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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-02-07 · Heft 6 (7.2.1871) · p. Seite 121

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 6 (7.2.1871)
Date
1871-02-07
Page
Seite 121 (sequence 17)
Language
German
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Femlleton-Leilage )n Nr. 6. Leipzig, den 7. Februar 1871. Das heilige Land. Von William Hepworth Dixon. Oie Straßen des heutigen Jerusalems. So wie die Sonne über S^ba hinuntergeht, werden von den fünf Thoren, die jetzt die Bewohner Jerusalems benutzen/vier geschlossen und verriegelt. Diese sind: das Damaskusthor im Norden, in der Nähe von Jeremia's Höhle und den Töpfergewölben; das St. Stephansthor, das nach Bethanien und dein Oelberg im Osten hinausführt; das Mistthor, in der Nähe des Judenquarüers, unten im Kasemackerihale; das Zionthor, das zwischen den Hütten der Aussätzigen und dem Grabe Davids liegt. Aber das Bethlehemthor, der Eingang für Händler und Reisende von Aegypten und dem Meere her, steht noch eine halbe Stunde nach dem Retraiteschuß offen; dann schwingen sich die eichenen Flügel nach innen, eine Schildwache dreht den eisernen Schlüssel herum, nnd Niemand darf jenes Thor passiren, bis wieder ein Morgen gedämmert hat. Das einzige gesetzliche Mittel zum Eintritt während der Nacht ist ein besonderer Paß von Suraya; in allen gewöhnlichen Fällen muß ein Fremder, der zu spät kommt, ein Bürger, der zu lange auf den Feldern zugebracht hat, sich in seinen Mantel wickeln, einen glatten Stein zum Kopfkissen wählen und unter den Sternen deö Himmels ruhen. Ein warmes Klima, ein Wanderleben, Gleichgiltigkeit gegen Schmutz und Thau setzen die Eingeborenen in den Stand, vor solcher Nothwendigkeit sich mit geduldigem Achselzucken zu beugen. Ein Franke fügt sich nicht so leicht; ein Engländer wird, nachdem er an einem langen Tage von Jaffa heraufgeritten ist, oft seine Nacht vor dem geschlossenen Thore mit Stampfen und Schreien nach der türkischen Wache verbringen, die sich nicht stören läßt. Piaster, durch das Gitter geschoben, sollen eine Wunderkraft besitzen, Schließhaken und Riegel zurückschlüpfen zu lassen; aber der Versuch ist nicht im»ner gelungen. Bei dem mystischen Glauben des Morgenlandes verlieren an besonderen Tagen selbst Metalle ihre Kraft. Die Straßen der heiligen Stadt sollen bei Tage betreten werden, nicht nur weil der Mittag an Farbe lebhafter als der Abend, sondern weil Jerusalem eine moslemitische Stadt ist, in welcher das Geschäftsleben vom Unter- bis zum Aufgang der Sonne ruht. Kein Gas, kein Oel, keine Fackel, kein Wachs erleuchtet des Nachts die Straßen Jerusalems. Eine halbe Stunde nach dem Netraiteschuß ist der Bazar geräumt, sind die Geschäftsläden und Bäder geschloffen, die Kameele eingestallt, die engen Wege verlassen. Der Araber hat keine besondere Vorliebe für Lampen und Lichter, in seinem Zimmer genügt ihm eine flackernde Kerze, und er denkt nie daran einen Strahl von derselben auf die Straße fallen zu lassen. Die Finsterniß kommt wie ein Leichentuch herab, und um die Zeit, wo Paris mit Lampen und Gas hell erleuchtet wird, ist Jerusalem eine Todtenstadt. Beim Eintritt der Dunkelheit kann man noch ein Weilchen eine weiße Gestalt von Haus zu Haus schleichen sehen; in einer späteren Stunde erblicken Sie vielleicht den Strahl einer Laterne, die ein Sklave trägt: ein Franke ist bei seinem Freunde zum Besuch gewesen; ein Cawasch geht nach dem Hause deö Consuls; ein Bey visitirt seine Posten. Diese Männer lassen Laternen vor sich hertragen; denn in Jerusalem kann, wie in Kairo und Stambul, ein Mensch, der ohne Licht nach Hause geht, als Dieb verhaftet werden. Was sollte die Bewohner auf ihre dunkeln Gaffen locken - In einer moslemischen Stadt giebt es kein Theater, keine Concerte, keine Casinos, keine der unsauberen öffentlichen Lustbarkeiten, die in London, Paris und New-Hork die jungen Leute verführen helfen. Schlechte Männer und noch schlechtere Frauen mögen in Zion, wie an jedem andern volkreichen Orte, existiren; aber sie müssen hier ihr schändliches Gewerbe iin Verborgenen treiben, da sie keine Bälle, keine Theater, keine Weinhäuser haben, in welchen sie die unvorsichtige Jugend treffen und verlocken können. Lustbarkeiten jeder Art sind selten. Die Hochzeitzüge, die in Kairo die Nacht mit Lampen und Trommeln beleben, sind im heiligen Lande, wo der Bräutigam seine Braut bei Tage heimholt, nicht vorhanden. Niemand giebt Diners, Whist spielt kaum Jemand. Der Mosleme bleibt am liebsten zu Hause, bei seinem Harem und seinen Kindern; aber sein Haus ist selten der Ort, wo er gern seine Freunde sicht. Ein Franke ladet vielleicht seine Freunde

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