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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-01-03 · Heft 1 (3.1.1871) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 1 (3.1.1871)
Date
1871-01-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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35. Jahrgang. Allgemeine JW 1. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 3. Januar 187t. Diese Inserat: Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/, Bogen. Preises Jahrgang« i Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Viertcljährig ' Tblr. rt: werden mit I'/, Nar. für die Prtitrcile oder deren Raum berechnet. Ave Buchhandlungen, Postämter und Ze,lungS-Expcdtt,onell nehmen Bcstelq-..*—. f«f RA Snfi »Kn!nt. Stichs. Haupt-ZeitungS-Bureau unterzogen. lungeu an; der Haupt-Expevilion für beide Letztere hat sich daS König!. Inhalt. Leitende Artikel r Wie wir es anzusehen Laben. — Die Lehre des JudenthumS von der göttlichen Vergeltung. III. — Sammlung für die durch den Krieg verunglückten Israeliten in Straßburg, Metz und Landgemeinden des Elsaß und Lothringens. — Das Gesuch an die verchrlichen Vorstand? der israelitischen Gemeinden Deutschlands. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Corresponden;: Ein Rückblick. Zeitungsnachrichten: Deut sch fand: Bonn, Leipzig. — Q esterr.-ungarische Monarchie: Wien, Pest, TemeSwar, Szcgedin, Lemberg. — Italien: Floren;. — Amerika: Cincinnati. Feuilleton-Beilage r Der taube Soldat. lFortsctzung). — Curiosum. — Notizen. — Jemen. Leitende Artikel. Bonn, 25. December. Wie wir es luizusehen haben. Wie wir eö anzusehen haben? Als eine schwere, unermeßlich schwere Prüfung, die über uns, über die gesammte europäische Gesellschaft gekommen, die wir zu bestehen, die wir durchzuringen, aus der wir gereift und geläutert hervorzugehen haben! Wer auf das Meer von Leid und Mißgeschick blickt, in welches die zwei großen ringenden Völker versenkt worden, die zahllosen jungen und kräftigen Menschenleben, die verbluten, oder verstümmelt uuo siech aus dem Kampfe kehren, die unübersehbaren Lücken, die in die Familien gerissen werden, die Städte und Dörfer, die verbrannt und verheert werden, ganze Bevölkerungen, die der Armuth und dem Elend verfallen, den unsäglichen Perlust an Besitz und Erwerb, den Haß und die Verwilderung, die um sich greifen — dein will schier daS Herz darüber brechen, und eine Verzagtheit bemächtigt sich seiner Seele, die ihn an Gegenwart und Zukunft fast verzweifeln läßt — eine Entmuthigung, die um so stärker und entschuldbarer ist, je größer die Hoffnungen auf die Culturentfaltung der Menschheit gewesen, je großartiger die Erfolge der Industrie, der Wiffenschaft, der mannigfachen Entdeckungen und Erfindungen, welche die letzten Jahrzehende unsres Jahrhunderts auszeichneten, und die jetzt doch nur sich dienstbar zeigen, um die Wirkungen des menschenmörderischen Kampfes desto gräßlicher und umfangreicher zu machen! Doch hierbei dürfen wir nicht stehen bleiben. Mit solchen Betrachtungen und Gefühlen unser Bewußtsein nicht umnebeln, unsre Kraft nicht lähmen lassen. Im Grunde genommen, wodurch hätten wir den Anspruch, von Nebeln befreit zu bleiben, welchen alle Jahrhunderte der menschlichen Vergangenheit unterworfen waren? Sind wir ein religiöseres, gottesfürchtigeres Geschlecht als die vorangegangenen? Ist unsre Sittlichkeit so entschieden, so durchgreifend, unsre Humanität so fest begründet, so umfassend, ist unser Rechtsbewußtsein so beherrschend und überwindend, daß wir von den verzehrenden Schrecken des Völkerkriegcs befreit zu bleiben, die Forderung an das Geschick des Menschengeschlechtes zu stellen, berechtigt wären? Es ist dem nicht so; und daß es dem nicht so ist, beweisen die Vorgänge, an denen wir Mitftreitende und Mitleidende sind. Wenn die Zustände und Verhältnisse dergleichen Ereignisse zuließen und herbeisührten, so müssen sie auch derartig ge-

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