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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-03-28 · Heft 13 (28.3.1871) · p. Seite 261

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 13 (28.3.1871)
Date
1871-03-28
Page
Seite 261 (sequence 13)
Language
German
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261 Maße auf, als sei der von Allen Geliebte plötzlich fortgerissen worden. Da die Familie wünschte, daß der Verstorbene in Berlin beerdigt werde, so konnte nur die Ueberführung der Reiche zum Bahnhofe dem Schmerze der Berner Ausdruck geben. Der akademische Senat versammelte sich gestern Abends um 6 Uhr im Senatszimmer, und die mit den Vereinsfahnen und allen zu einem großartigen studentischen Fackelzuge nöthigen Ausrüstungen versehenen Studenten im Klosterhofe. Die Lehrer der Hochschule und die Studirenden gingen dann in feierlichem Zuge von der Mitte der Stadt durch die Hauptstraße nach der vor dem Thore gelegenen Wohnung des Verstorbenen. Dort angelangt wurde nach schweizerischer Sitte, wie man es ausdrückt, das Leid abgcnommen. Herr Prof. Lücke, ein Studiengenosse von Munk und als. Prof, der Chirurgie gleichzeitig mit ihm hierher berufen, schilderte hierauf vor dem Hause oes Verstorbenen die Verdienste desselben. Herr Cand. raed. Trichel (?), der Sohn eines evangelischen Pfarres an der hiesigen Münsterkirche, gab den Gefühlen der Studirenden Ausdruck. Der Zug setzte sich hierauf in Bewegung, voran Trauermusik, dann vor und neben dem Leichenwagen die Chargirten und Fahnen der Studenten, hierauf die Leidtragenden, dann die Professoren der Universität, der Rector an der Spitze, nach ihnen viele Aerzte, Freunde und Bekannte, fast sämmtliche Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde und die Fackelträger der Studirenden. Tausende von Theilnehmenden harrten auf dem Wege, und man sah mehr als eine Frau unter den Dastehenden, welche bitterlich weinten und so den letzten Abschied ihrem Helfer dardrachten. Das Ganze erinnerte unwillkührlich an das Leichenbegängniß von Waldeck in Berlin. Wie in unserem freien Lande die Toleranz verstanden wird, kann am Besten zeigen, daß der Zug die Mitglieder der ireformirten) theologischen Facultät der Universität, den ersten katholischen Geistlichen der Stadt, und den Vorsteher der jüdischen Gemeinde enthielt und der Letztere Kaddisch sagte und die Anwesenden Juden ihre Ncsponsorien abgaben, nachdem der Zug vor der versammelten Menge in den Waggon gebracht worden. Nachtrag. Bonn, 20. März. (Privatmitth.) Das eben ausgegebene Februarheft des „Centralblattes für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen" enthalt folgendes Ministerialrescript: 3l) Zulässigkeit der Wahl von Juden zu Mitgliedern einer städtischen Schuldepntation. Berlin, den 26. Januar 187!. Auf die Berichte vom 18. Oetober und 15. December v. I. eröffne ich der Königlichen Regierung, daß mit Rücksicht auf das Gesetz vom 3. Juli 1869 (BundeS- Gefetzblatt Seite 292), nach welchem die Befähigung zur Theilnahme an der Gemeinde- und Landesvertretung und zur Bekleidung öffentlicher Aemter vom religiösen Bekenntniß unabhängig ist, der Wahl eines Juden zum Mitglied einer städtischen Schuldeputation um feines religiösen Bekenntnisses willen die Bestätigung nicht versagt werden kann. Der Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten. An von Mühler. die Königliche Regierung in N. U. 32415. Die Motivirung dieses Erlasses ist so liberal wie möglich. Ob aber darum der Unterrichtsminister seine bekannte Interpretation betreffs Anstellung jüdischer Lehrer aufgiebt, ist uns noch sehr zweifelhaft, wenigstens noch vurch keine Thatsäche erwiesen. Neisse, 18. März. (Privatmitth.) Bereits wurde in Ihrem geschätzten Blatte gemeldet, vaß der jüdische Stabsarzt vr. Skutsch von hier das eiserne Kreuz erhalten habe. Heute muß ich Ihnen wieder eine gleiche Anzeige von einem anderen jüdischen Arzte, der aus Patschkau, hiesigen Kreises, gebürtig ist, machen. Die Schlesische Zeitung von heute (Nr. 131 1. Beilage) enthält hierüber Folgendes: „Zu den mit dem eisernen Kreuze decorirten Schlesiern gehört auch vr. Sachs — seit sechs Jahren in Kairo ansässig — welcher als Stabsarzt im 1. Armeecorps den Feldzug mitgemacht hat. Obwohl vr. Sachs leicht als unabkömmlich hatte reclamirt werden können, war er dennoch mit Hintansetzung bedeutender materieller Interessen, die in seiner dortigen Stellung liegen, aus Aegypten zu den Fahnen geeilt und hat namentlich vor Metz durch seine chirurgischen Leistungen den Verwundeten anerkennenswerthe Dienste erwiesen, indem er viele Wochen hindurch in dem Dorfe Les Etangs unter äußerst schwierigen Verhältnissen ein Lazareth dirigirte." Anzeigen. Annonce. Die hiesige israel. Gemeinde sucht zum sofortigen Antritt einen Religionslehrer, Borbeter und Schächter bei einem sixirten Gehalte von 220 Thlrn., nicht unbedeutender Schechita u. Nebeneinkommen. Reflect. belieben sich an den Vorstand Herrn Marcuse Hierselbst zu wenden. Wolmirstedt, den 16. März 1871. Brisch, Lehrer.

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