)
Date
1871-04-25
Page
Seite 340 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226798-3226816--29422-3252259
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

340 dem Hochzeitstage der Gatten, zur Unterstützung von wenigstens 100 Neichsthalcrn für jeden Bedürftigen innerhalb der israelitischen Gemeinde daselbst auogetheilt werden. Diese exceplionelle Bedingung soll gleichwohl aufhören, sobald die mosaischen Glaubensbekenncr in Schweden vollkommen gleiche Berechtigung mit den anderen schwedischen Mitbürgern erhalten haben, alsdann sollen auch andere bedürftige Mitglieder der gesammten Einwohnerschaft der Unterstützung ans diesem Donationsfonds thcilhaftig werden. Bewahrheitet sich auch das Psalmwort darin „Niemand nimmt seine Schätze mit hinab ins Grab", so ist es doch für den Menschenfreund tröstend und erfreuend noch Personen zu finden, die ihren irdischen Erwerb zum Segen und zur Freude ihrer Mitmenschen verwenden. Ihr Andenken ist und bleibt gesegnet. Die israelitische Gemeinde in Gothenburg besitzt, tvie die Zeitung d. 2. Nr. 30 Jahrgang IS 09 erwähnt, viele edle Stiftungen. Es herrscht auch von christlicher Seite dort ein solcher Wohlthätigkeitssinu und Wetteifer, der Commune nützlich zu sein. — Wenn man dennoch darüber klagen hört, daß die schwedischen Israeliten so wenig Thcilnahme bei der Einsammlung für die unglücklichen politischen Glaubensbrüder gezeigt haben, so hat dies seinen Grund in der Unkenntnis; der wahren Verhältnisse hier, und wie vieles, wenn auch nicht öffentlich Erwähntes, gerade für diese Hülssbedürftigen hier zu Laude geschieht. So sind Schulen errichtet, wo den Kindern besonderer Unterricht in allen Schulkenntnissen erlheilt wird. Außerdem erhalten die Kinder der Armen Kleider und Bücher, die Aeltern Holz, Licht und Nahrungsmittel, und zu Peßach Mazoth und Fleisch. Die Gemeinde in Gothenburg hat eine jährliche Ausgabe von über 2000 Neichsthalern für dort wohnhafte und durchreisende Polen. Derselbe Fall ist es mit der Gemeinde in Stockholm, wo auch eilte bedeutende Anzahl wohnen. Der Wohlthätigkeitssinu läßt sich in beiden Geuteinden nicht verneinen, wenn er auch nur localisirt ist. Wären die Gemeinden zahlreicher, so könnte mtd würde gewiß noch mehr für unsere Glaube,tsgenossen geschehen. 8. Rußland. Petersburg, 11. April. (Privatm.» Sie haben vollkommen recht genrtheilt, als Sie die Nichtigkeit der von der Wiener „Presse" gebrachten und durch alle europäischen Blätter gegangenen Nachricht, daß ein Ukas bevorstche, durch tvelchen die hebräische Sprache in den Synagogen verboten und die russische einge führt werden solle, als nnglanbhast bezweifelten. Ich kann Ihnen aufs Bestimmteste erklären, daß diese Nachricht ans der Luft gegriffen ist, daß weder im Departeittetit der fremden Enlte im Ministerium des Innern, welchem das jüdische Synagogal- und Gemcindcwesen untergeordnet ist, noch im Ministerium der Volksaufklärung, dem die Verwaltung der jüdischen Erziehungsanstalten aitvertraui ist, irgend ein solcher oder ähitlicher Gesetzentwurf vorliegt. Vielmehr kann ich Ihnen versichern, daß die Tendenz, welche einer solchen Maßregel zu Grunde liegt, derjenigen geradezu widerspricht, welche die russische Staatsregiernng als die ihrige verfolgt. Wenn vor einiger Zeit für die katholische Kirche in Polen ein Zwang zu Gunsten der russischen Sprache adoptirt wude, so geschah dies ans eminent politischen Gründen, war von russisch gesinnten katholischen Kirchen selbst beantragt und tastete .die eigentliche Liturgie nicht au, sondern beschränkte sich atif Hymnen, Gebete für den Kaiser u. s.' w. Hinsichtlich der Juden aber ist von alle diesem nichts vorhanden, sondern eher das Gegeutheil. Es hat viel Bemühung gekostet, bis die Erlaitbniß erlangt wurde, ein hebräisches Gebetbuch mit russischer Ucbcrsetznng herausgeben zu dürfen, und wurde diese auch erst gegeben, als in Warschau ein solches Gebetbuch ohne Erlaubniß der Eensur eingeschmuggelt worden. Nach zehnjähriger Bewerbung erhielt jetzt erst ein gewisser Mandelstamm die Erlaubniß, eine längst in Berlin stereolypirte Bibel mit russischer Uebersetzung in Rußland einzuführen und zwar mit der Bedingung , daß kein Exemplar ohne den hebräischen Text verkauft und stets Text und Uebersetzung auf die beiden Seiten eines Blattes gedruckt werden, so daß die russische Uebersetzung von dein Texte nicht getrennt werden kann. Hai cs doch lange Erwägungen gekostet, bis der russische Syuod das Neue Testament in russischer Uebersetzung und jüngst die fünf Bücher Mosis und die Bücher Iosna und Richter, nach der Septuaginta übersetzt, erscheinen zu lassen sich ent' schlossen. Hierfür ist der Grund, abgesehen, daß überhaupt . die griechisch katholische Kirche ebenso wie die | römisch-katholische, die Bibel nicht als ein für das > Volk bestimmtes Buch ansieht, daß es wohl bekannt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.