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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-04-04 · Heft 14 (4.4.1871) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 14 (4.4.1871)
Date
1871-04-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JW 14 35. Sa^rnntig. Allgemeine Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. 'Herausgegeben vou Rabbiner vr. Ludwig Philippfon irr Bonn. ♦ Leipzig, den 4. April 1871. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstag-, in 2 biS 2»/, Bogen. Preis des IabrgangS 4 Thlr. Halbiahrig 2 Thlr. Viertelt-Hrig I Tdlr. Inseratwerden mit 1 >/, Nar. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZertmigS-Expeditronen nehmen Lestcllungen au; der Haupt-Expedilion für beide. Letztere hat sich daS Königt. Sachs. Haupt-ZeitungS-Burean unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Skizzen über die Frage: Was haben die Juden vom Staate zu fordern? IX. u. X. — Was hätten die Juden in Elsaß und Deutsch-Lothringen zu thuu? — Sammlung für die durch den Krieg verunglückten Israeliten in Straßburg, Metz und Landgemeinden des Elsaß und Lothringen«. — Die Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig, Aus dem Hannöverschen, Hannover, Cöln, AuS der Provinz Posen, Fürth. — Frankreich: Paris. — Donausürsteuthümer: Bukarest. — Rußland: Petersburg, Rnssiscy Polen, Von der Weichsel. Feuilleton-Beilage: Jüdische Auswanderer im Anfänge dieses Jahrhunderts. — Correspondenz. — Notizen. Leitende Artikel. Bonn, 26. Marz.*) Skizzen über die Frage: Was haben die Inden vom Staate zu fordern? IX. Die Juden in Frankreich. ES liegt nicht in unserer Absicht, heute einen Blick auf die Überaus traurigen Zustände zu werfen, in welche Frankreich versunken ist. Das Herz erzittert bei dieser Betrachtung jedem Menschenfreunde. Nicht die Lostren¬ *) Wir bitten, in dem Leitartikel in Nr. 12 S. 232 Sp. 2 Z. 22 v. o. statt „Rothenburg" „R. S. b. Meir in Romrogh" zu lesen. nung von anderthalb Provinzen, denn Frankreich bleibt noch groß genug, nicht die zahlreichen Niederlagen, denn die französische Geschichte weist bei allen Siegen, welche die Franzosen erfochten, der verlorenen Schlachten in alter und neuer Zeit genug auf, und Deutschland und Preußen, haben nicht minder Zeiten des größten Mißgeschicks durchgemacht, nicht diese also sind es, sowie auch nicht der außerordentliche Verlust an materiellen Gütern, welchen die Nation, wenn auch erst in Jahrzehnden, sich zu ersetzen vermag, nicht diese sind es, welche das eigentliche Unglück Frankreichs ausmachen und unser Bedauern von humanem Standpuncte aus wahrhaft Hervorrufen; sondern die völlige Zerrüttung aller staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse, der gänzliche Mangel an aller Achtung vor dem Gesetze und irgend welchen gesetzlichen Autoritäten, der maßlose Egoismus, welcher jedes aufrichtige patriotische Gefühl für die Gesammtheit des Vaterlandes verdrängt hat, und die Individuen nichts als die Herrschaft ihrer Partei und durch diese die eigene und persönliche Befriedigung im Auge haben läßt, die wüste Leidenschaftlichkeit, die jedes Rechtsgefühl in blinden Haß aufgehen macht, alles Dies, daS eine tief gehende Zersetzung des Volksgeistes bedeutet und die wildesten Bürgerkriege zur Folge haben kann — hierin liegt das unermeßliche Mißgeschick dieses großen Culturvolkes, das von einem gänzlichen und schnellen Niedergange bedroht ist. Kommt es uns doch vor, als wenn ein Mensch, der in einen Abgrund rollt, mitten in seinem Falle den Strauch abhaut, an welchem er sich festhalten, oder den Stein fortstößt, auf welchen er den Fuß Redact.

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