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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-12-25 · Heft 52 (25.12.1866) · p. Seite 825

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 52 (25.12.1866)
Date
1866-12-25
Page
Seite 825 (sequence 9)
Language
German
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825 unbillig, ja ungesetzlich widerstanden hatte, gab sie vor wenigen Monaten ihre Zustimmung. Es ist aber unläugbar, daß jetzt nichts den Gemeinden als die öffentliche Meinung im Wege steht, wenn sie die Rabbinerschule schließen wollen. Mit Recht können sie aber fordern,, daß auch die anderen ital. Gemeinden zu den Kosten beitragen. Bis heute wurde kein Schritt dazu gethan. Nur ein neuer Congreß könnte darüber entscheiden, aber von einer solchen Zusammenkunft verlautete noch nichts. Indien. London, im Dezember. Ein englischer Missionär, Dr. John Wilson, berichtet über eine merkwürgige israelitische Kolonie in Indien: „Auf der Insel Bombay und^ auf der nahen Küste des Kontinents giebt es eine Bevölkernng von „Bene Israel", die sich auf acht bis zehntausend Seelen beläuft. Sie nehmen äußerlich eine niedrige Stellung ein. ' In Bombay sind sie, mit Ausnahme einiger Magaziniers und Schreiber, hauptsächlich Handwerker, besonders Maurer und Zimmerleute. Auf dem Feftlande sind sie allgemein mit dem Ackerbau oder mit der Bereitung und dem Verkauf von Oel beschäftigt. Einige von ihnen, die sich oft als Soldaten auszeichnen, findet man in den meisten Regimentern der eingebornen Infanterie in dieser Präsidentschaft. Unbedingtes und gerechtes Vertrauen wurde während des militärischen Aufstandes in Indien in den Jahren 1857 und 1858 auf die Bene-Jsrael-Sepoys gesetzt. Man kann die Bene Israel leicht erkennen. Sie sind etwas hübscher, als die anderen Eingeborenen Indiens von gleichem Range und gleicher Lebensweise, und ihre Physiognomie scheint eine Vereinigung von jüdischem und arabischem Blute in ihnen anzuzeigen. Ihre Kleidung ist eine Abart von derjenigen der Hindus und Muselmänner, unter denen sie wohnen. Sie sind alle nach dem Gesetze Mosis beschnitten; und obwohl sie bis vor kurzem keine geschriebene Kopie des Pentateuchs oder anderer Bücher der Bibel hatten, betrachten sie doch das ganze Alte Testament als göttlichen Ursprungs. Als sie vor fünfzig Jahren zuerst die Aufmerksamkeit unserem Landsleute besonders auf sich zogen, fand man bei ihnen eine Vermischung des Jehovakultus mit Zauberei und Götzendienst. Sie nennen sich selbst Bene Israel; und bis vor kurzem sahen sie die Bezeichnung als Jehudi für eine Beleidigung an. Sie wohnen in Indien schön seit Jahrhunderten und stammen, ihrer eigenen Aussage nach, von den Juden in Jemen oder dem glücklichen Arabien ab, mit denen sie seit undenklichen Zeiten vielen Verkehr hatten, und denen sie in ihrem Körperbau und Aussehen sehr gleichen." Seit vierzig Jahren hat die Mission begonnen ihre Verführungskünste auf diese armen und unwissenden Leute ausznüben; es ist ihnen in diesen vierzig Jahren auch wirklich gelungen — zwei Bene Israel'zu bekehren! (Jew. Chron.) Amerika. Chicago, 30. November. (Privatmitth.) Die in jüngster Zeit mehrfach vorgekommenen Anstellungen competenter Männer zur Besetzung theils ' vacanter theils neu creirter Rabbinerstellen zeigten genugsam, daß die größeren Gemeinden ihre Kräfte aufbieten um dem nachwachsenden Geschlecht ein lebendiges Judenthum zu übergeben. Es ist mir wohl bewußt, daß die Reformen in den verschiedenen Gemeinden nicht von gleicher Tragweite sind, das thut aber dem Ganzen keinen Eintrag. Wird durch diese Vermehrung von Talent und Beredsamkeit in den reformatorischen Gemeinden doch auch die sogenannte Orthodoxie gezwungen das belehrende Wort in ihren Gotteshäusern durch tüchtige Kanzelredner predigen zu lassen. In einem früheren Briefe habe ich darauf hingezeigt, daß in Sachen der Wohlthätigkeitspflege alle unsere Glaubensgenossen in hiesiger Stadt gemeinschaftlich handeln — so weit sie auch in Cultussachen auseinander gehen mögen. — Man geht jetzt hier damit um an die Errichtung, eines jüd. Hospitals Hand zu legen^. Circa achtzehn Tausend Dollars wurden zum Beginne innerhalb weniger Tage gezeichnet; dies läßt mit Sicherheit annehmen, daß'die nöthigen Gelder mit Leichtigkeit werden beschafft werden können, wie sie gerade zu diesem schönen Werke, woran Chicago früher arbeitet als eine dringende Notwendigkeit dafür obwaltet, erforderlich sind. Herr Dr. Chronick, den Sie, verehrter Herr, wohl kennen, rechtfertigt die auf ihn gefallene Wahl der Sinai Congregation durch allsabbathliche gediegene Vorträge. Hier kann er seine Meinung aussprechen ohne den. 52

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