Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1871)
- Date
- 1871-04-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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35. Jahraanq. 311 l fl t Hl C i lt C JW 15. Zu-enthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. iHerauSgeg eben von Rabbiner Vr. Ludwig Phitippfon in Bonn. lkitung des Leipzig, den 1t. April 1871. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 ^iS 2'/, Bogen. Preis deS Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig ‘2 Thlr. Vierteljährig t Thlr. . 3nscrat: werden mit 11/2 Ngr. für die Pcritzcile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postärurcr und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expediiion für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Skizzen über die Frage: Was haben die Inden vom Staate zu fordern? lFortsctznngl. — Referate über die der ersten Synode;u Leipzig überreichten Anträge. HI. — Sammlung für die durch den Krieg verunglnäten Israeliten in Strasiburg, Metz und Landgemeinden des Elfaß und Lothringens. — Die Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. — Litcrar. W o chenberi ch t: St. Petersburg. Bonn. — Einladung zur zweiten israel. Synode. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Frankfurt a. M., LoSlan, München, Fürth, Bayrcntb. Haitingen. Burgebrach, Haigcrloch. — O c st c x r.. u n g. 9)2 o n a r chic: Wien, Pest, Savbnsch, 'Ans Galizien, Brody. — Frankreich: Paris, 'Algier. — D ä n c m a r k: Kopenhagen. — Rußland: Petersburg. — Nordamerika: Pittsbnrg. Nachtrag: Bonn, Hannover. Feuilleton-Beilage: Miltheil. a. Rußland. — Eorrcjpondenz. Leitende Artikel. Bonn, 2. April. Skizzen über die Frage: Was haben die Inden vom Staate zu fordern? ^Fortsetzung.) Düs zweite Moment ist aber die Ausbildung der jüdischen Elemenlarlehrer, welche nicht minder die Bedürfnißfrage in dringender Weise bejaht. WaS auch theorifirt werden mag: die jüdische Elementarschule besteht, besteht in einem großen Uinfange und ist nothwendig. Es giebt allerdings Oertlichkeiten, in welchen durch die günstige Richtung der öffentlichen Volksschule, ihrer Leiter und Lehrer das Bedürfnis einer besonderen jüdischen Elementarschule nicht oder wenig vorhanden ist, und inan daher mit Recht den gegen sie sprechenden Motiven Raum gewähren kann. Hier ist dies also eine örtliche Frage. Im großen Ganzen aber ist die jüdische Elementarschule darum eine Rothwendigkeit, weil die öffentlichen Volksschulen einen durchaus speciflsch christlichen, noch mehr einen specisisch confessionellen, also katholischen oder protestantischen Charakter haben und zwar in so entschiedenem Maße, daß alle Unterrichtszweige, mit Ausnahme des Rechnens etwa, confessionell durchquickt sind. Alle Aeltern, denen die religiöse Erziehung ihrer Kinder am Herzen liegt, haben dies an solchen Orten schmerzlich zu empfinden, bevor ihre Kinder in die Gymnasien und Realschulen, resp. höheren Töchterschulen eintreteu, obschon selbst auch hier sich allzu oft Veranlassung dazu findet. Wir wollen also nicht einmal erwägen, daß der Religionsunterricht sich in einer Elementarschule viel nachhaltiger mit den übrigen Unterrichtszweigen verbinden läßt, als er in besonderen Religionsschulen, die stets nur eine schwächere Aushülfe bieten, sich ertheilen laßt. Nicht unerwähnt aber wollen ^vir lassen, daß an Orten, wo es keine Bürgerschulen giebt, das Maß des Unterrichtes in der öffentlichen Volksschule so gering ist, daß die Juden ihre Äinder ungern darauf beschränkt sehen, und die jüdische Elementarschule deshalb auf ein höheres.Maß angelegt wird. Wir haben ein Recht, dies zu behaupten, seitdem wir mehr als ein Jahrzehnd lang aus den officicHen statistischen Tabellen erwiesen haben, welch einen großen Procentsatz mehr die jüdische Bevölkerung in die Gymnasien, Real- und Bürgerschulen sendet, als die christliche. Ist also erwiesener Maßen die jüdische Elementarschule ein nothwendiges Bedürfnis, so kann es auch nicht