Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1871)
- Date
- 1871-02-14
- Page
- Seite 145 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Femlletoll-öeillige zu tlr. 7. Leipzig, den 14. Februar 1871. Das heilige Land. Von William Hepworlh Dixon. (Fortsetzung.) Der Scrg Larmel. „Auf dem Berge Karmel ist es immer kühl," sagt ein syrischer Hajji, der in der Nachmittagßhitze auf der Ebene Eßdrelon mübsam nach dem Meer hinwandert. „So kühl wie der Berg Karmel," ist. in Galiläa ein Sprichwort. Wir werden bald in der Lage sein, dieses Sprichwort zu bestätigen, da wir das ganze Kloster, das auf seinem Gipfel steht, schon vor Augen haben. Durch die Reihen eines türkischen Lagers dringend, uns durch die lebhaften Gäßcben Haifa's windend, 'ins unter einem Oelbaumwalde verbeugend, im Paßgang über eine Ebene setzend, die das Gebirge vom Meere trennt, erreichen wir den Fuß einer steilen Treppe, die über eine len gl.) Meile hoch in den Felsen gehauen ist. Der Boden ist den ganzen Weg über die Absätze und Schichten hinauf zerrissen, und von^cher Schutzmauer sind Stücke in den Abgrund gerutscht. Nach dem Esten die Straße im Dunkeln herunterzureiten, ist nicht ohne Gefahr. Ein scharfer Peitschenhieb, ein tüchtiger Spornstich bringen uns lustig und warm an's Klosterthor, wo zwei Mönche und Zwanzig Hunde uns mit vielem Lärm bewillkommnen, Nicht wie die edlere und ritterlichere Alpenrace werden die Karmelhunde abgericktet, zu bellen und zu kämpfen, Schafe und Ziegen zu bewachen, Menschen, besonders in weite Säcke und Shawls gekleidete bronzefarbene Männer anzufallen. .Kühn wie Löwen und grimmig wie Wölfe, scheinen diese Hunde zu jener wilden Race von Esdrelon zu gehören, die Isebel in Fetzen zerrissen. Nur gegen die Mönche, .die sie abrichten und füttern, sind sie zahm. Nachdem das Essen abgemacht, das Tischgebet gebührenderweise gesprochen ist, gehen wir mit Vater Eyrillo, einem schmächtigen, dürren Spanier aus La Mancka, der im Morgenlande gelebt hat und gelb geworden ist, auf daö Klosterdach, wo wir die Salzseebrise kosten und sinden, daß sie sehr kühl ist. .Die Sonne sinkt in die Wellen; Haifa und Acre mit ihren weißen MinaretS und Mauern, und der kühne Saum der Bai, an der sie stehen, sind ganz in die purpurnen Schatten des Meeres getaucht. Hoch oben auf diesem heiligen Berge scheinen Himmel und Erde einander zur Ruhe zu küssen. Aber sie scheinen es nur. Die starken Thore, die strenge Wache, die grimmigen Hunde flößen dem Fremden andere, minder ruhige Gedanken ein. Das Kloster Elia's steht auf einem Vorsprunge der Karmelkette, auf der äußersten wilden Spitze, die über dem Meere hinausragt. Jenseits seiner äußeren UmfriedigungS'.nauer und mit dem Rücken, auf dem das Kloster steht, beginnend, wälzt sich hoch und landeinwärts ein Meer von Gebirgskämmen. In der Nähe der Capelle ist ein Feld umzäunt und von den Mönchen angebant; unterhalb der Mauer liegt ein Stückchen Garten: im äußeren Hofe stehen einige Oelbäume, die sich von Früchten biegen, obgleich sie älter als die Sündfluth sein sollen. Ein Mönch, der zugleich Koch ist, besorgt einen Imbiß, indem er reife Beeren von einem der alten Bäume schüttelt. Im Klosterhof steht eine Heerde Ziegen, schwarze Kerle, mit grauen BärteN; sie sind für die Nacht hereingebracht worden, damit nicht Nachzügler aus den Lagern der Hauadi und Beni-Sakkr sie in den 'Wäldern stehlen. Hier sind sie sicher, wenn auch Akil Aja vielleicht der Herr jenes Hügels und Thales dort ist. Oben auf dem Hause sitzend, hinter Mauern und Thoren und unter dem Schutze von hundert Hunden, hört man mit ruhigem Pulse von diesen Beduineuhelden; doch ist der Geist in einer Stimmung, die das Knurren jener Wächter, selbst durch den anschwellenden und fallenden Ton eines frommen Abendliedes hindurch, nicht unwillkommen zu uuserm Horst gelangen läßt. In der Natur herrscht auf der einsamen Höhe eine so tiefe Stille, daß das Bellen eines Hundes die Scene eher in angenehmer Weise stört, wie das Zirpen der Vögel im Walde und das Rollen der Brandung an der Meeresküste. Von dem Innern des Klosters läßt sich der Araber durch Thore und Riegel zurückhalten; aber in die offene Ebene ein Zufällen und zu plündern, kann ihn die ganze Macht Kabuli's nicht zurückhalten. Noch jetzt, wie in den Tagen Gideou's ist der Nomade ein Räuber und das schwarze Zelt ein Fluch.