Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1871)
- Date
- 1871-02-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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35. Jahrgang. Allgemeine JW 6.» Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Di. Ludwig Philipps«,» in Bonn. Leipzig, den 7. Februar 1871. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/r Dogen. Preis des UahrgangS 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Jnscrsr: werden mit i lI2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-ZertungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der Friede. — Skizzen über die Frage: Was haben die Juden vom Staate zu fordern? I. — Die Risscrstiftung in Frankfurt am Main. — Die Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Posen, Lauenburg, Bielefeld, Siegbnrg. — Oester r.-ungarische Monarchie: Wien, Pest. — Donausürstenthümer: Bukarest. Feuilleton-Beilage: Das heilige Land. — Notizen. Leitende Artikel. Bonn, 29. Januar. 8er Friede. „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße deS Boten, der Frieden verkündet, Frieden, Frieden!" . . . Welche unsägliche Last, welch' schwerer Alp wälzt sich von den Herzen Aller, der Sieger wie der Besiegten, der Kriegführenden wie der Unbetheiligten, da der Friede kommt, der Friede nahe ist! . . . Die Forts von Paris haben capitulirt, eine dreiwöchentliche Waffenruhe ist eingetreten, und der Friede wird unterhandelt. Der Friede wird geschlossen, denn er ist für Deutschland Vedürfniß, für Frankreich Nothwendigkeit, die Sehnsucht der ganzen Welt. Welche auch die Friedensbedingungen sein werden, nicht die Erfolge auf der einen, nicht die Verluste auf der anderen Seite haben Bedeutung vor der Gewißheit, daß der Friede über den lief erschütterten Welttheil zurückkehrt, vor dem sehnlichsten Wunsche, daß er ein dauerhafter, nicht wieder unterbrochener Friede werden möge! Dieser Krieg hat große Enttäuschungen mit sich gebracht. Man hatte geglaubt, daß Völkerkriege nicht mehr möglich seien, weil die Nationen zur Einsicht gekommen, daß sie sich gegenseitig nur aufzureiben vermögen, daß Sieg und Niederlage gleicher Weise die traurigsten Opfer kosten, daß nur der friedliche Wettstreit der geistigen und materiellen Arbeit Macht, Ansehen, Größe, Segen schafft — und wir haben gesehen, wie schnell sich ein Nationalkrieg, ein Nacenkampf entzünden kann, ja gerade in unserer Zeit eher, je entwickelter, je empfindlicher bas Nationalgefühl und das politische Bewußtsein in den Völkern ist. Man hatte geglaubt, daß in unserer Zeit, selbst wenn ein Krieg entstünde, er in mäßiger, humaner, schonender Weise geführt werde, Bewaffnete gegen Bewaffnete, man möchte sagen nur vsficiell, mit möglichster Schonung des EigenthumS und des LebenS der Privaten, mit Beistand für den Verwundeten ■, mit Berücksichtigung aller völkerrechtlichen Brauche und Einschränkungen — aber wir haben gesehen, welche Wuth sich entzünden, welche Grausamkeiten gegenseitig verübt, welche Verwüstungen auögeführt werden können. Niemals sind die Greuel deS Krieges abschreckender, scheußlicher vor die Augen der Menschen getreten. Warum wir dies mitten in den Jubel, mitten in daS Freudegefühl des nahenden Friedens uns wiederholen?