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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-01-31 · Heft 5 (31.1.1871) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 5 (31.1.1871)
Date
1871-01-31
Page
Seite 104 (sequence 24)
Language
German
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104 Mahlzeit etwas /gewöhnlich ein Stückchen Brod, beim Frühstück ein Stückchen Semmel) übrig zu lasten, oder nach dem landläufigen Volksaußdrucke: zpx «gute Sitte und Lebensart) stehen zu lasten. Es gehörte dies zur feinen Lebensart, einen kleinen Ziest von jeder Mahlzeit zurück zu lasten, und man sagte gewöhnlich von einem Gaste, der Alles gierig verzehrte: Er hat nicht einmal Derech erez stehen lasten! Wie oft sind solche Scenen vorgekommen, wie hier Maximilian Heine erzählt, daß Kinder das Stückchen Semmel, welches Aeltern oder Großältern vom Frühstücke übrig ließen, schnell erhascbten und die Geschwister riefen dann schadenfroh: N. N. hat den Terech erez aufgenascht, oder wie Heine sagte, den Nespect aufgcgesten. Dieser Brauch findet sich 'auch im Talmud, Sanhedrin 92. a. erwähnt: Wer nicht auf seinem Tische von dem Mahle Brod stehen läßt, der findet keinen Segen, das heißt: Er ließ keinen Rest zurück von seiner Speise, darum dauert sein Wohlstand nicht! (Job 20, 21). S. Orach Chajim. Ab. 180. pro -N-n irt* de irsc rD ...Tma yrr rrr p bv rio prr *r:s:'C5 H2->2 Die Anwendung dieser Bibclstelle zur Begründung der schönen Lebensregel ist gewiß recht witzig und geistreich und übte eben durch ihre witzige Anwendung den beabsichtigen Eindruck aus. Kabbalisten und Philosophen suchten dann wohl den talmudischen Auöspruck nach ihrer Weise zu erklären und auszudeuten. (S. Bachji b. Ascher Ascher, Schulchan Arba i. Ab. über das Verhalten beim Speisen.) Llllein der Bolksgeist hat die erwähnte Stelle am richtigsten aufgefaßt und daraus die Redensarten: Derech erez, Nespect stehen lasten, gebildet. D. Oppenheim. Korrespondenz. Nordhausen, den 5. Januar. Am 1. Januar feierte das vieljährige Mitglied des hiesigen Vorstands- und Nepräsentanten-Collegii tauch eifriger Agent des jüdischen Literatur-Vereins) Herr Lazarus Schönheim, seinen 70. Geburtstag. Es war dies ein seltenes Fest, denn es gab Zeugniß davon, wie mächtig und voll die Herzen der Menschen demjenigen entgegenschlagcn, der sich in lauterer und edler Hingebung um das Wohl der Gesammthell bemüht. Schon in den frühen Morgenstunden fanden sich Gratulanten ohne Unterschied des Standes und des Glaubens im Hause des Jubilars ein, um demselben ihre Ehrerbietung zu bekunden. Unter den herzlichsten Gratulationen der verschiedenen jüdisch-religiösen Vereine überreichte eine Deputation des Vorstandes und Reprascntanten-Collegii dem Jubilar einen prachtvollen silber-; nen Pokal, welcher die sinnreiche Inschrift trägt: ' 27'2'> 'na pn H:i7:ea *raas rrpsvo ■*» ba 2^22; ähnliche, ansehnliche Geschenke wurden von einzelnen Gemeindemitgliedern und Auswärtigen demselben überreicht. Zur dauernden Erinnerung an die Feier des TageS widmete der hiesige Rabbiner Dr. Auerbach dem Jubilar ein in hebräischer Sprache verfaßtes Gedicht, in welchem Ersterer die wechselvollen Erlebnisse des Herrn Schönheim, insbesondere aber dessen Verdienste um die hiesige Gemeinde in sinnreichen Worten schilderte. Doch was der ganzen Feier den erhabensten Charakter verleiht und dem verehrten Jubilar ein dauerndes. Andenken in unserer Gemeinde sichert, ist die von demselben gegründete Stiftung eines Legats von 400 Thalern zu wohlthätigen, noch näher zu bestimmenden Zwecken. Möge diese edle Handlung so manchen mit irdischen Glücksgütcrn reichlich Ausgestatteten zur Nacheiferung ansvorncn und möge der greise Jubilar in der ihm gewordenen lebhaften Theilnahme den Lohn für seine vieljährige, unermüdliche und uneigennützige Thätigkeit finden und die Erinnerung an diesen in ihm Jugendmuth und Jugendfrische wachrufen! Curiosilm. Aus welchen Elementen die deutsche Cernirungsarmee um Paris zusammengesetzt gewesen, werden die Pariser, wenn sich ihr Strom erst wieder in die Umgebung dieser Hauptstadt ergießt, aus mancherlei Wahrzeichen erkennen. Die Langeweile hat die deuschen Krieger öfters veranlaßt, sich an den Mauern und Wänden der Hauser in den Städtchen und Dörfern um Paris durch Malerei und Inschriften zu verewigen. Da finden sich denn auch hebräische, griechische und Sanskritsprüche, erweisend, daß manche dieser jungen Männer der gelehrten Kaste und in dieser wieder dem jüdischen Bekenntniß angehörtcn. Verlag von Daumgärtner's Buchbandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirfchfeld. Verantwortlicher Redacteur Dr. H. Lotze.

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