Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1871)
- Date
- 1871-03-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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35, Jahrgang. Allgemeine _10. Zeitung des Zudeuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Phitrppson in Bonn. Leipzig, den 7. März 1871. Diese ^cituna erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/, Dogen. PreiS deS Jahrgangs 1 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Bicrtcllöhng I Thlr. Inserat Seil mit I */a Rar für die Pclitzcile oder deren Rauin berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zertungö. Expeditionen nehmen Beste!, lungcn an; der Haupt-Cxpedilion für beide Lchterc hat sich daö Komgl. Sachs. Haupt-Zcitungö-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Skizzen über die Frage: Wa8 haben die Juden vom Staate zu fordern V VII. u. VIII. — Die Soldaten jüdücber Religion in den deutschen Heeren. - Sammlung für die durch den Krieg verunglückten Jsraclitcit in Straßburg, Metz und Landgemeinden dc8 Elsaß und Lothringens. — Literarischer Wochenbericht: Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Neidcnbnrg, Elatz, Trier, Ettelbrück, Kreuznach, Glciwitz, Glogau, Gnesen. — Ocsterr. - ungarische Monarchie: 'Wien, Pest. — Italien: Florenz. Feuilleton-Berlage: Das Fudcudorf in Sibirien. (Fortsetzung,. Leitende Artikel. Bonn, 26. Februar. Skizzen über die Frage: Was haben die Inden vom Staate zu fordern? VII. In Italien ist das israelitische Bekenntnis bis jetzt noch die einzige ^katholische Confessiou, die auch staatsrechtlich in Betracht gezogen werden kann, da der Protestantismus trotz der antihierarchischen Tendenzen - der Italiener nur sehr geringe Fortschritte bis jetzt gemacht hat. Aber auch die Anzahl der Juden ist in Italien nicht groß, und beträgt unter den 21 Millionen Seelen ungefähr 30,000. Man erinnere sich, daß in Sizilien kein Jude, im ehemaligen Königreich Neapel in der Hauptstadt selbst nur eine kleine Anzahl wohnt, und daß Triest nicht hierher gezogen werden darf. Mit der Herstellung des Königreichs Italien trat überall die unbedingte Gleichberechtigung für die Israeliten ein, und zwar nicht blos auf dem Papiere, sondern nach allen Seiten hin von der Verwaltung bethätigt. In einer überraschenden Weise zeigten sich die Juden, selbst in den italienischen Staaten, wo sie am meisten gedrückt gewesen, befähigt, in das öffentliche Leben wirksam einzutreten, und von dem Herrn Artom an, der in schneller Carriere es bis zum Posten eines Gesandten brachte, sehen wir in die Dikasterien des Staates wie der Municipien, weit über daö numerische Verhältniß der Juden zur übrigen Bevölkerung hinaus, Bekenner dieser Religion eingetreten. Zählt doch die jetzige Deputirtenkammer zehn Juden, und die Stadtb'ehörde des eben befreiten Rom zwei in ihrem Schoße. Dahingegen bethätigt der italienische Staat gegen die jüdische Confession den Grundsatz „die freie Kirche im freien Staate" in vollem Maße, in einem solchen, wie er ihn gegen die karholische Kirche noch lange nicht auszuführen begonnen hat. Die frühere Gememdeverfassung der jüdischen Commune wurde für aufgehoben erklärt, uuv eine Unterstützung aus Staatsmitteln findet nicht statt. Jndeß liegen die Verhältnisse in Italien anders. Ter Staat hat soeben die Säcularisirung sämmtlicher, höchst beträchtlicher Kirchengüter vorgenommen und verwendet sie zum Vortheil des Staates, der dadurch vor dem gänzlichen finanziellen Ruin geschützt worden ist. Wenn er dafür die Verpflichtung übernommen, die katholische Geistlichkeit mit mäßigen Gehältern zu versehen, so können daraus die