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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-03-21 · Heft 12 (21.3.1871) · p. Seite 248

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 12 (21.3.1871)
Date
1871-03-21
Page
Seite 248 (sequence 20)
Language
German
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248 nisten eines Theilhauses in der Judenstadt, und fristete kümmerlich seine Existenz, so daß er selbst im strengen Winter selten seine Stube Heizen konnte, dabei war er unzugänglich für jede Unterstützung. Bei seiner unzureichenden Fußbekleidung erfroren im großen Froste seine Zehen, er vernachlässigte seinen Zustand, es trat Brand dazu, der am -1. Februar seinem Leben ein Ende machte. Um ihn vollends würdigen zu können, sei noch erwähnt, daß er den Philo, den Josephus, den Koran im Original las, mit der Theologie und Mystik des Alterthums und deö Mittelalters vertraut war, und von der Wellstellung des Judenthums einen klaren und großartigen Begriff halte. Sit ei terra levis! Dr. . . . I. Notizen- Leipzig, im März. Gestatten Sie mir, Ihnen mit wenigen Worten die anerkennende Meinung des Professors Eben über die Stellung der spanischen Juden im Mittelalter, wie ich sie vor Kurzem in seinem Colleg von ihm hörte, zu berichten. Prof. Eberl nämlich wies, indem er von der Entwickelung des spanischen Nationalcharakters und seiner Literatur sprach, den gewöhnlich sehr hoch angeschlagenen Einfluß der Araber ganz zurück und führte aus, wie vielmehr die Juden die Quelle für das Orientalische im spanischen Charakter stofflich und formell seien. Ueberhaupt seien sie bei ihrer großen Zahl, ihrer hohen Bildung und ihrer sehr angesehenen Stellung in dem damaligen Spanien die eigentlichen Vermittler zwischen dem arabischen und spanischen Wesen und somit mittelbar zwischen dem Abendlande und dem Orient überhaupt gewesen. Die Einführung der exacten Wissenschaften sowohl als der Philosophie im Oceident sei ihr Verdienst. Gestatten Sie mir, nebensächlich zu Ihrem Aufsatze: „Die Apokryphen" (Nr. 7, S. I2S) zu bemerken, daß die Sage aus dem Buche Tobit, wenn auch der Name fehlt, sich im Tauch um a (Schluß zu Parascha Haasinul findet und daß dort nicht von 7 Männern, die in der Brautnacht starben, sondern nur von 3 Männern die Rede ist, und nicht der Erzengel Raphael, sondern der Prophet Eliah als Retter erscheint; jedenfalls der spätcrn Anschauung angemessener.*) Dt. Klein in Glogau. *) Desto charakteristischer für beide Schriftstücke. Die RcdacUon. (Hohes A l t e r.j . Der Nestor der ungarischen Rabbiner und wahrscheinlich des gesammten Rabbinerstandes heutiger Zeit, Herr Simon Wiener in Lovas- Bereny, starb am 19. o. im Alter von 102 Jahren. Der Verstorbene, schreibt ein Correspondent der Ung. Jüd. Wchschr., der wir diese Notiz entnehmen, war bis kurz vor seinem Tode im ungestörten Besitze aller Sinne und noch in seinen letzten Lebenstagen bis spät in die Nacht mit Talmud-Studien beschäftigt. lEin Volksbeglücker.s Ein alter Rabbi hatte, wie wir im „P. N." lesen, schon seit Wochen eine Audienz bei dem Ministerpräsidenten Grafen Andrnssy nachgesucht. Aufgefordert, zu sagen, was der Gegenstand seiner Bitte sei, erklärte er jedesmal mit geheimnißvollcr Miene, das könne er nur dem Ministerpräsidenten selbst sagen. Als dein Grafen Andr.isty dies mitgetheilt wurde, befahl er den Alten vorzulasien und fragte ihn dann, was für ein großes Geheimniß er ihm mitzutheilen habe. Da segnete der Rabbi dreimal den Grafen und sprach: „Die Menschen sind schleckt, die Welt verdorben und nur hie und da findet noch die Wahrheit eine Zufluchtsstätte. Nur ein Volk wäre noch im Stande die Verderbniß anfzuhalten: das Volk Jehova's." In Jehova's Namen bitte er deshalb den Grafen, seinen Einfluß dafür geltend zu machen, daß die Juden Palästina und Jerusalem zurückerhalteu, dort würden sie bald ein starkes Heer bilden, das überall für die Wahrheit und die gerechte Sache in die Schranken träte. Darauf wünschte der greise Rabbi dem Ministerpräsidenten allen Segen des Himmels, und so findig dieser auch sonst in der Jmprovisiruug von Antworten auf die im Rclchstag an ihn gestellten Interpellationen ist, mag er diesmal dennoch in einiger Verlegenheit gewesen sein, was er dem seltsamen Bittsteller antworten solle. — Verlag von Baurngärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redacteur Di». H. Lotze.

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