Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1871)
- Date
- 1871-02-21
- Page
- Seite 159 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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159 gezahlt werden sollen. Die Verwaltungscommission der jüdischen Lehrerbildungsanstalt hat diese schöne Stiftung mit dem gebührenden Danke entgegengenommen und wird sich nunmehr mit dem Entwürfe der Statuten für die neue Stiftung beschäftigen. Am jüngsten Sonnabend waren sämmtliche hier in Garnison liegenden Militärpersoucn jüdischen Glaubens wie auch vier von den hier als Gefangene befindlichen jüdischen Franzosen zum Gottesdienste in der Synagoge commandirt, nach dessen Beendigung dieselben auf Kosten der Gemeinde in Spaniers Hotel gespeist wurden. Der hiesige Stiftsgelchrte Dr. Max Landsberg, Sohn des verstorbenen Landrabbiners Landsbcrg zu Hildesheim, ist vor Kurzem von der israelitischen Gemeinde zu Nochester in Nordamerika als Rabbiner berufen worden und wird schon in wenigen Wochen dahin abreisen. Am 9. Januar fand zu Einbeck unter zahlreichem Gefolge die feierliche Beerdigung des jüdischen Lieutenants Friedrich Louis Rosenstirn statt, welcher am 27. September v. I. vor Metz verwundet, am 3. Januar in Courcelles im Lazareth seinen langen Leiden erlegen war. Im Kriege zum Lieutenant avancirt, ward ihm doch nicht die Freude zu Thcil, sich mit dem ihm wegen seiner Bravour verliehenen eisernen Kreuze schmücken zu können. Die unter dem 'Namen Nut van't Algemeen in Emden bestehende Gesellschaft hatte bisher Nichtchristen aus ihrer Mitte ausgeschlossen. In einer ihrer letzten Sitzungen beschloß jedoch die Versammlung, von diesem Grundsätze abweichend, einen in Vorschlag gebrachten Juden aufzunehmen, und hat damit fortan der bisherigen religiösen Engherzigkeit entsagt. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 0. Febr. (Privatmitth.) Sie werden aus den hiesigen Zeitungen von dein Froschmäusekrieg, der von den Besuchern der „Schiffschul" in Scene gesetzt wird, Kunde erhalten haben. Ich mag deshalb auf Einzclnheitcn nicht eingehcn. Interessant ist nur der Umstand, daß die Orthodoxen steif und fest behaupten, Dr. Güdemann werde abdanken, wenn die beabsichtigten Reformen zur Ausführung kommen sollten. — Wenn die Kundgebungen der hiesigen Orthodoxen auch nicht geeignet sind, einen Vorstand der Wiener israel. Cultusgemeinde einzuschüchtern, birgt dieser dennoch in seinem Schooße Elemente, auf die Güdemann solchen Einfluß übt, daß die Ausführung der beabsichtigten Reformen dennoch Hintertrieben werden wird, ohne daß der Vorstand sich zu desavouiren braucht. Die Reformvorschläge wie auch die Einführung der Orgel sind im Principe angenommen, und dabei wird es auch bleiben, bis nicht eine Anzahl von Gemeindemitgliedern ausdrücklich auf die Durchführung der als berechtigt anerkannten Reformen dringen wird, in welchem Falle eine Aenderung iu der Liturgie blos für den Tempel der „Stabt" vorgenommen werden dürfte, während im Tempel der Leopoldstadt der bisherige Usus aufrecht erhalten bliebe. Freilich böte die Verschiedenheit der Riten in den einem Vorstande unterstehenden Synagogen dem unbefangenen Beobachter ein eigenthümliches Schauspiel dar, doch der Vorstand hätte das negative Verdienst für sich, Jeden nach seiner Fa-.ou selig werden: zu lassen. Es dürften mithin die mit so vielem Eclat angekündigten Reformen, die mit allgemeinen: Jubel ausgenommen wurden, in den Sand verrinnen, wenn sie nur auf dem Papiere blieben. Der Vorstand möge trachten, daß das liaeturümt moute8 et nascitur ridiculus mus auf denselben keine Anwendung finde, und unbeirrt von dem Gekläffe beschränkter Leute auf der eingeschlagenen Bahn vorwärtsschreiteu, und durch die That beweisen. daß er die fortgeschrittene Judenheit der Residenz würdig vertritt. Pest, 3. Febr. Es bietet einen Einblick in die hiesigen Zustände, folgenden Auszug aus dem Berichte des hiesigen Rabbinats an den Vorstand über seine Amtsthätigkeit im Jahre 1870, den wir der Ung. Jüd. W. entnehmen, zu lesen. Die Zahl der im Jahre 1870 vorgenommenen Ehaliza's belief sich auf 10, gegen 5 im I. 1869, die der protokollirten Ehcpr ocesse auf 98 gegen 71 vom Vorjahre, abgesehen von den zahlreichen Fällen, wo unbedeutende Differenzen oder Streitigkeiten zwischen Eheleuten, die gerade keinen Eheproceß involvirten, auf dem mündlichen Wege ausgeglichen und beigelegt wurden; wobei jedoch zu bemerken ist, daß von diesen Eheproccssen nur eine verschwindend kleine Anzahl auf wirkliche Pester Gemeindemitglieder, die bei weitem größte Anzahl aber auf Fremde, oder in jüngster Zeit Zugezo- 8*