Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1871)
- Date
- 1871-01-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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35. Jahrgang. Allgemeine JW 3. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Phitippson in Bonn. Leipzig, den 17. Januar 1871. Diese Zeitunq ersckeint wöchentlich einmal Dicnstaftü, in 2 bis 2>'a Bogen. Preis deS Jahrgangs t Thlr. Hatbiahng 2 THIr. giertet,>.hr,g I Tblr. Inserat? werden mit I Ngr. für die Pelitzcile oder deren Raum berechnet. '-'Ille Buchhandlungen, Postämter und Zerkuiigs-S^'edltioiieu nehmen Beste!, lungen an; der Haupt-Expedüion für beide Lcylcrc hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Dü« deutsche Reich and Vic Juden. — Sammlung für die durch den Krieg verunglückten Jsracliteu in Straßburg, Metz und Landgemeinden des Elsaß und Lothringens. — Die Lehre des Jndcilthums von der göttlichen Vergeltung. IV. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Mannheim, Bonn, Pieschen, Aus Wcstphalcn. — Dcftcvivmiga rische Monarchie: Pest. — Italien: Rem. — Nuß^ land: Russisch Polen. Korrespondenz: Lehrerconfcrenz. Feuilleton-Beilage: Der taube Soldat. (Fortsetzung). — Curiosum. — Lenien. Leitende Artikel. Bonn, 8. Januar. Das deutsche Reich mrd die 2ndeu. Mit dem ersten Januar dieses Jahres trat das „deutsche Reich" wieder in das Dasein zurück, an seiner Spitze den Kaiser von Deutschland. Ob dieses große Ereigniß, groß in seinen Ursachen, in den Vorgängen, durch welche es zu Stande gebracht und gefördert worden, wie in seinen Wirkungen, hier mit Jubel, dort mit Besorgniß und Verdruß, von manchen Seiten auch mit Gleichgültigkeit ausgenommen wird; ob das durch die Abgeordnetenkammer zurückgehaltene Bayern in kürzerer oder längerer Zeit sich anschließen, und endlich ob das Werk von dem Einen erst als begonnen, von dem Anderen schon als vollendet angesehen wird — so wie cs da vor uns steht, ist es tnächtig und in die Geschicke unseres Weltalls eingreifend genug, um auch unsrerseits eine Erwägung hervorzurufen. Wir sagten, daö deutsche Reich sei in das Dasein wieder zurückgetreten, und in der That kann es als eine neue Schöpfung nicht angesehen werden, so groß auch die e'mgctretenen Veränderungen sind. Es ist die Zusammengehörigkeit der deutschen Stämme zu einem nationalen Staate, so fest oder so lose dessen Glieder an einander geknüpft seien, welche in dem alten deutschen Reiche lebte und auch jetzt der Lebensmittelpunct des neuen deutschen Reiches ist; es ist die inonarchische Spitze in einem Kaiser, welche wieder gefordert und gebildet ward. Es sind die das Reich bildenden Einzelstaaten mit ihren souveränen Fürsten — also die wesentlichen Charakterzüge des deutschen Reiches seit uralter Zeit. Was so am 6. August ISOf* völlig auseinandergefallen und durch die Bundesacte >815, lose wieder aneinander gefügt war, das ist jetzt wiedererstanden, man bat den „Bund" fallen lassen, und das „Reich" mit seinem Kaiser wieder aufgerichtet. Allein, so wie es gegangen, ist es nicht wiedergekommen. Man hat zmn ersten und zum letzten Male den Kaiser gewählt, denn ist erblich geworden. Die Stände sind geschwunden, und werden einerseits durch die Vertreter der einzelnen Negierungen, andrerseits durch die gewählten Vertreter des gesammten deutschen Volkes ersetzt. Die Zahl der souveränen Fürsten und Städte ist gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts ans vielen Hunderten zu einer dagegen kleinen Zahl zusammengerückt. Was aber die Hauptfach ist, das deutsche Reich wird fortan eine Vertretung nach Außen, eine geeinigte Kriegsmacht und