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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-03-07 · Heft 10 (7.3.1871) · p. Seite 200

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 10 (7.3.1871)
Date
1871-03-07
Page
Seite 200 (sequence 12)
Language
German
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200 neigt ist. S3/4 Uhr geht die Versammlung lebhaft diScutirend auseinander. —. In der am 7. d. abgehaltenen öffentlichen Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemcinde war die Einführung der Orgel in den jüdischen Gottesdienst Gegenstand der Berathung. Nachdem der Vorsitzende, Herr Jonas Ritter v. Königswarter, die Sitzung eröffnet, rcserirtc der Obmann der Section für Bethaus-Angeleaenheiten, Herr Brandeis. Die Section hat die Frage, ob bezüglich der Einführung der Orgel die Gcineindcmitglieder befragt werden sollen, mit acht gegen Eine Stimme verneint und beantragt die Adoptirung des von der leipziger Synode in der Orgelfrage gefaßten Beschlusses, welcher dahin lautet: „Die Einführung der Orgel ist empfehlenswerth, gegen dieselbe sprechen leine religiösen Satzungen oder Bedenken." Es entspann sich nun eine längere Debatte über die Opportunität und die Modalität der Einführung der Orgel und insbesondere darüber, ob der Vorstand einen blos principicllen Beschluß fassen, mit der saclischcn Einführung der Orgel aber so lange warten solle, bis eine entsprechende Zähl von Gemeindemitgliedern in präcis ausgesprochener Weise sie verlangen wird. Schließlich wurde der erste Theil deS Beschlusses der Leipziger Synode votirt, nämlich daß die Einführung der Orgel empfehlenswerth sei. Daß dieser Einführung keine religiösen Satzungen und Bedenken entgegensteheu, darüber sprach sich der Vorstand nicht aus, ungeachtet der Einwendung eines Mitgliedes, daß man sich auch diesfalls klar sein müsse, wenn inan die Einführung der Orgel für empfehlenswcrth erkläre. Die Besprechung über den zweiten Theil des Beschlusses der Leipziger Synode wurde sonach einer späteren Zeit Vorbehalten und die Bethaus- Section beauftragt, in einer der nächsten Sitzungen weitere Anträge über die Opportunität und den Modus der Einführung der Orgel vorzulegcn, wobei selbstverständlich den Gemcindcmitgliedern das Petitionsrecht in dieser Frage unbenommen bleibt. — Die Reform der Gebete kaui nicht zur Sprache, auch verlautete nichts, daß eine diesfällige Eingabe der Orthodoxen an den Vorstand bereits gelangt wäre. Pest, 15. Fcbr. Der Trauergottesdienft für weiland Baron Joseph Eötvös im Pester israel. Tempel wurde gestern in Anwesenheit eines äußerst zahlreichen, diftingnirtcn Publieums — es hatten sich die beiden Landtagspräsidenten, Minister T«lh, zahlreiche Abgeordnete, der Sohn des Verewigten u. s. w. eingcfundcn — abgehalten. Nach Absingung des vom Obercantor Friedmann componirten 49. Psalmes bestieg der ungarische Prediger Dr. Kohn die Kanzel. In ergreifender Weise entrollte der Redner ein Bild der überaus reichen Wirksamkeit des großen Todteu und hob besonders dessen große Verdienste um die ungarische Judcuhcit hervor. Nach der Predigt, die kein Auge thränenleer ließ, intonirten Eantor und Ehor das von dem Erstcrcn zu diesem Anlasse eomponirte rituale Seelengebet, in welches derselbe eine zur Feier passende Stelle einge - schaltet hatte, womit die Feier zu Ende war. Italien. Florenz, 26. Februar. (Privatmitth.) Die ersten dreizehn Artikel des die Prärogative des .Papstes betreffenden Gesetzes sind votirt und veröffentlicht. Im zweiten derselben wird jeder Angriff auf den Papst und jede Beleidigung des Papstes gleich denen des Königs der Strafe unterworfen, dagegen hiuzugefügt: „Die liberalen Erörterungen der religiösen Fragen sind vollkommen frei." Die in d. Z. schon besprochene Befreiung der Vaticanischen Sammlungen ist im Artikel 5 zugesichert. Es heißt in demselben: „Die Museen, die Bibliothek und sämmtliche Kunstgegcnstände in den Gebäuden des Vatieans find nationales Eigenthum. Der' Zutritt des Publieums zu den vorgenannten Localen wird von dem competenten Ministerium geregelt werden." — Daß in ganz Europa sich, man kann nicht gerade sagen ins Geheim, eine Verschwörung anzcttelt, um gegen Italien für die Wiederherstellung der weltlichen Herrschaft des Papstes einen Kreuzzug zu Stande zu bringen, ist Thatsache. Aber so wenig cs den Verschwörern gelang, dieselbe aufrecht zu erhalten, so geringe Aussicht ist vorhanden, sie wieder herzustellcn. Als Antwort auf diese Drohungen ging in diesen Tagen von Rom selbst eine massenhaft Unterzeichnete Petition an das Abgeordnetenhaus allhier, die Gesellschaft Jesu ebenso aus Rom zu verbannen, wie dies bereits aus den übrigen Provinzen Italiens geschehen. Die Jesuiten erwarten dies und schassen einstweilen ihre kostbarsten Mobilien aus Rom fort. -_

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