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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-02-21 · Heft 8 (21.2.1871) · p. Seite 165

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 8 (21.2.1871)
Date
1871-02-21
Page
Seite 165 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Feuilleton-Beilage )\t Rr. 8. "eipzig, den 21. Februar 1871. Gebete während des Krieges, xix. Herr, Vater! Die Waffen ruhen. Die Schwerter sind gefenkt, der Donner der Geschütze verstummt, deicht mehr fliegt der grausige Mord durch die Reihen der Menschen, um sie gegen einander zu hetzen und die Faust des Einen in das Blut deS Andern zu senken. Nicht mehr lodert die Flamme auf in der lauten Stadt, im stillen Dorf, und verzehrt, was die Väter gebaut und die Enkel besitzen sollten. Die Gefahr hat aufgehört für unsere Söhne und Brüder, und sie zogen zum Schutze vor den Unbillen der Elemente in Städte und Flecken hinein. Wie athmet jede Brust auf, wie schlägt jedes Herz erleichtert. Denn mehr noch. Wie der Lichtbalken am Osthimmel verkündet, daß die Nacht sich bald zum Tage wandle; wie der blaue Streifen Himmel anzeigt, daß sich bald das ganze Gewölbe geklärt, die Wolken sich zerstreut haben und die Sonne golden hervorteten wird: so verspricht uns die Waffenruhe das Nahen des Friedens. Ja Herr, den erhoffen, den erflehen wir von Dir! Was Deine Gnade verheißt, das erfüllt sie. Du kennst das Sehnen unseres Herzens, das Streben unseres Geistes, das Ziel, wonach wir verlangen — es ist der Frieden, die Versöhnung der Nationen, die Rückkehr zur Gesittung, zur Religion, zur Erfüllung Deiner Gebote, zur Sicherheit des Lebens und des Eigenthums Jedwedes, daß wieder „ein Gesetz und ein Recht sei, dem. Fremdling wie dem Einheimischen," daß Jeder „friedlich sitze unter seinem Oelbaum und seinen: Weinstock!" . .. Und dennoch. Was ist es, das unser Seele drückt und ängstigt mitten in dieser Erleichterung von Druck und Angst'? Ach, daß es nicht die Einsicht und die Erkenntniß, sondern nur die Erschöpfung und Ohnmacht ist, die diesen Stillstand der Waffen herbeigeführt und denen wir den Frieden verdanken werden! Nein, nicht die Leidenschaft hat ausgetobt, nicht der Rachedurst ist erloschen, nicht der Gedanke, daß die Stationen zum Frieden und nicht zum blutigen Kampfe bestimmt sind, hat gesiegt, nicht das Verftändniß ist aufgekommen, daß der Besiegte, im Bewußtsein gekämpft zu haben, sich aufrichtet, dem Sieger den Ruhm des Sieges gestattet, nun aber selbst zum Wiederaufbau des Zertrümmerten, zur Wiederherstellung des Zerstörten, zur Heilung der Wunden eilt. Wie glücklich wären wir dann. Sondern nur weil das Schwert gebrochen, des Bogens Sehne durchscknitten, der Arm ermattet ist, und die keuchende Brust doch nicht mehr Athem genug hat, um ihn noch einmal zu erheben — darum schloß mau die Waffenruhe, will' man den Frieden schließen. Gedemüthigt, aber nicht demüthig; bezwungen, aber nicht sich selbst bezwingend; vom Sturme niedergeworfen, und doch des Sturmes nicht müde! Dies trübt die Aussicht in die Zukunft, dies weckt die Furcht, daß das Kriegsschwert niedergelegt, aber nicht vergraben wird auf immer. O Herr, wo bleibt die Belehrung der Menschen? Bleibt jedwede Zucht, die Du über sie verhängst, ohne Erfolg? Ist all' die Erfahrung, welche die Menfchenvölker machen, vergeblich? Bleibt der Sinn ewig verdunkelt, der Verstand ohne Klarheit, und nur die verblendete Leidenschaft herrschend über die Gemüther? Tu weist es, Du allein kennst das Ziel, Du allein berechnest die Schritte der Menschheit, und wie sie durch all' das Ringen, Auf- und Niedersteigen, Kommen der Geschlechter und Dahingehen langsam vorwärts dringt, und aus der Wildniß sich einen Garten baut, und diesen Garten zu Deinem Reiche, zum Gottesreiche wandelt. Abermals hat die Vergeltung gewaltet; wieder ist Einer gestürzt, der sich unrechtmäßig erhoben, der auf Leichen und Trümmer seine Macht aufbauen wollte, dem Du, Herr, einen Feuergeist verliehen, aber er verwandte die Gluth nicht, um Licht und Wärme seiner geschlagenen, verwundeten Nation zu schaffen, sondern nur, um den Brand immer von Neuem zu zünden, daß in Asche zerfiel, was noch erhalten worden. Abermals hast Du Vergeltung geübt; denn Du hast die Lüge verbleichen, den trügerischen Schein vereiteln lasten, und der Blick auf die Wahrheit hat das Volk erzittern, und vom Verlangen nack Frieden ergreifen lasten. . . Aber warum muß die Wahrheit erst hinter dem Truge kommen? Warum gereichen so hohe Gaben zum Fluche und nicht zum Segen? Warum zeigt sich der Charaker und die Thatkraft so oft im Bösen und so selten im Guten? . .. Die Menschheit weint über alle ihre gefallenen Söhne,

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