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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-01-03 · Heft 1 (3.1.1871) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 1 (3.1.1871)
Date
1871-01-03
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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20 zimmern gewartet, wurde sie fortgeschickt, oder man sagte ihr: man wisie von dieser Sache nichts, und könne auch nichts dafür Lhun. Sie ließ nicht ab vom Suchen, sie war unermüdlich, unerschrocken, aber zuletzt war sie doch am Ende und hoffnungsloser als am Beginn ihrer Wanderungen. (Fortsetzung folgt.) Curiosum. Die „N. ft. Pr." schreibt „aus der jüdischen Cultnsgemeinde in Wien": Im israelitischen Tempel in der Seitenstettcn gaffe sollte Sonntag Nachmittags die Hochzeit der Manufacturwaaren-Händlerin Fräulein Fischer mit dem Kaufmanne I. Kurzweil aus Klosterneuburg stattsinden. Im Hause der Braut, Nußdorferstraße, waren die Hochzeitsgäste versammelt, nur auf die Hauptperson, den Bräutigam nämlich, wurde noch gewartet. Dieser aber brachte durch sein Nichterscheinen Alles in peinlichste Verlegenheit. Der Prediger, Dr. Jellinek, welcher die Trauung vornehmen sollte, erhielt die kurze Mittheilung: „Ein großes Unglück ist geschehen, die Hochzeit kann nicht stattfinden." Herr Kurzweil hat sich, angeblich um noch einige dringende Angelegenheiten zu ordnen, Samstag Vormittags von seiner Braut entfernt und kehrte seitdem weder zu dieser, noch in seine Wohnung zurück. — Glücklicher erging es einem jüdischen Drechslergesellen, der nach vielen Schwierigkeiten eine Bürgerstochter katholischer Confefsion zum Altar führte. Das Mädchen zerwarf sich mit ihren Eltern, welche die Heirath nicht zugeben wollten, und wurde confessionslvs. Später drängte sich ihr die Ueberzeugung auf, daß die Religionslosigkeit ihr nicht zum Heile gerathen könne, und wurde deshalb Jüdin. Dr. Jellinek gelang es, zwischen Tochter und Eltern eine Versöhnung herbeizuführen, und segnend legten sie vor der Trauung die Hände auf das Haupt ihres andersgläubigen Kindes. Notizen. In den Tagesblättern wurde jüngst das Schreiben eines ArzteS aus Elberfeld mitgethcilt, in welchem dieser aus dem Lager um Paris über den günstigen Gesundheitszustand der deutschen Truppen und über die trefflichen Einrichtungen der dortigen Lazarethe berichtet. Es heißt da u. A. wörtlich: „So werden, da, wie bekannt, die Dejectionen der Typhuskranken die vorzüglichsten Träger der Ansteckungsstosfe sind, in allen Hausern, die als Lazarethe eingerichtet werden, die Aborte verschlossen und entfernt vom Hause gewöhnlich im Garten, eine tiefe Grube hergestellt, in welcbe die vorher mit Eisenchloridlösung vermischte Dejectionsmaffe versenkt und jedesmal mit einigen Schaufeln Erde bedeckt wird." Es war natürlich, daß uns hierbei 5 Mos. 23, 13. 14. ein fiel: „Und einen Platz sollst Du haben außerhalb des Lagers, daß du dahin hinausgehst; und einen Spaten sollst du haben bei deinem Geräthe, und wenn du dich draußen hinsetzest, so grabe damit und kehr' um und bedecke deine Ausleerung." Unser Gesetzgeber wartete also nicht erst auf den Typhus, um eine unter allen Umständen so heilsame Maßnahme zu verordnen. Xenien. t Fortsetzung.) „Wissen ist Macht!" — Du lachst? Du vermögest so Vieles und—weißt nichts? Sag, was vermag wohl der Kopf ohne die Hand und den Fuß? „Reichthum ist Macht!" — Ich lache! — Zu oft schon sah ich Dich zittern — Sag, was vermag ohne Kopf wohl die Hand und der Fuß? „Herrschen ist Macht!" — Ich seufze! — Weil Kopf und Glieder sich streiten, Wer sie zusammen beherrscht, der besitzet die Macht! Darum bietet zum Diener der Reichthum dem Herrscher sich willig, Und das Wissen zur Magd, beide um Ehren und Lohn. Recht ist Macht! — denn am Ende doch trifft das Rechte das Recht nur! Aber das Rechte, wie oft! wird zu Schanden und Weh! Macht ist Recht! — denn ihr Wille gebeut und ordnet die Dinge, Daß er schließlich als Recht blöden Augen erscheint. Verlag von Barnngärtner's Duchbandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirfchfeld. Verantwortlicher Redakteur £>*•• H. Kotze.

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