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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-03-14 · Heft 11 (14.3.1871) · p. Seite 225

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 11 (14.3.1871)
Date
1871-03-14
Page
Seite 225 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Fenilleton-Leilage zu Rr. 11. Leipzig, den 14. Marz 1871. Tank.qebet für den Frieden, xx. ..Friede, Friede dem Fernen wie dem Naben, spricht der Ewige, ich werde sie heilen!" Mit der Thräne im Auge erheben beute Zahllose ihre Herzen und Hände zu Dir, Gott in der Höhe, der „Frieden schuf in seinen Himmelßhöhen", und nun den Frieden wieder gewährte der armen, geängstigten Menschenwelt! Dir sei Dank und Preis, der Du die Geschicke der Völker leitest, den Frieden willst. aber den Menschen die Freiheit ließest, zu wählen zwischen Krieg und Frieden, zwischen Verderben und Heil — aber ihnen nie gestattest, sich gänzlich aufzureiben und zu vernichten, sondern zur rechten Zeit in Aller Herzen die Sehnsucht senkest nach Friede:, und den Ruf ertönen läffest von allen Seiten nach Frieden, bis sie sich vereinigen zum Frieden! ... Ja, von den Lippen erschallt der Freudenruf, aus den Augen strahlt das Glück, wie fühlen sich alle Geister erleichtert, alle Seelen gehoben, selbst die trüben Gemüther Derer, welche schweren Verlust zu beklagen haben. Ja. die wilde Wuth der Leidenschaften ist geschwunden, die Herrschaft der rohen Gewalt hört auf, Recht und Gesetz kehren zurück, Sicherheit des Lebens und des Eigenthums sind wieder verbürgt, die menschliche Gesellschaft wird wieder, was sie sein soll, der große Spielraum, wo Dein Gebot, Herr, ausgeübt, Dein Wille vom Menschen vollführt wird. All die Barbarei des Krieges, all die Rohheit und Verwilderung wird wieder verbannt in die grausigen Höhlen des Verderbens und des Lasters, vom Gesetze des Rechts und der Menschlichkeit gefesielt. Und je näher wir dem Wiederausbruch des Kampfes standen, je drohender noch die Gefahr, daß die Führer der Völker, die mit einander ringenden Mächte sich nicht verständigen würden: desto reiner und überwältigender ist unsere Freude, desto voller und heißer strömen wir aus den Tiefen unseres Herzens den Dank zu Dir empor! Sonnenglanz erfüllt die Luft und vergoldet den Erdball; Frühlingswehen überall, Lenzesgruß auö dem sprießenden Rasen, von den knospenden Sträuchern. Sonnenglanz und Frühlingswehen ist in unseren Herzen, denn das grausige Gewölk bat sich zerstreut und der blaue Himmel des Friedens lackelt über uns. Bald kehren unsere Männer und Jünglinge aus Feindesland zurück, legen die Waffen nieder und wenden Geist und Hand den Werken deS Friedens zu. Die Kerkerthüren der Gefangenen öffnen sich, und jubelnd wandern sie der Heimath zu, der Freiheit und den Ihrigen wiedergegeben! Nun entfalten sich alle Kräfte, mit neuer Luft wird an die Arbeit gegangen, Trümmer werden hinweggeräumt. das Zerstörte wiedergebant. die Fluren bestellt, die Weinberge gepflegt, die Heerstraßen hergestellt und auf die vereinsamten Schlachtfelder, auf die stillen Gräber der Gefallenen Denkmäler gepflanzt. Herr, Du hast es verheißen: „Ich werde sie heilen!" All die geschlagenen Wunden, all die unermeßlichen Schäden, Du wirst sie heilen, die Gebeugten wieder aufrichten, die Gefallenen erbeben, die Trauernden trösten. Vieles freilich ist Dem unersetzbar, der den Verlust erlitten. Aber der Odem des Trostes und der Beruhigung, der von Dir ansgeht und Deiner Lehre, wird auch Diesen beruhigen und die Zeit seine Wunden vernarben. Geholfen wird dem Kranken, dem Verwundeten, dem Verstümmelten, und Dein Beistand nicht fehlen Denen, die in Noth und Armuth versunken. Wenige Jahre. Herr, und unter Deinem Segen — denn Du segnest die Friedfertigen — werden die Spuren dieses furchtbaren Völkerkrieges verschwunden, überwachsen, überbaut sein. Darum mit dem Dankesliede, das wir Dir anstimmen, was ist unser Fleben? was hebt sich als Gebet auch auö den lusterfüllten Herzen herauf? Daß dieser Friede ein dauerhafter sei, daß unsere Augen den Krieg nimmer wiederschauen, daß unsere Söhne und Enkel solcher Stürme frei bleiben, und wenn die uralte Botschaft Deiner Propheten vom ewigen Frieden uock nickit in Erfüllung gehen soll, daß ein abermaliger Waffenstreit erst nach langer. la"ger Zeit wieder die Säume dieser Erde durchtobe! O, daß in keiner der Nationen, die sich feindlich gegenüberstanden, ein Gefühl der Feindseligkeit, ein Verlangen nach Rache, Haß und Grimm zurückgeblieben, oder daß sie doch bald ruhigeren Gedanken, milderen Empfindungen weichen mögen! Mögen die zerriffenen Bande bald wieder angeknüpft werden und der Austausch der Friedensarbeit 'wieder vorsichgehen. . O, daß die

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