Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1871)
- Date
- 1871-02-21
- Page
- Seite 168 (sequence 20)
- Language
- German
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168 tung verschwunden, und ich machte mich gefaßt, den Knauf des Revolvers als Handwaffe zu gebrauchen, wenn eins der Unthiere auf mich losspringen würde. Das war freilich eine schwache Hülfe. Die Thiere, die der Hunger wohl antrieb, und uns ruhig an der Stelle verharren sahen, kamen mit mächtigen Sätzen immer näher und näher, während ich und der Kutscher mit aller Kraft nach Hülfe schrieen, so wenig wir, die wir den ganzen Tag keinem einzigen Menschen begegnet waren, darauf hoffen konnten, und unsere Pferde mit Heulen und Gewieher mit einstiunnten. . Da, im Augenblicke , wo der eine Wolf auf das Handpferd entspringen wollte, sauste eine Art Speer durch die Luft, traf denselben in die Gegend des Herzens, drang hinein, und stürzte den Wolf zu Boden. Aber kaum war dies geschehen, als das andere Raubthier schon nahe war, und sich anschickle mit einein furchtbaren Sprung sich auf mich zu werfen. In demselben Augenblicke flog ein schimmerndes Stück Erz an meinem Kopfe vorüber und war so geschickt geschleudert, daß es dem springenden Wolf in das rechte Auge und den Schädel drang und ihn zu Boden warf. Gleich Darauf sah ich einen Mann aus dem nahen Gebüsche springen und mit einem großen Messer wie. in einem Nu den beiden Wölfen nacheinander durch einen Stich in die Kehle den Garaus machen. Dann zog er ruhig seinen Speer und sein Beil.'gus den Thieren heraus, wobei freilich seinem Speer die Spitze abbrach. Es war ein Wunder, das zu meiner Rettung geschehen, daß in diesem letzten Augenblicke ein Mensch in der Nähe gewesen, und ein solcher, der mit einer.bewundernswürdigen Geschicklichkeit und Kaltblütigkeit die beiden riesiger. Thiere zu fällen verstanden, Noch wunderbarer aber erschien dies mir, als ich den Mann näher anschaute, der wie ein Engel der Rettung mir erschien. Der lange schwarze Kaftan mit einem gleichfarbigen Gürtel um die Hüfte zusammengehalten, der unbedeckte Hals, die langen, gedrehten schwarzen Locken von beiden Schläfen herabhängend, Paies genannt, belehrten mich, daß mein Retter ein polnischer Jude sei, wie ich sie zu Tausenden in Galizien gesehen und kennen gelernt, während im Russisch-Polen der streng ausgeführte Ukas des Kaisers 'Nikolaus den Kaftan beinah hat verschwinden laffen. In Sibirien sind der Czaar und seine Ukase allzu weit entfernt. Der Mann war ein Prachtexemplar seiner Race, groß, breitschultrig, muskulös, mit einem runden Gesichte voll Ebenmaßes, wettergebräunt mit mächtigem bräunlichen Barte und schwarzen Augen, aus denen der eben beendete Kampf mit einer gewiffen Wildheit blitzte. «Fortsetzung folgt.) Notizen. 0r. Isaak Lowositz, ein stiller Gelehrter, der sein ganzes Leben der Wiffenschaft widmete, ist im Alter von 06 Jahren in Wien gestorben, llr. Lowositz hatte zu Anfang der zwanziger Jahre in Prag promovirt, ging dann nach Königsberg, wo er als Docent der Philosophie und Aesthetik wirkte und sich in wiffenschaftlichen Kreisen bald so bemerkbar machte, daß er dort zum Mitglied der königlichen Gelehrten-Gesellschaft gewählt wurde. Bon dieser Zeit her rührt seine innige Verbindung mit dem Philosophen und Dichter Rosenkrantz, eine Verbindung, die bis zu den letzten Tagen fortdauerte. Lowositz, ein Mann von radikaler Gesinnung und sehr conservativen Gewohnheiten, konnte seine Heimat nicht lange entbehren; er kehrte nach Prag zurück, woselbst er lange Zeit keine andere Thätigkeit, als die, seinen Wissenschaften zu leben, auszuüben Gelegenheit hatte. Endlich wurde er Religionslehrer an den dorligen Mittelschulen, bekleidete dieses Amt aber nicht lange, da er in Folge einer Denunciation über die. Art seiner Vorträge sein Amt verlaßen mußte. Und wieder kehrte er als ein Epikuräer der Wiffenschaft, das heißt als ein Gelehrter, der nur geistig consumirt, dem aber am Produciren wenig gelegen ist, fast menschenscheu ganz zu seiner alten Beschäftigung zurück. Außer zahlreichen Artikeln in Fach-Journalen ist nur Weniges von ihm erschienen. Eine Schrift über den Adel, eine zweite über das Rabbinat und dergleichen mehr haben nur die Aufmerksamkeit engerer Kreise auf sich gezogen. Lowositz war nie verheirathet und starb in Dürftigkeit und Noth. (N. Fc. Pr.) Der Heimgegangene war auch uns persönlich bekannt. Sein Wissen war bedeutend, aber für das Leben fehlte ihm alles Geschick. Wie man ihn in obiger Notiz von radicaler Gesinnung bezeichnen konnte, wißen wir nicht, da seine Schriften über Adel und Rabbinat sehr conservativer. Tendenz waren, und er gegen die Anstellung jüngerer, wissenschaftlich gebildeter Rabbiner ankämpfte, was seiner Schrift eine augenblickliche Aufmerksamkeit zuzog. Immerhin war es schade, daß er seine geistige Begabung nicht mehr zum Nutzen Anderer zu verwerten verstand. Die Redaction. Xenien. Vieles sah ich und sann und dacht' über Menschen und Leben; Als ich dies Alles gedacht, hatt' ich mich grade geirrt. Irrte, dieweil ich mich selbst nicht gekannt, wie Du stolperst am Steine, Während die Landschaft Du miß'st sammt den Tiefen und Höh'n. Verlag von Banmgartner's Buchbandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redacteur lr>7. tz. Lotze.