Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1871)
- Date
- 1871-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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35, Jahrgang. Allgemeine «43* 9. Ein unparteiisches Organ für altes jüdische Interesse. HerauSgcgeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 28. Februar 1871. Diese sZeitun», erscheint wörficntliri' einmal Dienstags, in 1 bis i'l-z Boqcn. Preis des Jahrgangs I Thlr. Halbjährig Thlr. vierteljährig t Thlr. Inserat: werden mit 1 '/2 'Jljjv. für die Pclitzcilc oder deren tltanm berechnete "lUc Bncl'bandlungcn, Postämter rmd Zcirnngs Expeditionen nehmen Bestellungen an: der Haupt-Expcdiiion für beide Letztere hat sich das König!. Sächs. .H,rupt-ZcilungS'Bureau unterzogen. 3 n d a l t. Leitende Artikel: Skizzen über die Frage: Was haben die Juden vom Staate zu fordern? VI. — Die Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. - Litcr arisch er W ochenberi cht: Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Schwerscno. — Oesterr. - ungaris6)c Monarchie: Wien. — Nachtrag: Ein Erlas; des Preust. Obcrkir chcurathü nur reö Conslfieriilms der Provinz Brandenburg. -- Berlin. Feuilleton - Beilage: Das Indcndorf in Sibirien. tFortfetzungi. — Curiosnm. — .lcnicu. leitende Artikel. Bonn, Ist. Februar. Skizzen über die Frage: Was haben die Inden vom Staate zu fordern? VI. l. Die jüdisch-theologische Facultät. Wir haben also uns nachgewiesen, daß in dem Eultusetat sowohl in Preußen als in Westösierreich das numerische Berhältniß der Consessionen bei der Gewährung von Geldsummen aus Staatsmitteln keinen Einfluß übt, daß vielmehr in Preußen bedeutend mehr für die katholische Confcssion verausgabt wird als für die protestantische, obschon letztere noch einmal so viel Bekenner in Preußen zählt als jene, und daß in Westösterreich für die protestantische Kirche viel größere Summen beansprucht werden, als nach Maßgabe der katholischen Bevölkerung auf die daselbst besindliche sehr geringzählige protestantische Bevölkerung kommen müßten; wir erkannten daraus, daß der Staat hierin sich vielmehr nach dem Bedürfn i ß richtet, um dieses vollständig oder ergänzend zu befriedigen. Es ergab sich ferner, daß nach den obwaltenden Verhältnissen der Staat für die Juden in beiden genannten Reichen die Besoldungen der Cultuöbeamten oder auch nur Zuschüsse zu denselben nicht übernehmen könne, daß er aber verpflichtet sei, Gesammtinstitute für die Juden des Staates zu erhalten und anderen dieses Charakters Zuschüsse zu gewähren. Die erste Stelle nahm hier eine jüdisch-theologische Facultät ein. Wir hatten gesehen, daß in Preußen außer den bischöflichen Priesterseminaren drei theologische Facultäten für die Katholiken neben neun für die Protestanten, und in Westösterreich neben acht katholischen eine protestantische theologische Facultät unterhalten wurden. Daß neben diesen sowohl in Preußen als in Westösterreich eine jüdisch-theologische Facultät mit vollem Rechte gefordert werden kann, braucht nicht mehr erwiesen zu werden. Der eben entlassene österreichische CultuSminister hatte nun auch unter Zustimmung der gesetzgeberischen Faktoren eine solche zu errichten beschlossen und dafür GOfXi fl. jährlich bestimmt. Diese Fixirung einer Summe fordert uns zu der Untersuchung auf, ob sie genügend sei, oder ob hiermit nur ein so dürftiges Institut errichtet werden könne, daß cs seinen Zweck nicht zu erfüllen vermag? Diese Frage zn beantworten, muß uns zunächst beschäftigen, um so mehr, da hiermit zugleich das