Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1871)
- Date
- 1871-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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35. Jahrgang. Allgemeine JW 12. t? Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerausgegeLen von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 21. März 1871. Inhalt. Leitende Artikel: Die confessiomlle Reacn'on. II. — Referate aber die der ersten israelitischen Synode zu Leipzig überreichten Anträge. — Die Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Breslau. Bonn, Minden, EsenL, Burgsteinfnrt. — O e st err. - ungarische M onarchic: Wien, Pest, Aus dem Tokaycrgebirge, Baja. — Nachtrag: MieScisco lProv. Posen», Paris, Algier. Feuilleton-Beilage: Das Judendorf in Sibirien. lFortsetzuugt. — vr. Isaak Lotvositz. — Notizen. Leitende Artikel. Bonn, 12. März. Nie confessionelle Reaktion, n. In einem trefflichen Leitartikel drückte sich jüngst die „Neue freie Presse" folgendermaßen aus: „Nach Allem, was das deutsche Volk im Kriege geleistet, hat cs auch in Friedenszeiten ganz andere Ansprüche auf eine anständige Behandlung zu erheben als früher. Die Beweise von Tüchtigkeit, von Selbstverleugnung, von nationaler Kraft und opferwilliger Unterordnung unter die staatliche Autorität, welche es in allen Reihen und in allen Parteien gegeben, stellen ihm das Zeugniß der vollen bürgerlichen Reife aus. Hierüber kann weder oben noch unten, weder rechts noch links irgend ein Mißtrauen oder ein Mißverständniß bestehen. Alle haben ihre Schuldigkeit, mehr als ihre Schuldigkeit gethan, und dafür gebührt ihnen nicht nur der gerührte Dank des obersten Kriegsherrn, sondern auch ihr volles, ungeschmälertes Recht. Schuldigkeit gegen Schuldigkeit — das sind die Präliminarien, die für einen dauernden, segensreichen Friedensfchluß im Innern als Ultimatum aufgestellt und festgehalten werden müssen." Was hiermit über die wohlerworbenen Rechte deS deutschen Volkes im Ganzen gesagt worden, findet sicherlich seine volle Anwendung insbesondere auch auf die Juden in Deutschland, auf die Deutschen jüdischer Religion. Wenn der bestandene Krieg, wenn die in ihm bewahrten Tugenden dem deutschen Volke auf eine freiheitliche Entwickelung innerhalb der nunmehr erlangten deutschen Einheit ein volles Anrecht errungen haben, so findet dies auch seitens der Juden statt, welche einen ganz gleichen Antheil wie ihre christlichen Mitbürger an den Kämpfen, Gefahren, Beschwerden, Lasten und Opfern dieses Krieges, an den Leistungen und siegreichen Erfolgen desselben, sowie an all' der Hingebung und Aufopferung, die für die Erfordernisse und Folgen deS blutigen WasfenkampfeS im Vaterlande selbst erwiesen werden mußten, genommen haben. Dies muß denn auch im Gefühle Aller liegen, und daraus erklärt es sich, wenn wir jetzt, und zwar unerwartet schnell, die pietistische und reactionare Partei sich gegen die Juden erheben sehen. Der Erlaß deS evangelischen OberkirchenrathcS und der ihm unterstehenden Conststorien hat seine Bedeutung dadurch, daß er von