Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1871)
- Date
- 1871-01-10
- Page
- Seite 33 (sequence 13)
- Language
- German
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lidjjten, ton Religionshaß, in welchem, bann Pöbelaiifftän&e gegen die schuldlosen Juden mit Plüudenm- .qcn, kltaub und schivereu Körperverletzungen, nicht sowohl geduldet, als vielmehr provocirt tverden, wo die Regierung durch Verordnungen das grausamste Eril. die Wegnahme von Hab und (SMit, die Verletzung ordnungsmäßiger Verträge aubesiehlt und ausführt, die RVgieruugsbeamleu alle mögliche Willkür gegen die Wehrlosen vollführen, und die Gerichtshöfe nur Hohn für die Beschädigten, Freisprechung für die Uebelthäter haben —- da ist in der That weder Volt noch Regierung fähig, unabhängig zu sein, da ist noch so viel Verwirrung, Verkehrtheit, Unselbständigkeit vorhanden, daß ein solcher Staat, der seine innere Uutanglichkeit so sehr offenbart, seine internationale Selbständigkeit gewiß nicht zu behaupten vermag. Bei dem ersten Eonfliet wird der rumänische Fürst der Satrap eines seiner mächtigen Nachbarn. Für die Inden wäre die Erlangung dieser gänzlichen Unabhängigkeit kein Glück; denn immer muß es wiederholt werden: der Einfluß der fremden Brächte auf die Negierung des Landes ist noch die einzige Bürgschaft für die Sicherheit ihrer Existenz; fällt dieser erst weg, kann sieh der völlig unabhängige rumänische Staat dahinter verstecken, daß Niemand in seine inneren Verhältnisse eiuzureden habe, ivas ja von einem dieser Ministerien bereits geschehen ist, so sind die Israeliten WninänienS gänzlich preisgegeben. Italien. Rom, 20. December. Die „Imlcpemknce beljje“ theilt Folgendes mit: Nachstehend ein Zug, der einige Aehnlichkeit mit der Mortara- und Eoöu-Angelegenheit hat. Im Fahre IS.m lebte in Rom.eine israelitische Familie, bestehend aus dem Vater, der Mutter und drei mindern im Alter von sechs Jahren, vier Fahren und sechs Monaten. Sb aus Ueberzenguug, oder aus Spekulation, der Vater trat zur katholischen Kirche über, verließ seine Frau und Binder und verschwand. ohne daß man wieder von ihm hätte sprechen hören. Kaum war der Taufact vollführt, als die Sbirreu des Eardiual-Viears der Mutter die drei minder entrissen und sie nach der Anstalt für Bekehrte brachten, wo sie in der katholischen Kirche erzogen werden sollten. Die unglückliche Mutter, welche wohl wußte, daß, obgleich das berühmte non po.ssiunus noch nicht er sunden war, jede Reelamatiou vergeblich sein würde, faßte den Entschluß, Rom zu verlassen und nach Livorno zu ziehen, wo sie kümmerlich während 17 Jahren lebte. Nach dem 20. September dieses Jahres glaubte die Frau Decori — dies ist ihr Name — daß mit den anderen Freiheiten auch die Gewissensfreiheit in Nom eingezogen wäre, und tvollte ihre Mutterrechte geltend machen, um ihre Kinder wieder zu fordern, um sie wenigstens wiederzusehon. Sie unternahm also die Steife nach Nom, und es glückte ihr, zu erfahren, daß ihre drei Kinder noch lebten, ja es wiederfuhr ihr sogar die Vergünstigung, sie zu umarmen; aber als. sie sich zum zweiten Male zeigte, blieb ihr die Thüre hartnäckig verschlossen. Wenn wir den General Eadorna hier hätten, welcher jüngst den jungen Eomi seiner Familie zurückgegeben hat, würde wohl die Frau dieselbe Gunst erfahren; aber nur haben den Herrn de La Marmor«, und ich fürchte sehr, daß die arme Mutter allein nach vioorno zurückkehren muß. Ä »ß land. Moskau, im December. Eine merkwürdige Erscheinung ist es, daß jüngst der Stadtrath von Moskau aus eigener Entschließung eilte Adresse an den Kaiser richtete, in welcher er diesem den Dank für die jetzt beabsichtigte Einführung der allgemeineir Wehrpflicht, zugleich aber auch die Bitte um Ertheilung von Gewissens- und Religionsfreiheit ausspricht. Die Adresse wurde aus dem Eabinet des Kaisers dem Magistrate zurückgesandt, ohne entgegengenommen zu iverdeu. Die Gründe für die beanspruchte Religious freihoit liegen wohl in dem Pauslavismus des Moskauer Stadtrathcs. A m c r i f (i. Ncw-Zork, 1. December. (Privatmitth). Am gest rigen Abend fand die Eröffnung des großartigen Bazars statt, der jetzt hierselbst zum Besten des Mouirr